Mittwoch, 22.05.2013 - aktualisiert um 20:35 MEZ
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Zum aktuellen Thema "Bad Bank" führen wir ein Interview mit Dr. Klaus Schrüfer, Chef-Volkswirt der deutschen SEB Bank.
DER BÖRSIANER: Am Dienstag wurde bekannt, dass die viel diskutierte „Bad Bank“ auch in Deutschland kommen soll. Bis Mai soll ein fertiges Konzept stehen. Könnten Sie zum Einstieg kurz erklären, wie eine Bad Bank-Lösung aussehen könnte. Es ist von zwei diskutierten Modellen die Rede.
Dr. Klaus Schrüfer: Nach dem ersten Modell werden die sogenannten toxischen Wertpapiere sofort zum Buchwert der zuletzt veröffentlichten Bilanz in eine Zweckgesellschaft ausgelagert. Diese Wertpapiere sollen zum Buchwert der letzten veröffentlichten Bilanz übertragen werden, abzüglich eines noch zu ermittelnden Abschlags, der sich am Marktwert (fair value) orientiert. Die Banken sollen für die Garantiefunktion des Bundes bezahlen. Gestreckt über die Laufzeit der Garantie muss die jeweilige Bank eine Rückstellung in Höhe der Differenz zwischen dem Buchwert und dem vermuteten Fair Value bilden. Diese soll am Ende der Laufzeit an den Staat fließen. Die Zweckgesellschaft begibt eine staatlich garantierte, nicht handelbare Anleihe. Sie überlässt dieser der Bank im Austausch für die toxischen Papiere. Dafür muss die Bank eine noch festzulegende risikoadäquate Garantiegebühr bezahlen.
Nach dem zweiten Modell würden die Papiere auf eine voll rechtsfähige Anstalt öffentlichen Rechts mit darunter angehängten institutsspezifischen Minianstalten – sogenannten Anstalten in der Anstalt oder kurz Aida – übertragen. Die Banken als ehemaliger Eigentümer würden für die ausgelagerten Papiere gegen eine Gebühr garantieren und bis zum Ende der Laufzeit in der Haftung bleiben.
DER BÖRSIANER: Welche der beiden Varianten würden Sie bevorzugen und warum?
Dr. Klaus Schrüfer: Für das erste Modell spricht, dass es rascher umgesetzt werden kann als das Aida-Modell. Hier müsste eine eigene Anstalt gegründet werden. Es besteht ein hoher Zeitdruck, da das erforderliche Gesetz bis Ende Juni vor dem Ende der laufenden Legislaturperiode verabschiedet sein muss. Anschließend besteht das größte Problem darin, diese Papiere zu bewerten.
DER BÖRSIANER: Die Bad Banks sollen risikobehaftete Wertpapiere im Volumen von 150 bis 300 Milliarden Euro verwalten. Ist diese Summe in Kombination mit dem nicht einzuschätzenden Risiko nicht eine zu explosive Mischung?
Dr. Klaus Schrüfer: Eine konkrete Zahl zu berechnen, ist gegenwärtig extrem schwierig. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) kommt auf einen maximalen Wert von 853 Milliarden Euro. Ein Schwerpunkt entfällt auf die Landesbanken, die sich im öffentlichen Besitz befinden. Für diese wäre das Aida-Modell attraktiver.
Vor diesem Hintergrund sind die Vor- und Nachteile der Einführung einer „Bad Bank“ und alternativen Ansätzen zu vergleichen. Wenn sich durch eine „Bad Bank“ der kräftige Abschwung begrenzen lässt, weil dies die Kreditvergabe an die Unternehmen erleichtert, dann stellt sie einen attraktiven Ansatz zur Bekämpfung der gravierenden Probleme dar.
DER BÖRSIANER: Glauben Sie, dass das „Bad Bank“ Konzept das am besten wirkende Rezept zur Bekämpfung der Krise / Rezession ist? Gibt es Ihrer Meinung nach Alternativen?
Dr. Klaus Schrüfer: In Anlehnung an einen Ausspruch von Winston Churchill „Die Demokratie ist die schlechteste aller Staatsformen, ausgenommen alle anderen.“ gilt: Das Konzept der „Bad Banks“ ist mit vielen Problemen behaftet, allerdings gibt es kein anderes, das so direkt an einer zentralen Wurzel der Finanzkrise ansetzt und die Banken als Kreditgeber entlasten kann.
DER BÖRSIANER: Die Aussagen, dass es zu keinen zusätzlichen Belastungen des Etats kommen wird, kann als schlechte politische Beruhigungspille für die Steuerzahler angesehen werden, oder? Die Entwicklung wird doch nicht vorherzusehen sein?
Dr. Klaus Schrüfer: Ob es zu einer Belastung des Steuerzahlers kommt, hängt entscheidend von der richtigen Bewertung der toxischen und illiquiden Papieren ab. Wird hier der „passende“ Wert gefunden, dann ließe sich die Belastung begrenzen.
DER BÖRSIANER: In den USA ist angedacht, dass sich auch private Investoren an Bad Banks beteiligen können. Wird das in Deutschland auch angedacht? Wie erfolgversprechend sehen Sie diese Idee?
Dr. Klaus Schrüfer: In Deutschland ist dies bisher nicht geplant. Auch in den USA werden sich private Investoren nur dann finden lassen, wenn dies angesichts der Risiken eine entsprechende Rendite verspricht.
DER BÖRSIANER: Vom allgemeinen Thema zu den deutschen Geldinstituten. Welche Banken haben die Bad Bank am nötigsten? Welche könnten auch ohne gut leben?
Dr. Klaus Schrüfer: Die größten Probleme haben die Landesbanken. Für diese wäre das zweite Modell mit institutsspezifischen Minianstalten attraktiver. Dagegen können viele private Banken und Genossenschaftsbanken die Probleme eher bewältigen.
DER BÖRSIANER: Kommt es zu einer zufrieden stellenden Lösung, werden auch die Bankaktien an der Börse davon profitieren. Welche Titel schätzen Sie zurzeit am interessantes ein?
Dr. Klaus Schrüfer: In den aktuellen Kursen der gelisteten Banken ist bereits sehr viel von der Hoffnung auf eine Lösung enthalten. Deshalb sehen wir hier gegenwärtig wenig Potenzial.
DER BÖRSIANER: Zum Abschluss würde uns Ihre Meinung für die Zukunft interessieren. Wie wird sich die Krise weiter entwickeln, ist ein Ende in Sicht? Welche Schlüsse müssten nach dem Fiasko der Banken für eine „bessere“ Zukunft gezogen werden?
Dr. Klaus Schrüfer: Die Chancen, dass der Abschwung an Dynamik verliert und die Aktienmärkte eine Boden ausbilden können, haben sich in den letzten Wochen verbessert. Allerdings gibt es keine Anzeichen für eine nachhaltige und kräftige Erholung. Vielmehr ist auch in den kommenden Jahren mit großen Schwankungen zu rechnen.
Zu den wichtigsten Schlussfolgerungen aus der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrisen gehört, dass das Langfristdenken wieder gestärkt und Risiken adäquat bewertet werden sollten. Hierzu müssen auch der Gesetzgeber durch entsprechende Regelungen und eine engere Kooperation beitragen.
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Verfasst am 18.04.2010 um 21:15, Autor: MB

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