Angesichts der Unsicherheiten an den internationalen Finanzmärkten sowie den jüngsten geldpolitischen Maßnahmen der Zentralbanken befragte DerBörsianer die Währungs-Experten der Erste Group. Mildred Hager und Adrian Beck gaben uns nicht nur Antworten auf Fragen zur Entwicklung des Euro zu US-Dollar und Schweizer Franken, sondern auch zu den Erwartungen in die Geldpolitik der Notenbanken.

DerBörsianer: Die Euro-Krise sorgt weiterhin für Unsicherheit. Wie beurteilen sie als Expertin die Maßnahmen der EZB?
 
Mildred Hager: Die Zinssenkung der Zentralbank war aus geldpolitischer Sicht angebracht: sinkende Inflationsraten und weiterer Abwärtsdruck durch die schwache Wirtschaftsentwicklung und steigende Arbeitslosigkeit. Es stellt sich dennoch die Frage, ob dies genügt, der Wirtschaft wieder auf die Beine zu helfen. Wir rechnen angesichts der wirtschaftlichen Abwärtsrisiken mit weiteren Maßnahmen, etwa längerfristige Liquidität.  
 
DerBörsianer: Wohin wird die Reise für die Gemeinschaftswährung ihrer Ansicht nach mittelfristig gehen?
 
Mildred Hager: Unsere Einschätzung ist, dass der Euro bestehen wird. Die monetäre Union muss jedoch mit bindenden fiskalen Regeln, Maßnahmen für Banken in den peripheren Länder sowie Finanzunterstützung dort, wo eine Besserung möglich ist, ergänzt werden. Die einzelnen Länder werden Strukturreformen (Arbeitsmarkt, Produktmarkt), um das Wachstum zu stützen, umsetzen müssen. Das wird jedoch schwierig sein, noch längere Zeit brauchen, und auch der Erfolg wird unsicher bleiben. Das wird den Euro belasten.   
 
DerBörsianer: Der US-Dollar wird kontinuierlich stärker zum Euro. Wo sehen sie das Ziel für den Wechselkurs heuer?
 
Mildred Hager: Wir erwarten, dass sich Euro-US-Dollar im Jahresverlauf nahe des fairen Wertes bei 1,20 bis 1,25 bewegen wird. Bis September könnten Spekulationen im Vorfeld möglicher Fed Ankäufe den Dollar noch schwächen. Danach sprechen jedoch die relativ gesehen immer noch stärkere wirtschaftliche Entwicklung und höhere Zinsen in den USA für einen stärkeren Dollar, der sogar nach Jahren der Unterbewertung „überschießen“ könnte, insbesondere wenn die Unsicherheit bezüglich der Verschuldungskrise den Euro weiter schwächt.  
 
DerBörsianer: Worin liegen die wesentlichen Ursachen für den stärkeren Greenback?
 
Mildred Hager: Die robustere Wirtschaft und höhere „risikofreie“ Zinsen in den USA machen den Dollar für Veranlagungen von privaten, aber auch institutionellen Investoren sowie Zentralbanken attraktiver. Darüber hinaus war der Dollar jahrelang in Folge der Bilanzausweitung der Fed und der Antizipation, dass diese den Dollar schwächt, „unterbewertet“. Dies sollte sich bald ändern.  
 
DerBörsianer: Wie bewerten Sie, im Vergleich zur EZB, die Geldmarktpolitik der US-amerikanischen FED?
 
Mildred Hager: In Folge des „dualen“ Mandats der Fed, diese hat nicht nur ein Inflationsziel wie die EZB, sondern versucht als gleichwertiges Ziel, den Arbeitsmarkt zu stützen, ist die US Fed bisher „aggressiver“ als die EZB vorgegangen. Angesichts der schwächeren wirtschaftlichen Entwicklung in der Eurozone – Stichwort fiskale Konsolidierung – rechnen wir jedoch damit, dass die EZB auf Sicht eines Jahres noch expansiver sein wird als die US-Notenbank. Die langfristige Liquidität der EZB hat ja zu einer ähnlichen Bilanzausweitung in der Eurozone wie in den USA geführt. Das sollt auch den Dollar etwas unterstützen.   
 
DerBörsianer: Mit welchem Verlauf rechnen Sie in Hinblick auf den Schweizer Franken?
 
Adrian Beck: Mittelfristig gehen wir davon aus, dass der Befestigungsdruck auf den „sicheren Hafen“ Schweizer Franken weiter anhalten wird. Die SNB sollte diesem Druck entgegenwirken und ihre Untergrenze von 1,20 Euro-Schweizer Franken weiter verteidigen. Wie lange die Untergrenze im Falle einer deutlichen Eskalation der Krise halten würde, bleibt aus unserer Sicht allerdings fraglich.
 
DerBörsianer: Profitiert der Schweizer Franken langfristig von der Krise?
 
Adrian Beck: Es bestand bereits vor der Eurozone Verschuldungskrise ein langfristiger Befestigungstrend des Schweizer Franken. Die Staatsschuldenkrise in der Eurozone und die damit verbundene hohe Nachfrage nach Franken haben den Befestigungsdruck im Laufe des letzten Sommers weiter verschärft. Die Entwicklung des Wechselkurses wird mittelfristig weiterhin von der Entwicklung der Verschuldungskrise abhängen.
Empfehlen

Jetzt Ordern »

      
Verfasst am 03.08.2012 um 08:30, Autor: NH

TICKER

ANZEIGE


schließen