Telekom Austria - ÖIAG-Chef Beyrer sieht sich nicht befangen
Für staatlichen Kernaktionär - Kein Mandat für Aufstockung oder Verkauf - Compliance-System für Telekom, Post und OMV - IPIC will nicht mehr als 25 % an OMV
Telekom Austria AG
ÖIAG-Chef Markus Beyrer sieht sich gut positioniert,
die Telekom Austria bei der Aufklärung der Korruptionsvorwürfe zu
unterstützen. Er sei erst seit 1. Juli 2011 ÖIAG-Vorstand (und damit
Telekom-Austria-Aufsichtsratschef) und habe "schon allein deshalb
größtmögliche zeitliche Distanz zu den Vorfällen", sagte er im
Gespräch mit dem "Format".
Wegen seiner früheren Jagdausflüge auf Einladung der Telekom Austria (A1) sei er nicht befangen. "Ich bin ein überkorrekter Mensch und müsste verrückt sein, wenn ich die Leute, die ich damals kennengelernt habe, jetzt mit Samthandschuhen anfasse", sagte er. In seiner früheren Funktion als Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), sei von ihm erwartet worden, an Veranstaltungen von Mitgliedsunternehmen teilzunehmen. Bei der Telekom "hat ein Kreis von Personen in inakzeptabler Form hinter dem Rücken der Wirtschaftsprüfer und des Aufsichtsrats zusammengewirkt. Das war für den gesamten Aufsichtsrat, auch den damaligen ÖIAG-Chef, nicht zu erkennen", meint Beyrer.Für die Zukunft werde geprüft, ein elektronisches Whistleblowing-System einzuführen. Das könnte dann auch bei den teilstaatlichen Unternehmen Post und OMV implementiert werden.
Den Einstieg des Investors Ronny Pecik in der Telekom - er hält inzwischen 20 Prozent und will laut Medienberichten über 25 Prozent kommen - will Beyrer nicht kommentieren. "Ich betrachte Pecik weder als Feind noch als Freund. Er ist ein Aktionär der Telekom und als solcher zu respektieren. Ich gehe davon aus, dass er kein Interesse an einem Konflikt mit der ÖIAG hat. Ansonsten verbieten mir diverse Gesetze, mich näher dazu zu äußern"
Die ÖIAG könne keine weiteren Telekom-Aktien kaufen, weil es keinen Privatisierungsauftrag gebe. So eine Maßnahme "mag sicher zu diskutieren sein, in nächster Zeit wird sich daran aber wohl nichts ändern". Ein Verkauf von Anteilen sei wiederum wegen des fehlenden Privatisierungsauftrags nicht möglich. Eine Komplettprivatisierung würde er aber auch nicht wünschen: "Es spricht vieles für einen staatlichen Kernaktionär bei der Telekom. In vielen mit Österreich vergleichbaren europäischen Ländern hält der Staat einen entsprechenden Anteil an Telekomanbietern. Letztendlich ist das aber eine Eigentümerentscheidung".
Auch bei der OMV sieht Beyrer keine große Eigentümerveränderung: Die Zusammenarbeit mit der IPIC sei gut. "Mir haben Vertreter der IPIC erst diese Woche versichert, dass sie bei der OMV nicht über 25 Prozent gehen wollen". Weitere Beteiligungen in die ÖIAG aufzunehmen ist Beyrer nicht vordringlich: "Ich denke, vorrangiges Ziel muss jetzt erst einmal die Aufarbeitung der Vergangenheit sein. Damit sind wir mehr als eingedeckt. Dann kann man vielleicht über eine Ausweitung reden. Das ist aber auf politischer Ebene zu klären. Eine Reihe von Bereichen wie Infrastruktur oder Energieversorgung wären bei der ÖIAG sicher gut aufgehoben"
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