Zuckerknappheit bescherte Agrana Rekordjahr - 2012/13 etwas schwächer
Dividende wird um 50 Prozent auf 3,6 Euro/Aktie erhöht - Nettogewinn legte um 79 Prozent auf 156 Mio. Euro zu - Ergebnis soll heuer stabilisiert werden
AGRANA Beteiligungs-AG
Agrana-Chef Johann Marihart frohlockt über
"historische Werte" bei Umsatz und Gewinn im abgelaufenen
Geschäftsjahr 2011/12. Eine Zuckerknappheit in der EU und damit
verbundene höhere Preise bescherten dem in Wien börsenotierten
Frucht-, Stärke- und Zuckerkonzern einen kräftigen Gewinnsprung.
Allein im Zuckersegment schnellte das operative Ergebnis von 33,8
Mio. Euro im Jahr davor auf nun 112,3 Mio. Euro. Der Hauptversammlung
wird Anfang Juli eine Dividenden-Erhöhung um 50 Prozent auf 3,6 Euro
vorgeschlagen. Damit werden rund 34 Prozent des Gewinns
ausgeschüttet.
Der "außergewöhnliche Ergebniszuwachs" sei auf gute Marktbedingungen bei Zucker und Stärke und Optimierungsmaßnahmen zurückzuführen, berichtete Marihart bei der Bilanzpressekonferenz am Dienstag in Wien. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Agrana-Chef nur mehr ein "moderates Umsatzwachstum" und stellt einen leichten Ergebnisrückgang in Aussicht. "Ergebnisseitig liegt die Latte sehr, sehr hoch." Ziel sei es, das operative Konzernergebnis zu stabilisieren, so Marihart.Weiterhin Interesse zeigt der Agrana-Chef an zwei serbischen Tochterunternehmen der staatlichen griechischen Hellenic Sugar. "Serbien ist eine gute Basis für die Zuckerrübenproduktion", betonte er. Der Verkauf werde aber derzeit durch die politische Situation in Griechenland behindert.
Das operative Ergebnis (Ebit) schnellte 2011/12 um 80,7 Prozent auf 232,4 Mio. Euro. Davon stammten rund 48,3 Prozent aus dem Zuckersegment, 35,3 Prozent aus dem Stärkebereich und 16,4 Prozent aus dem Fruchtsegment. Das Konzernperiodenergebnis (Nettogewinn) legte auf 155,7 (87,1) Mio. Euro zu. Das Ergebnis je Aktie belief sich damit auf 10,73 Euro, nach 5,98 Euro. Der Umsatz erhöhte sich auf 2,58 (2,16) Mrd. Euro, davon wurden rund 51 Prozent in Österreich erzielt, rund 30 Prozent in Osteuropa und 7,6 Prozent im sonstigen Europa.
Die Nettoverschuldung legte wegen einer Aufstockung der Lagerbestände und gestiegener Rohstoffpreise von 382,4 Mio. Euro auf 469,2 Mio. Euro deutlich zu. Die Eigenkapitalquote ging von 48,4 auf 45,4 Prozent zurück, erklärte Agrana-Finanzvorstand Walter Grausam. Zur Diversifizierung der Finanzstruktur hatte sich der Konzern im heurigen April via ein Schuldscheindarlehen 110 Mio. Euro von österreichischen und deutschen Banken geholt.
Im Segment Zucker erhöhten sich die Umsätze der Agrana aufgrund einer höheren Menge und gestiegener Preisen von 713,1 Mio. auf 884,4 Mio. Euro. Die operative Marge schnellte von 4,7 Prozent auf 12,7 Prozent. Das stark gestiegene Ergebnis ist laut Agrana auch auf die gute Rübenqualität, hohe Verarbeitungsleistung und Kostensenkungen zurückzuführen. Der Zuckerpreis-Anstieg in der EU gepaart mit einem knappen Angebot sei durch einen signifikanten Weltmarktpreisanstieg verstärkt worden, erklärte Einkaufs- und Verkaufs-Vorstand Fritz Gattermayer. Die Zuckerproduktion in Brasilien sei deutlich zurückgegangen. Für die nächsten Monate erwartet er eine stabile Zuckermarktentwicklung.
Die Erlöse im Stärke-Geschäftsfeld stiegen vor allem preisbedingt von 583,2 Mio. auf 764,3 Mio. Euro. Das operative Ergebnis verdoppelte sich nahezu auf 81,9 Mio. Euro, nach 48,2 Mio. Euro im Jahr zuvor. Eine verstärkte Nachfrage habe es nach Kartoffel-, Tapioka- und Weizenstärke gegeben, so Gattermayer. Eine Margenerhöhung war bei Verzuckerungsprodukten aus Stärke (u.a. Isoglukose) wegen der höheren Zuckerpreise möglich. Die Stärke-Kontrakte der Agrana wurden im laufenden Jahr wegen des Wegfalls der EU-Quote (Mengenbeschränkung) um 20 Prozent erhöht. "Angriff ist die beste Verteidigung", betonte Gattermayer.
Im Frucht-Geschäftsfeld stieg der Umsatz aufgrund höherer Verkaufspreise von 869,6 auf 928,9 Mio. Euro. Das operative Ergebnis ging jedoch um 46,7 auf 38,2 Mio. Euro zurück. Die geringen Erntemengen bei Obst und Beeren und damit verbundenen Preisanstiege führten bei der Agrana zu erhöhten Rohstoffkosten. Im Fruchtsaftkonzentratgeschäft wurde noch ein Gewinnanstieg verzeichnet, während bei Fruchtzubereitungen für Joghurts "ein markt- und kostenbedingter Ergebnisrückgang" verzeichnet wurde. In Europa sei der Markt für Fruchtzubereitungen stagnierend und auch außerhalb Europas gebe es geringes Marktwachstum, berichtete Agrana-Vertriebsvorstand Gattermayer. Auch für das laufende Geschäftsjahr rechnet er mit einem schwierigen Marktumfeld für Fruchtzubereitungen.
Im Geschäftsjahr 2011/12 wurde nach zwei schwachen Investitionsjahren mit 97,1 (55,9) Mio. Euro wieder deutlich mehr investiert, etwa in die Inbetriebnahme des neuen Fertigwarenlagers in Serpuchov und den Bau eines Zuckersilos in Tulln. Im laufenden Geschäftsjahr soll mit insgesamt 140 Mio. Euro erneut deutlich mehr investiert werden, unter anderem in die geplante Weizenstärkefabrik in Pischelsdorf.
Agrana-Papiere notierten an der Wiener Börse am späten Vormittag mit einem Aufschlag von 0,9 Prozent bei 86,8 Euro.
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