EconGas auch 2011 mit kräftigem Absatzplus - Margen unter Druck
EBIT durch niedrige Preise halbiert - "Auch 2012 kompetitiv" - Schon zwei Drittel des Geschäfts im Ausland - Gasbedarf wird weiter deutlich steigen, Gas-Schwemme in Europa nur temporär
OMV AG
Verstärktes Erdgas-Marketing und -Trading haben der
OMV-Tochter EconGas auch 2011 ein kräftiges Absatz- und Umsatzplus
gebracht. Erneut konnte der Absatz um rund die Hälfte gesteigert
werden, von 13,1 auf 19,6 Mrd. m3 Erdgas, was mehr als dem doppelten
Jahresverbrauch Österreichs entspricht. Der Umsatz kletterte sogar um
rund 75 Prozent auf 5,6 (3,2) Mrd. Euro. Das Betriebsergebnis (EBIT)
halbierte sich dagegen von 90,9 auf 46 Mio. Euro infolge eines
verstärkten Drucks auf das Preisniveau an den Handelsmärkten, der die
Margen belastete. Der Jahresüberschuss schrumpfte von 72,8 auf 43,2
Mio. Euro. Auch 2012 wird wegen der Preisentwicklung als
"herausforderndes und kompetitives Jahr" erwartet, erklärten die
Geschäftsführer Jesco Kistowski und Robert Teml am Freitag zur APA.
Deutlich ausgebaut hat EconGas die Position am internationalen Erdgasmarkt: Der Anteil des Auslandsabsatzes erhöhte sich weiter von 53 auf 67 Prozent - 2009 waren es erst 36 Prozent von 8,2 Mrd. m3 Gesamtabsatz gewesen. Mengenmäßig wurde außerhalb Österreichs das zweite Mal in Folge eine Steigerung um rund die Hälfte erzielt, diesmal auf 13,1 Mrd. m3. Dafür ist der Inlandsabsatz von rund 6,95 auf etwa 6,5 Mrd. m3 geschrumpft, lässt sich indirekt errechnen.In Österreich schrumpfte der Erdgasverbrauch 2011 um 6 Prozent von 9,1 auf 8,55 Mrd. m3 - wegen der warmen Wintertemperaturen, aber auch der weiter angespannten wirtschaftlichen Situation und der niedrigen Strompreise, die für eine geringere Nachfrage von Gaskraftwerken sorgten. Heuer legte der heimische Verbrauch wieder zu, vor allem der besonders kalte Februar sorgte für ein deutliches Plus.
Der Erdgasbedarf wird weltweit deutlich steigen, verweisen die EconGas-Chefs auf die allgemeine Expertensicht. Die letzten Jahre - mit Nachfrageeinbrüchen wegen Wirtschafts- und Finanzkrise sowie einem temporären Überangebot durch LNG-Mengen - seien eine Ausnahmesituation gewesen. Gas sei vor allem für Industrie und Kraftwerke der effizienteste und umweltfreundlichste fossile Energieträger und hier bereits unverzichtbar. Der Atomausstieg etwa in Deutschland werde nicht allein mit Wind- und Solarenergie zu decken sein. "Daher sind wir davon überzeugt, dass Investitionen in Erdgaskraftwerke mittelfristig wieder rentabel sein werden", wird seitens der OMV-Gasgroßkunden-Tochter betont.
Der Verbund bemüht sich wie berichtet bei EconGas, die vereinbarten Liefermengen für das neue Gas-Kombi-Kraftwerk Mellach bei Graz zu reduzieren. Eine Milliarde m3 Erdgas pro Jahr hat der Verbund bei EconGas für Mellach geordert, künftig möchte der Chef des größten heimischen Stromkonzerns, Wolfgang Anzengruber, einen größeren Teil der Gasmenge am Spotmarkt einkaufen können und so Kosten sparen, hatte er kürzlich vor Journalisten erklärt. Bis zum 4. Quartal will der Verbund-Chef eine Preisreduktion mit EconGas ausgehandelt haben. Die OMV-Tochter, Großimporteur von Russen-Gas, gibt dazu keine Auskunft, man sei zur Vertraulichkeit verpflichtet. Mit den Lieferanten, von denen EconGas Mengen bezieht, habe man 2011 aufgrund der geänderten Marktbedingungen am europäischen Erdgasmarkt "intensiv verhandelt", um dort das nachziehen zu können, was man bei vielen eigenen Abnehmern bereits vorweg genommen habe.
Grundsätzlich seien bei langfristigen Verträgen mit großen Volumina aber Nachverhandlungsoptionen "üblich und sinnvoll", sowohl für die Lieferanten als auch die Kunden. Im eigenen Portfolio, betont EconGas, habe man "eine ausgewogene Mischung zwischen kalkulierbarem ölpreisgebundenen Erdgas und kurzfristig gehandeltem Spotgas". Die Kunden würden so von der Planbarkeit und Budgetsicherheit profitieren, wie sie nur Langfristverträge böten, aber auch durch Optimierungsmöglichkeiten eines Bezugs an Gasbörsen. Auf Kundenwunsch stelle man unterschiedlichste Preisprodukte zur Verfügung.
Die Expansion im Ausland wird EconGas fortsetzen, auch in regionaler Hinsicht. In Kroatien hat man 2011 den ersten Kunden vor Ort gewonnen, auch Slowenien, Tschechien und die Slowakei würden laufend beobachtet. Die bestehenden Auslandstöchter erreichten laut Teml und Kistowski 2011 "trotz des schwierigen Marktumfelds in den Zielländern ein gutes Ergebnis". Für 2010 waren Gewinne in Ungarn, Deutschland und - nach einem Minus - auch Italien vermeldet worden. In Deutschland könne man mittlerweile auch Gaskunden im Norden erreichen, am harten Markt Italien habe man ein weiteres Absatzplus bei Großhändlern und Weiterverteilern erzielt. In Ungarn habe man die Position gefestigt und zähle neben KMU auch schon internationale Großabnehmer und kommunale Verbraucher wie Stadtwerke als Kunden.
Intensivieren will EconGas die Tradingaktivitäten an Gasbörsen, die schon 2011 weiter ausgebaut wurden. Man ist an sieben Gasbörsen Zentraleuropas und zehn Hubs registriert und "sehr aktiv". Seit September ist EconGas beim Spot- und Terminhandel mit LNG dabei, über den Gate Terminal Rotterdam kann die OMV-Tochter jährlich bis zu 3 Mrd. m3 Erdgas beziehen. Dies erhöhe die Flexibilität und Versorgungssicherheit erheblich. Im Inland setzt man für die Sicherheit auf die umfangreichen unterirdischen Lagerstätten von 7 Mrd. m3, mit denen Österreich im europäischen Vergleich im Spitzenfeld liegt. Einen Gutteil davon kann EconGas nutzen, voriges Jahr wurde dies mit 2 von 6 Mrd. m3 beziffert. Die Speicher senken die Abhängigkeit von saisonalen oder produktionsbedingten Schwankungen, wird betont.
Etwaige Effekte des Schiefergas-Booms auf die Marktpreise ließen sich derzeit noch nicht seriös einschätzen, so die EconGas-Geschäftsführer. Die vermuteten Reserven in Europa, etwa in Großbritannien, Polen, Ungarn oder der Ukraine, seien "bedeutend" und böten die große Chance, die Nachfrage auch künftig großteils decken zu können und die Importabhängigkeit zu senken.
Die OMV ist an der EconGas GmbH direkt und indirekt mit 59,26 Prozent beteiligt - direkt gehören ihr über die OMV Gas & Power GmbH 50 Prozent, darüber hinaus hält sie 65 Prozent der EGBV Beteiligungsverwaltung GmbH, die 14,248 Prozent der EconGas besitzt; das restliche Drittel der EGBV gehört der OÖ. Ferngas mit der EAG OÖ als Haupteigentümer. EVN und Wien Energie halten jeweils 16,509 Prozent der EconGas-Anteile, die BEGAS Energie AG 2,734 Prozent. Die Mitarbeiterzahl der EconGas wuchs 2011 per Jahresende auf 134 (127).
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