Erste-Chef froh, dass 2011 vorbei ist
Treichl bedauert Dividendenausfall - Zu Sondergewinn aus Anleiherückkäufen: "Ist die Welt nicht wunderbar, wer soll das verstehen"
Erste Group Bank AG
Vor 1.867 Aktionären und 155 Inhabern von
Partizipationskapital hat Erste-Chef Andreas Treichl am Dienstag in
der Jahreshauptversammlung über das erste Verlustjahr seit dem
Börsegang 1997 berichtet. "Ich bin froh, dass es vorbei ist", sagte
Treichl.
Für die Stammaktionäre sei es eine bittere Pille, dass für 2011 die Dividende entfalle, sagte Treichl. "Das tut mir wirklich leid. Das bringt Ihnen nichts. Aber Sie wissen es wenigstens."
Während es für das Aktienkapital keine Ausschüttung gibt, werden die Partizipationsscheine sehr wohl bedient. Letzteres wird unter anderem mit der Vermeidung eines Reputationsschadens begründet.
An der Spitze des Aufsichtsrates kommt es heute zu einem Wechsel. Heinz Kessler tritt als Vorsitzender es Kontrollgremiums aus Altersgründen ab. Seine Nachfolge wird am Nachmittag bestimmt. Dem Vernehmen nach dürfte Altrektor Georg Winckler neuer Bankpräsident werden. Die Zahl der Kapitalvertreter wird vorläufig von 12 auf 10 Mitglieder gesenkt.
Weil das seit Jahren dazubilanzierte Sparkassenkapital - rund 1,5 Mrd. Euro - künftig wohl nicht mehr für die Erste-Bilanz angerechnet werden darf, baut die Bank durch einen Konzernumbau vor: Um einen wegen der neuen Basel III Regeln 2013 drohenden Abzug dieser 1,5 Mrd. Euro Eigenkapital ohne Kapitalaufnahme von außen zu verdauen, will die Erste Group heute in der HV beschließen, auch die andere Seite der Bilanz (also die Risikogewichteten Aktiva der Sparkassen) zu dekonsolidieren. Allerdings ist das ein Vorratsbeschluss. Zumal Details über die neuen Basel-Kapitalregeln erst Ende Juni, möglicherweise erst ab Herbst, vorliegen dürften.
Die Erste war durch riesige Abschreibungen auf Ostbankenbeteiligungen und Wertpapiere sowie Derivative, vor allem Kreditausfallsversicherungen (CDS) im dritten Quartal tief in die roten Zahlen geraten. Das Gesamtjahr schloss auf Konzernebene mit 719 Mio. Euro Verlust. Das vierte Quartal und das heurige erste Quartal waren aber wieder positiv. "Wir werden sehr hart daran arbeiten, dass so etwas wie im 3. Quartal nie wieder passiert", versicherte Treichl. "Das Ergebnis des letzten Jahres entspricht in keiner Weise dem Standard der Erste Group".
Die Bank sei stark ins neue Jahr gestartet, sagte Treichl. Gepusht wird das Ergebnis im heurigen ersten Halbjahr auch von Sondergewinnen von mehr als 410 Mio. Euro wegen des Rückkaufs eigener Hybridanleihen - davon flossen im ersten Vierteljahr 250 Mio. Euro.
Treichl vor den Aktionären: "Wir kaufen unsere eigenen Papiere zurück und damit machen wir Gewinn. Ist die Welt nicht wunderbar? Aber wer soll das verstehen".
Treichls Vortrag wurde von vielen Privataktionären mit Applaus bedacht. In der HV wird auch die Emission von Wandelschuldverschreibungen fixiert, die abhängig von Kapitalquoten automatisch eine Wandlungspflicht in Aktienkapital auslösen.
Empfehlen
Matrix Schnellsuche
| 25,875 EUR | +0,80% |
ANZEIGE










































