Aktien-KESt - Brokerjet-Chef: Transaktions-Zahl könnte zurückgehen
Chef der Erste-Group-Tochter vermisst Anreize für Eigenvorsorge - Vukusic: Vermutlich zwei Drittel der Online-Broker-Kunden betroffen - Planzahlen der Regierung nicht nachvollziehbar
Erste Group Bank AG
Der zweitgrößte heimische Online-Broker, die zur
Erste Group gehörende Brokerjet, geht davon aus, dass die neue
25-prozentige Abgabe auf Aktienkursgewinne die Transaktionsumsätze
sinken lässt. "Es kann sicher der Fall sein, dass die Zahl der
Transaktionen zurückgeht", sagte Brokerjet-Chef Michel Vukusic am
Montag im Gespräch mit der APA. Er schätzt, dass etwa zwei Drittel
der Brokerjet-Kunden von der neuen "Aktien-KESt" betroffen sein
werden, der Rest habe in endbesteuerte Varianten investiert. Von den
knapp über 50.000 Brokerjet-Kunden sind fast 33.000 in Österreich.
Diese hatten im Vorjahr 938.000 Trades getätigt.
Der Brokerjet-Vorstandsvorsitzende bedauert, dass die nun geplante "Aktien-KESt" genau das Gegenteil dessen ist, was man für Eigenvorsorge über langfristige Investments in Aktien braucht, nämlich wirksame Anreize. Vukusic kann derzeit noch nicht die Planzahlen der Regierung zu den Einnahmen aus dieser Steuer in den kommenden Jahren nachvollziehen. Unklar sei ihm etwa, welche Aktienkursanstiege, etwa von ATX- oder DAX-Werten, hier unterlegt seien.
Die Regierung erwartet sich aus der neuen "Aktien-KESt" für 2011, dem ersten Jahr, 30 Mio. Euro an Einnahmen, bis 2014 wird mit einem Anstieg auf 250 Mio. Euro jährlich gerechnet.
Die Aktien-Spekulationsfrist soll wie berichtet abgeschafft werden. Bisher waren Aktiengewinne nur innerhalb einer 1-jährigen Spekulationsfrist steuerpflichtig - mit dem persönlichen Grenzsteuersatz. Ab 1.1.2011 fällt für Gewinne aus Wertpapieren ohne Frist eine 25-prozentige Kapitalertragssteuer an. Aktienkursverluste werden nach Angaben der Regierung gegengerechnet. Die Abgabe wird von den Banken eingehoben und an die Finanz abgeführt. (Forts.mögl.) sp/gru
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