Telekom Austria - Analysten:Slim-Deal positiv,Übernahme kaum in Sicht
RCB-Maurer: Genehmigung für Anteil über 25 Prozent fraglich - Berenberg und JP Morgan: Strategische Partnerschaft aber keine Vollübernahme zu erwarten
Telekom Austria AG
Von Börsianern und Analysten wurde der Einstieg der
mexikanischen America Movil des Milliardärs Carlos Slim bei der
Telekom Austria positiv aufgenommen. Die Telekom-Aktie stieg an der
Wiener Börse bis 14 Uhr um 1,89 Prozent auf 8,188 Euro. Analysten
werteten den Deal in ersten Reaktionen tendenziell positiv und
rechnen mit einer strategischen Partnerschaft der Unternehmen, eine
Vollprivatisierung und Komplettübernahme der Telekom sei aber vorerst
nicht zu erwarten.
Der Telekom-Analyst Bernd Maurer von der Raiffeisen Centrobank (RCB) sieht die Nachricht und die damit verbundenen Übernahmefantasien positiv für den Aktienkurs. "Die Übernahme des Pecik-Anteils erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die America Movil einen höheren Anteil erwerben wird, was für den Aktienkurs positiv ist", so der Analyst zur APA.Entscheidend sei dabei aber das österreichische Außenwirtschaftsgesetz, bzw. ob die Behörden eine Erhöhung des Anteils überhaupt genehmigen würden, so Maurer. Beteiligungen ab der Schwelle von 25 Prozent an wichtigen Infrastrukturunternehmen müssen seit der jüngsten Novellierung des Gesetzes vom Wirtschaftsministerium genehmigt werden, sofern der Investor nicht aus der EU, dem EWR oder der Schweiz kommt.
Die Analysten der Berenberg Bank erwarten sich vom Slim-Einstieg vor allem eine strategische Partnerschaft. Eine baldige Wahl eines Vertreters der America Movil in den Telekom-Aufsichtsrat wäre für die Analysten keine Überraschung. Nachhaltig positive Auswirkungen auf den Aktienkurs werden von der Berenberg Bank aber vorerst nicht erwartet.
Nachdem Carlos Slim Medienberichten zufolge 9,5 Euro je Aktie für seinen Minderheiten-Anteil gezahlt hat, würde er möglicherweise sogar mehr für die Mehrheit bezahlen, schreiben die Analysten. Da eine Vollprivatisierung der Telekom aber in naher Zukunft nicht zu erwarten sei, dürfte sich der Aktienkurs bald wieder an den Fundamentaldaten und nicht an Übernahmefantasien orientieren. Die fundamentale Bewertung der Telekom-Aktie ist im Branchenvergleich nach Einschätzung der Berenberg-Analysten aber teuer, sie empfehlen daher die aktuelle Kursstärke für Verkäufe zu nutzen und errechnen ein Kursziel von 7,60 Euro.
Auch die Analysten von JP Morgan erwarten keine Vollprivatisierung der Telekom, sehen den Slim-Einstieg aber dennoch positiv. So sei Carlos Slim ein attraktiverer Telekom-Aktionär als Ronny Pecik, da seine America Movil eine solidere Finanzposition habe und im Gegenzug zu Pecik auch Branchen-Know-How einbringen kann. Zudem sei der Slim-Einstieg auch ein positives Signal, da er offensichtlich der Telekom-Beteiligung einigen Wert beimesse.
Die Analysten halten es für wahrscheinlich, dass Slim mit dem Deal seine Aktivitäten in Europa ausweiten möchte, und das zu einem günstigen Zeitpunkt, in dem Europa und seine Telekombranche in einer Krise stecken. Mit Slim als Miteigentümer könnte damit auch die Telekom Austria in Zukunft noch etwas übernahmefreudiger werden, heißt es in einer JP Morgan-Analyse.
Die von Slim kontrollierte America Movil SAB hat heute wie berichtet 5 Prozent der Telekom-Aktien von Ronny Pecik gekauft und den Kauf von 16 Prozent im Laufe dieses Jahres nach einer Zustimmung der Behörden vereinbart, teilte die Pecik-Gesellschaft Marathon Zwei Freitagfrüh mit. Nach Abschluss der Transaktion werde der Konzern etwa 23 Prozent der Telekom-Aktien besitzen.
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