Analyst zu Türkei-Gerüchten: Verbund könnte Ausland ganz aufgeben
Experte: "Rückzug ausgerechnet bei EnerjiSA zum jetzigen Zeitpunkt eher überraschend" - Vielleicht aber Teil einer neuen Konzern-Strategie - Aktien-Kurs nicht elektrisiert

Die überraschenden Gerüchte von Freitag, wonach sich
der Verbund-Konzern nach fünf Jahren wieder aus dem türkischen
Strommarkt zurückziehen könnte und über einen möglichen Verkauf mit
der deutschen E.ON verhandelt, sorgen auch in Wiener Analystenkreisen
für Rätselraten. Eventuell ziehe sich der Verbund gänzlich aus dem
Ausland zurück, hieß es zur APA, da der Stromkonzern zuletzt mit der
Entwicklung seiner Auslandstöchter nicht besonders glücklich gewesen
sei.
Von einem Teil des Frankreich-Geschäfts habe sich der Verbund ja bereits getrennt, und auch in Italien könne man sich offenbar den Verkauf des Sorgenia-Anteils vorstellen, so der Analyst. Die Türkei habe dem Verbund zwar im letzten Jahr Fremdwährungsverluste beschert - habe aber zugleich als "der Hoffnungsmarkt" gegolten, vor allem was Größe und Wachstum anbelangt.Im ersten Halbjahr habe die Türkei-Beteiligung von der starken Lira profitiert, zuletzt sei ein leicht positives Ergebnis berichtet worden - während Italien und Frankreich deutliche Verluste gezeigt hätten.
"Insofern käme ein Rückzug ausgerechnet aus der Türkei jetzt eher überraschend", meint der Branchen-Experte: "Vielleicht sehen wir nun eine Änderung der Gesamt-Strategie des Verbund, eine Strategie ohne Auslandsbeteiligungen."
Die Verbund-Aktien blieben von den zu Mittag bekanntgewordenen Spekulationen unberührt. Auch um 14.30 Uhr standen die Titel an der Wiener Börse weiterhin mit 16,93 Euro rund 1,44 Prozent fester; der ATX lag zugleich 0,72 Prozent im Plus.
Der Verbund verhandle mit E.ON über einen Verkauf seiner Beteiligung an EnerjiSA, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen am Freitag zur Nachrichtenagentur Reuters. Möglich sei auch ein Anteilstausch, bei dem E.ON Anteile an gemeinsam betriebenen Wasserkraftwerken abgebe, sagte eine Person.
E.ON hatte erst vor wenigen Tagen die Türkei als interessanten Markt bezeichnet, den der Konzern genau beobachte. Der größte deutsche Energieversorger lehnte am Freitag eine Stellungnahme ebenso ab wie der Verbund. Von EnerjiSA war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.
Eine Verbund-Konzernsprecherin bezeichnete gegenüber der APA die Grundlage des Berichts als "sommerliche Marktgerüchte, die wir nicht kommentieren".
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