Samstag, 25.05.2013 - aktualisiert um 13:53 MEZ
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Flughafen Wien AG
Der Flughafen Wien geht davon aus, dass der Terminal-Neubau "Check In 3" - besser bekannt als "Skylink" - gut funktioniert. Monatelang habe man alles vorbereitet, "alles Menschenmögliche getan", sagte Flughafen-Vorstand Julian Jäger am Freitag. "Natürlich gehen auch wir davon aus, dass es einige Kinderkrankheiten geben wird", räumte Jäger im ORF-Mittagjournal ein. Alle kleinen Mängel oder Fehler, die da und dort sicher auftreten, würden in kürzester Zeit behoben.

Jäger geht also nicht davon aus, dass der Skylink-Betrieb von Pannen wie bei der Inbetriebnahme eines Terminals in London-Heathrow begleitet sein, wird. Er erwartet auch kein Debakel a la Berlin-Brandenburg. In Berlin musste die für 3. Juni geplante Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens wegen offener Fragen bei der Brandschutztechnik peinlicherweise auf nächstes Jahr verschoben werden.

Selbst wenn der Start des neuen Terminals (5. Juni) in Wien-Schwechat verschoben würde, ginge es am Flughafen hier mit den bisherigen Check-ins und alten Gates weiter, betont man in Wien. In Berlin hätten ja in der Nacht vor dem Start des neuen Hauptstadtflughafens die anderen beiden Airports zugemacht.

Der Flughafen Wien nennt den Skylink-Terminalbau nicht mehr so wie er in den 13 Jahren zwischen Planung und Fertigstellung geheißen hat. Er wurde jetzt auf "Check In 3" umbenannt. "Wir haben gar nicht die Absicht, mit neuem Namen von den riesigen Problemen der Vergangenheit abzulenken", sagte Jäger. Allerdings wäre "die Marke Skylink keine, die ich noch schützen lassen würde".

Mit "deutlich unter 770 Millionen Euro" bezifferte Jäger heute die Baukosten für den Terminalbau, ohne Schnittstellenkosten. Der Flughafen will jetzt sofort daran gehen, die bestehende (alte) AUA-Check-In-Fläche und die alten An- und Abflugshallen zu sanieren. Ende des Jahres wolle man auch entscheiden, ob man den ältesten Teil des Flughafens neu baut oder saniert, so Jäger.

Seit Anfang 2010 ist die Kostenexplosion und die umstrittene Auftragsvergabe an der Skylink-Baustelle ein Fall für die Justiz. Die Ermittlungen könnten sich noch Jahre ziehen, Ergebnisse könnten in zwei Jahren vorliegen.

Mit einem Staatsanwalt arbeiten 9 Kriminalisten den Skandal auf. In einem Büro am Flughafen werden rund 4.000 Aktenordner ausgewertet. Friedrich Köhl, Sprecher der Staatsanwaltschaft Korneuburg, sprach heute im Mittagjournal von 26 Beschuldigten. Das Justizministerium hatte nach einer Anfrage der Grünen bereits 135 vernommene Zeugen und 35 Hausdurchsuchungen bestätigt. Zu den Beschuldigten zählt fast der gesamte frühere Vorstand der börsenotierten Flughafen AG.

Einer der Vorwürfe: Bilanzfälschung. Untersucht wird, ob die Kosten für Skylink zunächst bewusst zu niedrig budgetiert wurden, um den Bau politisch durchzusetzen. Zahlreiche Vorwürfe richten sich aber gegen Baufirmen, wo die Justiz wegen des Verdachts auf Untreue und Betrug ermittelt. Möglich sei, dass Mitarbeiter von Baufirmen vortäuschten, sie hätten bestimmte Leistungen erbracht, die sie in Wahrheit nicht erbracht hätten, sagte Staatsanwaltssprecher Köhl heute. In diesem Fall würde die Bauherrschaft betrogen. Anderseits sei es aber auch möglich, dass Mitarbeiter der Bauherrschaft wussten, dass nichts geleistet wurde, aber trotzdem Zahlungen veranlasst haben. Dann wäre es eine Untreue von Mitarbeitern des Flughafens Wien zu Lasten ihres Dienstgebers. Es sollen auch einzelne Airport-Mitarbeiter und externe Projektverantwortliche persönlich profitiert haben.

Beim Flughafen geht man von einem Schaden in Höhe von 31 Mio. Euro durch bauausführende Firmen aus. Von Baukonsulenten hat sich der Flughafen bisher indirekt - via Versicherung - rund 15 Mio. zurückgeholt, davon 11 Mio. Euro in Cash.

Hinweise auf Parteienfinanzierung hat es nach derzeitigem Ermittlungsstand nicht gegeben, betonte die Staatsanwaltschaft. Es werden nämlich u.a. auch Aufträge von einer Million Euro durch den Flughafen und eine Flughafentochter an den Lobbyisten Peter Hochegger (bzw. "hochegger.com") untersucht. Unter anderem sollen Kampagnen geführt worden sein, um Verträge der Vorstände zu verlängern. Ob auch Geld an Politiker geflossen sei, darauf gebe es derzeit keine Hinweise, so Staatsanwalt Köhl.
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Verfasst am 01.06.2012 um 13:51, Autor: APA
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