Samstag, 25.05.2013 - aktualisiert um 13:53 MEZ
Sie befinden sich hier: DerBörsianer / News / Österreich »  
Für die seit gestern offiziell zum Verkauf ausgeschriebene staatliche Kommunalkredit dürfte es trotz Finanzmarktkrise schon einige Interessenten geben. "Eine erste Marktsondierung hat auf alle Fälle gezeigt, dass es Interesse gibt", sagte Klaus Liebscher, Chef der Finanzmarktbeteiligung AG des Bundes (Fimbag) und Aufsichtsratsvorsitzender der Kommunalkredit, im Ö1-Mittagsjournal. Details dazu könne er keine geben.

Das Spektrum der Interessenten könne sicher ein sehr breites sein, ein "Wunschprofil" exisitere für ihn aber eigentlich nicht, so Liebscher auch in der heutigen Ausgabe des "WirtschaftsBlatt". Ausschlaggebend seien die finanziellen Ressourcen und die jeweilige Erfahrung, so der Fimbag-Chef. Der ehemalige Gouverneur der Nationalbank zeigt sich auch zuversichtlich, dass die von der EU-Kommission vorgeschriebenen Fristen beim Verkaufsprozess eingehalten werden können.

Gemäß EU-Vorgaben und österreichischem Ausschreibungstext muss der Verkauf bis 30. Juni 2013 vollzogen sein. Die Fimbag hat sich in der Ausschreibung aber vorbehalten, die Frist zu verlängern oder den Privatisierungsprozess auch ganz abzubrechen. Sollte der Verkauf nicht fristgerecht erfolgen, könnte die EU einen Treuhänder einsetzen. Allerdings gibt es auch die Möglichkeit, in Brüssel um ein Fristverlängerung anzusuchen.

Liebscher bestritt gegenüber dem Blatt, dass die Bad Bank der Kommunalkredit, die KA Finanz, kurzfristig einen Kapitalbedarf habe. "Es gibt Überlegungen, sich von Risiken zu trennen - und das wäre mit der dünnen Kapitaldecke nicht möglich", so Liebscher. Ein Verkauf von riskanten Papieren würde derzeit nur mit Verlusten vonstatten gehen. Das sei aber nur ein Szenario, so Liebscher, der einen entsprechenden Beschluss im Herbst beim nächsten Aufsichtsrat für eine weitere Kapitalspritze ausschließt. Bis zum Jahresende will er sich jedoch nicht festlegen. Seit kurzem mehren sich die Stimmen, wonach die Abbaubank weitere 500 Mio. Euro benötigt, um die Kapitaldecke zu halten.

Zum ebenfalls bevorstehenden Verkauf der in Korruptionsaffären und politische Verwicklungen involvierten Kärntner Hypo Alpe Adria Bank meinte Liebscher im Ö1-Mittagsjournal: "Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Das eine ist ein politisches Faktum, das andere ist eines, bei dem sich Investoren genau den Vermögensgegenstand anschauen werden, unabhängig von der lokalen Politik".

Weitere Milliardenhilfen für die verstaatlichen Banken könne und solle man nicht ausschließen. "Das soll aber nicht so interpretiert werden, dass schon der nächste Kapitalbedarf vor der Tür steht", so der Fimbag-Chef. Alle wüssten, wie schwierig derzeit das internationale Finanzumfeld sei. "Gäbe es hier Verschlechterungen, dann ist das Eine oder Andere möglich", so Liebscher.

Bisher haben die verstaatlichen Banken - Kommunalkredit, ÖVAG oder Hypo Alpe Adria - 5 Mrd. Euro an Steuergeldern erhalten. Von den einbezahlten Geldern sind laut Fimbag-Chef wahrscheinlich 1,4 Mrd. Euro verloren. Für alles andere gebe es die Möglichkeit, dass es zurückkommen könne, so Liebscher.
Empfehlen

Jetzt Ordern »

      
Verfasst am 27.07.2012 um 15:44, Autor: APA/DB
zum Seitenanfang