Das Schicksal Europas liegt in der Hand der Griechen
Drachme oder Euro, Ja zu Europa oder nicht? Das Zittern hat begonnen...

Griechenland wählt und die Welt hält den Atem an. Im Grunde müssen die Griechen zum zweiten Mal binnen sechs Wochen entscheiden, ob sie den Euro behalten wollen oder nicht. Es könnte eine Schicksalswahl für Europa werden. Haben Gegner des Spar- und Reformprogramms künftig in Athen das Sagen, droht dem Land der Bankrott und der Weltwirtschaft ein erneuter Schock. Kanzlerin Merkel verschiebt vorsorglich den Abflug zum G20-Gipfel in Mexiko, um unmittelbar auf Ergebnisse aus Athen regieren zu können. Auch die EZB und die Finanzminister der Euro-Zone stehen bereit bei Turbulenzen sofort einzugreifen.
Zentrales Thema ist das umstrittene Sparprogramm, das für Millionen von Griechen erhebliche Einschnitte bedeutet.Letztlich geht es um die Frage, ob Athen in der Eurozone bleibt oder nicht - mit unvorhersehbaren internationalen Auswirkungen. Alle Umfragen sagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Konservativen der Nea Dimokratia (ND) und dem Bündnis der radikalen Linken (Syriza) voraus. Die Konservativen setzen sich für die Einhaltung des versprochenen Reform- und Sparkurses ein. Jedoch wollen sie eine erhebliche Lockerung der Sparmaßnahmen aushandeln. Das Linksbündnis will dagegen die Sparauflagen der internationalen Geldgeber auf Eis legen. Was bisher Geschah, eine Chronologie:
25. März 2010: Es wird über eine Staatspleite spekuliert. Die Euro-Länder sagen Athen vorsorglich ein Hilfspaket unter Beteiligung des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu.
2. Mai 2010: Griechenland droht akut die Insolvenz. Die Eurogruppe beschließt bilaterale Notkredite von 110 Milliarden Euro und verlangt einen harten Sparkurs.Ebenfalls im Mai 2010 wurde der erste "Rettungsschirm" gespannt. Er besteht aus dem Europäischen Finanzstabilisierungsmechanismus (EFSM) und der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF). Dieser Kreditfonds kann Darlehen bis zu 440 Milliarden Euro ausgeben. Die EU-Kommission steuert zusätzlich 60 Milliarden Euro bei, der IWF nochmals 250 Milliarden Euro.
16. Dezember 2010: Der EU-Gipfel beschließt einen permanenten Rettungsschirm (ESM) für die Zeit ab 2013. Später wird der Start auf Juli 2012 vorgezogen. Er soll mit 500 Milliarden Euro an verfügbaren Notkrediten ausgestattet werden. Um den Euro-Schutzwall zu erhöhen, wurde das maximale Hilfsvolumen Ende März 2012 auf rund 800 Milliarden Euro ausgeweitet.
25. März 2011: Ein EU-Gipfel verabschiedet ein Paket zur Überwindung der Schuldenkrise. Dazu gehören der permanente Rettungsschirm, eine Schärfung des Stabilitätspakts und ein neuer "Euro-Pakt-Plus", mit dem sich die Regierungschefs zu Strukturreformen verpflichten.
29. Juni 2011: Das Parlament in Athen nimmt ein radikales Sparpaket der Regierung an - Voraussetzung für eine Teilzahlung aus dem Hilfspaket. Ohne die Hilfe wäre das Land zahlungsunfähig geworden.
21. Juli 2011: Auf einem Gipfel einigt sich die EU auf ein neues Griechenland-Rettungsprogramm im Volumen von zunächst 109 Milliarden Euro.
27. Oktober 2011: Euro-Länder und Banken einigen sich auf eine Entschuldung für Athen und das zweite Rettungspaket von 130 Milliarden Euro. Gegen harte Sparauflagen gibt es Proteste.
10. November 2011: Lucas Papademos löst Giorgios Papandreou als Regierungschef ab. Seine Übergangsregierung soll die Sparmaßnahmen einleiten, ohne die das Hilfspaket nicht aktiviert werden kann.
12. Februar 2012: Das Parlament in Athen billigt das Sparpaket, das nach Forderung der internationalen Geldgeber verschärft werden muss.
21. Februar 2012: Die Länder der Eurozone geben grünes Licht für das 130-Milliarden-Hilfspaket. Voraussetzung für eine endgültige Freigabe ist aber ein Erfolg des Schuldenschnittes.
9. März 2012: Mit der größten Staatsumschuldung aller Zeiten verschafft sich Griechenland Luft im Kampf gegen die Pleite. Athen meldet eine breite Beteiligung am Schuldenschnitt, der das Land um mehr als 100 Milliarden Euro entlasten wird. Die Euro-Finanzminister geben umgehend einen Teil des neuen 130-Milliarden-Hilfspakets frei.
20./21. März 2012: Das griechische Parlament stimmt in der Nacht dem zweiten Rettungspaket zu.
30. März: Die Euro-Finanzminister beschließen, den Euro-Schutzwall auf rund 800 Milliarden Euro auszuweiten.
6. Mai 2012: Bei der griechischen Parlamentswahl verlieren die Unterstützer des Sparprogramms die Mehrheit. Gestärkt werden radikale Parteien, die sich einer Sanierung des Landes verweigern. Alle Versuche zur Regierungsbildung scheiterten. Es kommt zu Neuwahlen am 17. Juni.
17. Juni: Die Griechen stehen vor der wichtigsten Wahl ihrer jüngsten Geschichte. Letzten Umfragen zufolge wird an diesem Sonntag keine der Parteien die absolute Mehrheit von 151 Abgeordneten im griechischen 300-Sitze-Parlament stellen
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