voestalpine treibt internationales Wachstum voran
Milliardenschwere Akquisition der Böhler-Uddeholm "verdaut" - Umsatz soll sich bis 2020 dank Übernahmen und Investitionen auf 20 Mrd. Euro fast verdoppeln - Kein zweites Stahlwerk
voestalpine AG
Der börsenotierte Stahl- und Technologiekonzern
voestalpine feilt derzeit am strategischen Masterplan für die
kommende Dekade - spätestens bis Jahresende liegt die Linie vor. "Wir
werden in den kommenden vier bis fünf Jahren einen nächsten
Investitionsschwerpunkt setzen, nachdem wir die vergangenen drei
Jahre auf der Bremse gestanden sind", sagte Konzernchef Wolfgang Eder
im Gespräch mit der APA. Die rund 4 Mrd. Euro schwere Übernahme des
Edelstahlkonzerns Böhler-Uddeholm aus dem Jahr 2007 sei "verdaut".
Der Umsatz soll sich bis 2020 dank weiterer Übernahmen und
Investitionen auf 20 Mrd. Euro fast verdoppeln.
Derzeit erzielt die voestalpine mit der Stahldivision ein Drittel der Verkaufserlöse, die weiteren drei Unternehmensbereiche - Edelstahl, Metal Forming (vormals Automotive und Profilform) und Bahnsysteme - stellen bereits zwei Drittel des Umsatzes. "Die Relation wird sich weiter zugunsten der drei Verarbeitungsdivisionen verschieben", kündigte Eder "ein etwas überproportionales Wachstum" in diesen Bereichen an.Beim Gearing (Nettoverschuldung in Prozent des Eigenkapitals) liege die voestalpine aktuell "deutlich unter 60 Prozent" - Tendenz weiter sinkend. "Auch vor diesem Hintergrund können wir uns in den kommenden Jahren - selbst bei einem gedämpften Konjunkturklima - wieder mehr leisten", so Eder. Im vorigen Geschäftsjahr 2010/11 hatte sich der Verschuldungsgrad des Unternehmens im Jahresabstand von 71,3 auf 57,8 Prozent verbessert. "Wir haben immer gesagt, 30 bis 70 Prozent sind unproblematisch", betonte der voestalpine-Chef.
Das kurz vor der Finanzkrise 2007/08 angedachte Projekt "Edelweiß", ein zweites Stahlwerk (zusätzlich zu Linz) am Schwarzen Meer, in das ebenfalls Milliarden geflossen wären, wird es definitiv nicht geben. "Sicher ist: Das Edelweiß ist endgültig verwelkt", bekräftigte Eder, denn im Gefolge der Krise 2008/09 hätten sich "zu viele Rahmenbedingungen stark verändert".
"In Osteuropa haben wir immer noch erst den Beginn einer Erholung und sind weit weg von der Dynamik, die wir vor 2008 hatten", bedauert der Konzernchef. Auch die Instabilität im arabischen Raum nehme zu und inzwischen seien nicht nur China, Indien und Brasilien große Emerging Markets, sondern auch eine Reihe anderer Länder etwa in Südostasien. Die Karawane beginne auch bereits, aus China nach Vietnam, Indonesien und andere Länder weiterzuziehen.
"Generell gilt heute mehr denn je, dass wir unsere Zukunft so anlegen müssen, dass wir uns nichts verbauen und mit Investitionen in Europa entsprechend vorsichtig sein", sagte Eder und verwies insbesondere auf die ungewisse Umweltpolitik und die damit verbundene Investitionsunsicherheit.
Vergangenen Dezember hätte die UNO-Klimakonferenz im südafrikanischen Durban das globale Klimaschutzabkommen von Kyoto "scharf machen sollen", das verbindliche Vorgaben für die Emission von Treibhausgasen macht. "Jetzt gibt es eine weitere massive Verzögerung", kritisierte Eder. Der Weltklimavertrag soll nun bis 2015 ausgearbeitet werden und 2020 in Kraft treten. Erst in drei Jahren wisse man, wie sich Europa tatsächlich positioniere. Europa sei für nur 12 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich.
Das 1997 vereinbarte Kyoto-Protokoll haben mehr als 190 Staaten ratifiziert, doch gelten die Emissionsvorgaben nur für insgesamt 37 Industriestaaten, nicht für Schwellen- und Entwicklungsländer wie China oder Indien. Dies hatte Kanada bereits in der Vergangenheit kritisiert, das mittlerweile aus dem Abkommen ausgetreten ist.
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