Bulle oder Bär – Wer macht das Rennen?
Experten sehen im 2. Quartal trotz Risiken Rückendwind für den Aktienmarkt

Heimische Aktien sind ein attraktives Investment. Der Weg aus Schuldenkrise und Konjunkturschwäche in Europa dürfte aber noch lang sein, so das Fazit heimischen Experten auf dem von DerBörsianer und APA-Finance veranstalteten Expertenforum Q-Check.
Fiskalpolitik wird das Wachstum weiter dämpfen
Die Konjunkturprognosen indizieren zwar nach einer kurzen Rezession der Eurozone für 2013 eine Rückkehr auf den Wachstumspfad, das Wachstum dürfte aber gedämpft ausfallen. "Wir gehen davon aus, dass die Märkte nicht auf alte Niveaus zurückkehren können", erwartet Rainer Polster, Leiter Deutsche Bank Österreich. Die Deutsche Bank prognostiziert für die Eurozone für heuer ein BIP-Minus von 0,5 Prozent und für 2013 ein Wachstum von 1,0 Prozent. Eine Abwärtsspirale sei nicht zu befürchten, das Wachstum der Eurozone dürfte aber auch mittelfristig niedrig bleiben, erwartet Polster. Eine zentrale Rolle auf dem Weg aus der Krise wird dabei weiter die Rückführung der Staatsschulden spielen, die Fiskalpolitik wird daher das Wachstum weiter dämpfen. "Das wird ein extrem langer Bremsweg werden", glaubt Polster.
Aktien sind auf attraktive Niveaus gefallen
Paul Severin, Managing Director Erste-Sparinvest, stellt sich auch auf eine schwache, langsame und fragile Erholung ein. Die entwickelten Märkte dürften weiter unter der restriktiven Fiskalpolitik leiden, das Wachstumspotenzial der Schwellenländer sei aber intakt. Aktien sind aber für Severin auf teilweise attraktive Niveaus gefallen. Eine Übergewichtung empfiehlt der Experte vor allem für US-Aktien. Positiv sieht die Erste-Sparinvest derzeit auch Euro-Staatsanleihen, Emerging-Markets-Staatsanleihen in lokaler Währung, Unternehmensanleihen im High-Yield-Bereich sowie Gold. Euro-Staatsanleihen und Rohstoffe würden die Experten hingegen Untergewichten.
Korrelation von Rohstoffen und Aktien
Für Aktien spricht nach Einschätzung von Manfred Sibrawa, Leiter Osteuropa- und Österreich-Aktien Bawag P.S.K. Invest, auch die derzeit hohe Korrelation mit Rohstoffen und der damit implizierte Inflationsschutz. Während früher kein Zusammenhang zwischen Aktien und Rohstoffpreisen bestand, bewegten sich Rohstoffpreise und Aktienmärkte in den letzten vier Jahren zunehmend parallel, so der Experte. Da auch Rohstoffpreise und Inflation naturgemäß stark zusammenhängen, bedeutet das im Rückschluss, dass Aktien derzeit einen gewissen Inflationsschutz bieten, erklärt Sibrawa. Angesichts der zuletzt gestiegenen Rohstoffpreise empfiehlt der Experte vor allem Investments in Emerging Markets und hier vor allem in den russischen Aktienmarkt, der besonders stark von steigenden Ölpreisen profitiert. Vor Gold-Investments würde Sibrawa aktuell im Gegensatz zu seinen Kollegen von der Erste-Sparinvest abraten, denn diese Asset-Klasse ist aus seiner Sicht bereits zu teuer bewertet.
Hohe Qualität bei heimischen Unternehmen
Ein hohe Qualität attestiert Raiffeisen Capital Management-Fondsmanager Günther Schmitt heimischen Aktien. Vor allem die qualifizierte Arbeitskräfte und das CEE Exposure der Unternehmen werden im Ausland positiv wahrgenommen. Ausländischen Investoren fallen zu Österreich aber auch oft Korruptionsskandale, ein nicht kapitalmarktfreundliches Umfeld Seitens der Politik sowie die niedrige Liquidität des Wiener Marktes ein, so der Fondsmanager.
Kapitalertragssteuer ist nicht Hauptproblem
Die oft kritisierte Kapitalertragssteuer ist für Alfred Reisenberger, Leiter Asset Management Wiener Privatbank, für die schwierige Situation an der Wiener Börse, nicht das Hauptproblem. Schließlich sei das Sparbuch trotz stark gesunkener Verzinsung noch immer die beliebteste Anlageform in Österreich. Abseits dieser Nebengeräusche stellt Reisenberger den an der Wiener Börse notierte Unternehmen ein gutes Zeugnis aus. Besonders gut gefallen dem Experten Aktien mit niedrigem Verschuldungsgrad, guter Eigenkapitalrentabilität und Gesamtkapitalrentabilität.
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