Mittwoch, 22.05.2013 - aktualisiert um 13:54 MEZ
Sie befinden sich hier: DerBörsianer / News / Interviews »  
Die Lage der Weltwirtschaft, die Leitzinsentwicklung, die Attraktivität von Aktien aber auch die Gefahr einer Überhitzung in den Emerging Markets waren beim Gespräch mit Christian Nemeth intensiv diskutierte Themen. Der Chief Investment Officer der Deutschen Bank Österreich im Experteninterview.

DerBörsianer.com: Globaler Aufschwung, anziehender Welthandel oder doch ein langsames Abrutschen in eine erneute Rezession? Wie steht es um die Weltwirtschaft?
 
Christian Nemeth: Wir sehen die Weltwirtschaft weiterhin auf einem Wachstumspfad, die unterschiedlichen Wachstumsgeschwindigkeiten in den Industrieländern und in den Schwellenländern bleiben jedoch sehr ausgeprägt. Das Wachstum wird primär von den Emerging Markets, insbesondere von den asiatischen Schwellenländern getragen. Europa und die USA erholen sich zwar ebenfalls, bleiben aber unter Potenzialwachstum.
 
DerBörsianer.com: Die Volkswirtschafen in Asien als Motor der Weltwirtschaft. Wie sind dazu die USA und Europa genau einzuschätzen?
 
Christian Nemeth: USA und Europa profitieren vom globalen positiven Umfeld und der Dynamik in den Emerging Markets, der Aufschwung verläuft in den beiden Regionen nur moderat. Die im Vergleich zu den Emerging Markets hohen Staatsschulden erschweren hier in Zukunft fiskalische Stimuli.
 
DerBörsianer.com: Und welche Leitzinsentwicklung erwarten Sie in Europa, der USA und Asien langfristig? Was bedeutet das für Ihre Auswahl der Anlageklasse?
 
Christian Nemeth: Wir gehen weiterhin von niedrigen Leitzinsen aus, da wir keine Gefahren für einen Inflationsanstieg sehen. Auch im historischen Vergleich ist festzuhalten, dass die letzten großen Zinssenkungsphasen seit den 90er Jahren mehr als 1000 Tage gedauert haben. Sowohl die FED als auch die EZB können die Leitzinsen über einen längeren Zeitraum tief halten.
 
DerBörsianer.com: Die Diskussion um die Staatsverschuldungen von Griechenland, Italien, Portugal und Spanien sind etwas verstummt. Welche Länder sehen sie außer diesen schon nahe am Schuldenlimit?
 
Christian Nemeth: Die Finanzmärkte differenzieren hier genauer und betrachten nicht nur die absolute Schuldenhöhe als singuläres Kriterium. Die Veränderung der Schuldensituation im Zeitablauf, aber auch strukturelle Schwächen innerhalb der Volkswirtschaft sind für die Beurteilung sehr wichtig. Obwohl Italien traditionell eine hohe Schuldenlast zu tragen hat und eine deutlich höhere Quote als Spanien oder Portugal aufweist, schneiden die italienischen Staatspapiere deutlich besser ab als spanische oder portugiesische Anleihen. Auch in Zukunft werden die Finanzmärkte die Entwicklung in allen Staaten genau unter die Lupe nehmen.
 
DerBörsianer.com: Von den eher schwierigeren Märkten zu positiven Aspekten. In welchen Märkten sehen Sie interessante Aktien-Bewertungen und wie zeigen sich diese Bewertungen aktuell?
 
Christian Nemeth: Die Unternehmensgewinne steigen global an, die Bewertungen sind weiterhin attraktiv vor allem im Vergleich zu den niedrigen Renditen für Staatsanleihen bester Bonität. Wir favorisieren klar die Emerging Markets vor den entwickelten Ländern. Innerhalb der Industrieländer haben wir derzeit die USA übergewichtet.
 
DerBörsianer.com: Was macht die aktuelle Phase zu einem guten Investitionszeitpunkt in Aktien?
 
Christian Nemeth: Aktien sind trotz der Kursanstiege im Vorjahr weiterhin attraktiv bewertet, wir erwarten sowohl für 2010 als auch 2011 zweistellige Gewinnsteigerungsraten für die börsennotierten Unternehmen und damit Potenzial für weitere Kursgewinne. Die Unternehmen sind sehr solide aufgestellt und finanziert, bis dato ist kaum Margendruck erkennbar. Niedrige Zinsen und Renditen machen Veranlagungen im Anleihenbereich zusehends unattraktiv.
 
DerBörsianer.com: Die Emerging Markets erscheinen in einem guten Licht. Sehen Sie bei einzelnen Märkten auch die Gefahr einer Überhitzung?
 
Christian Nemeth: Die Emerging Markets sind fundamental gut unterstützt. Probleme könnten von zwei Seiten kommen: Auf der einen Seite haben wir bereits große Nachfrage und Mittelzuflüsse in die EM gesehen, bei einem Anstieg der Risikoaversion kann es hier auch zu Gewinnmitnahmen kommen und auf der anderen Seite die Immobilienpreise in China. Generell ist zu beachten, dass die meisten Emerging Markets stark exportabhängig sind und sich eine Abkühlung der globalen Konjunktur auch entsprechend negativ auf diese Volkswirtschaften auswirkt.
 
DerBörsianer.com: Im Vergleich zu Aktien, wie stehen die Rendite-Risiko-Profilen Ihrer Meinung nach in anderen interessanten Anlageklassen?
 
Christian Nemeth: Unternehmensanleihen und Anleihen aus den EM sind für uns ebenfalls interessant - weisen aktuell eine wesentlich bessere Chancen/Risiko Relation aus als Staatsanleihen bester Bonität.
 
- Absolut Return Produkte - große Dispersion in einzelnen Marktsegmenten (Renditedifferenz zwischen einzelnen Assets in einer Assetklasse) begünstigt aktives Management.
 
- Selektive Rohstoffinvestments - Goldpreis profitiert von immer wieder aufkommender Risikoaversion der Finanzmarktteilnehmer.
 
DerBörsianer.com: Wie würden Sie aus aktueller Sicht ein Depot für einen risikobewussten aber auf keinen Fall risikoscheuen Anleger gewichten?
 
Christian Nemeth:
 
Aktien Entwickelte Märkte - 16,00%
Aktien Emerging Markets - 17,00%
Private Equity - 5,00%
Staatsanleihen - 8,00%
Unternehmensanleihen - 23,00%
Absolute Return - 16,00%
Immobilien - 5,00%
Rohstoffe und Währungen - 7,00%
Cash - 3,00%
 
Summe  100,00%
Empfehlen

Jetzt Ordern »

      
Verfasst am 21.09.2010 um 11:20, Autor: MB

TICKER

ANZEIGE
zum Seitenanfang