voestalpine sieht starke Nachfrage bis Herbst
Deutliche Ergebnisverbesserung im Stahlgeschäft ab April - Volle Auslastung wohl auch in 2. Jahreshälfte - Sinkende Preise für Eisenerz und Kohle erwartet - Kleinere Zukäufe im Visier
voestalpine AG
Stahlpreiserhöhungen und die robuste
Nachfrage aus der Autobranche geben dem börsenotierten Stahlkonzern
voestalpine zu Beginn des neuen Geschäftsjahres Schwung. Im
Stahlgeschäft, das im vergangenen Jahr noch unter der mauen
Wirtschaftsentwicklung gelitten hatte, zeichne sich eine starke
Nachfrage zumindest bis Herbst ab, sagte Firmenchef Wolfgang Eder in
einem am Donnerstag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur
Reuters. "Wir haben das erste Quartal zur Gänze in trockenen Tüchern
und für das zweite Quartal sehen wir aus heutiger Sicht auch keine
Abschwächung."
In der Division Stahl werde das Ergebnis daher im ersten Quartal 2012/13 (April bis Ende Juni) im Vergleich zum Vorquartal deutlich steigen. Aber auch über diesen Zeitraum hinaus erwartet Eder stabile Zuwächse - obwohl die Entwicklung im Stahlgeschäft nach dem Sommer durch das sich abzeichnende langsamere Wirtschaftswachstum in China und die Staatsschuldenkrise in Europa schwer vorhersehbar sei. Die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft China erwartet für das laufende Jahr nur ein Wirtschaftswachstum von 7,5 Prozent - die niedrigste Zielmarke seit acht Jahren.Im Ende März auslaufenden Geschäftsjahr 2011/12 hatte voestalpine mit einer mauen Stahlnachfrage wegen der Schuldenkrise zu kämpfen und musste ihre Stahlproduktion im Herbst vorübergehend um zehn Prozent zurückfahren. Für das operative Ergebnis prognostiziert das Unternehmen - auch durch Rückstellungen für das Schienenkartellverfahren in Deutschland und Kosten für eine Werksschließung - einen Rückgang auf rund 700 Mio. Euro.
Seit dem Jahreswechsel macht das Stahlgeschäft dem Firmenchef aber wieder mehr Freude: "Wir bekommen von unseren Kunden positives Feedback, was die wirtschaftliche Situation in unseren Märkten betrifft", sagte Eder. In den USA zeichne sich eine steigende Nachfrage ab - ebenso in Europa. "Europa scheint das Ärgste überwunden zu haben. Die Märkte beginnen daran zu glauben, dass wir die kurzfristigen Probleme - Staatsverschuldung und Bankenkrise - gelöst haben." Ab April werde die voestalpine die Preise bei etwa der Hälfte ihrer Kundenverträge anheben und so ihr Ergebnis steigern - die andere Hälfte der Verträge soll im Juli folgen.
Dank der großen Nachfrage erwartet Eder bis nach dem Sommer eine volle Auslastung der Kapazitäten. "Wir sehen aus heutiger Sicht auch keinen Grund, warum sich das in der zweiten Jahreshälfte ändern soll - wenn nicht etwas Negatives in den Bereichen Schuldenkrise oder Finanzmärkte passiert", sagte er.
Die voestalpine macht rund 38 Prozent ihres Umsatzes in der Division Stahl, in der sie ihre Kunden etwa mit Flachstählen und Grobblechen beliefert - der Rest entfällt auf die Weiterverarbeitung von Stahl zu Spezialprodukten für die Auto-, Energie- und Luftfahrtbranche. Zum Ergebnis trug das klassische Stahlgeschäft in den ersten drei Quartalen 2011/12 nur ein Viertel bei.
Gänzlich ungebremst ist der Optimismus des langjährigen voestalpine-Chefs nicht. Zwar erwarte er - anders als im vergangenen Jahr - 2012/13 keinen Nachfrageeinbruch nach dem Sommer. Einen raschen Aufschwung hält er aber für ebenso unwahrscheinlich. "Wir glauben, dass wir im Jahresverlauf in kleinen Schritten eine langsame Belebung erleben werden, aber wir werden noch weit von dem Margenniveau vor der Krise entfernt bleiben. Es sollte nicht nach unten gehen, wird sich aber auch nicht dramatisch nach oben entwickeln."
Das langsamere Wachstum Chinas hat aber auch positive Auswirkungen: Mit der schwächeren Konjunktur benötigt das Land auch weniger Eisenerz. Die Förderkapazitäten wüchsen mit dem Markteintritt neuer kleinerer Minenfirmen aber weiter. Durch die so entstehenden Überkapazitäten werde der Eisenerzpreis weiter sinken, sagte Eder. "Bei Kohle ist das ähnlich, auch dort gehen wir in nächster Zeit von einem leichten Sinken der Preise aus."
Bis 2020 hat sich der Konzern eine Umsatzsteigerung auf 20 von derzeit rund 12 Mrd. Euro vorgenommen - und fasst dafür auch Zukäufe ins Auge. Auch für eine Milliarden-Übernahme wie die Akquisition des Edelstahl-Konzerns Böhler-Uddeholm sei Eder offen. "Die Böhler-Akquisition war ein glücklicher Zufall. Ich schließe nicht aus, dass in den nächsten zehn Jahren wieder so ein Zufall auftaucht. Aber darauf bauen wir unsere Planung nicht auf." Wahrscheinlicher seien mehrere kleinere Übernahmen mit einem Umsatzvolumen zwischen 50 und 200 Mio. Euro pro Jahr.
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