Verbund-Chef - Gasverträge problematisch, Brückentechnologie wackelt
Anzengruber hofft auf Nachverhandlung der Lieferverträge - Klagenfurt auf Prüfstand: Positivbescheid noch nicht automatisch Baubeschluss, Wirtschaftlichkeit zu prüfen
VERBUND AG
Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber warnt davor, dass
die "höchst problematischen" langfristigen Gasabnahmeverträge die
Stromerzeugung aus kalorischen Gaskraftwerken gefährden könnten.
Damit werde womöglich in ganz Europa die nach dem Atomausstieg
geplante "Brückentechnologie" nicht einsetzbar sein, sollten die
Nachverhandlungen der Verträge nicht zu einem Erfolg führen, sagte
Anzengruber am Donnerstag in der Aktionärsversammlung des führenden
heimischen Stromproduzenten. Der Verbund hat beim großen Gaskraftwerk
Mellach in der Steiermark einen teuren Vertrag und stellt das in
Klagenfurt geplante Gaskraftwerk noch auf den Prüfstand.
2012 werde der Verbund vor allem den Veränderungen in der E-Wirtschaft in ganz Europa Rechnung zu tragen haben. Angesichts der immer unsichereren Preisbildungsszenarien müssten die Planungen immer kurzfristiger werden, so Anzengruber. Gaskraftwerksbetreiber in ganz Europa kämpfen bekanntlich seit längerem damit, dass die Stromabgabepreise nicht mit den Gaseinstandspreisen Schritt halten.Auch zur Stromerzeugung aus Gas in Frankreich hofft Anzengruber auf gute Ergebnisse der Nachverhandlungen. Für den Verbund sei das Land aber ohnedies kein Expansionsmarkt mehr, erinnerte er, "wir haben unsere Lektion gelernt". Die Gaslieferverträge seien derzeit für die gesamte europäische E-Wirtschaft ein schwieriges Problem.
Die Wirtschaftlichkeit des geplanten 400 MW starken Gas- und Dampfkraftwerks Klagenfurt - halb so groß wie Mellach mit 830 MW - wird auch ausweislich des Geschäftsberichts 2011 noch geprüft, ehe man allenfalls einen Baubeschluss fasst. Auch Anzengruber sagte in der HV, ein positiver Bescheid, auf den man an sich seit sechs Jahren warte, bedeute noch nicht automatisch grünes Licht für den Bau. Denn immerhin hätten sich die Rahmenbedingungen seit Einreichung im Jahr 2006 "markant geändert", daher sei hier noch "die Wirtschaftlichkeit zu prüfen". Bei dem für 550 Mio. Euro errichteten Mellach ist derzeit erst eine der beiden "Linien" übernommen worden, die andere befindet sich derzeit noch in Probe, so Anzengruber. Die Klagenfurter Anlage soll von Verbund und Stadtwerken gemeinsam errichtet werden, die Kosten wurden zuletzt auf 360 Mio. Euro geschätzt. Ebenso wie Mellach für Graz soll das Werk in Kärnten neben Strom auch Fernwärme für die Landeshauptstadt liefern.
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