Nach Einschätzung von Stephen King, dem Chef-Ökonom von HSBC, hat der steigende Ölpreis Griechenland als Quelle der Angst abgelöst. Falls der Aufwärtstrend beim Ölpreis weiter anhält, dann könnte die fragile Erholung der Wirtschaft in den Industriestaaten schnell abgewürgt werden und die Inflation könnte in die Schwellenländer zurückkehren. Hauptsächlich infolge der steigenden Spannungen wegen des Iran ist der Ölpreis in letzter Zeit stark angestiegen. King erklärte, dass die Sanktionen gegen den Iran bereits zu Lieferengpässen geführt hätten, was sich zweifellos im Anstieg des Ölpreises niedergeschlagen habe. Im Bezug auf den Iran gibt es eine Menge anderer Probleme, die Sorge bereiten. "Hat der Iran bereits die Fähigkeit zum Bau einer Atombombe entwickelt, wird es zu einem Krieg mit Israel oder gar den USA kommen oder könnte der Iran mit einem bizarren Gegenschlag versucht sein, die Straße von Hormuz zu schließen", fragt der Experte. Er hebt aber auch hervor, dass der Anstieg des Ölpreises nicht nur das Resultat geopolitischer Spannungen darstellt. Eine Erklärung für den jüngsten Preisanstieg stützt sich auf den Einfluss der Lockerung der Geldpolitik. " Wenn die Versorgung mit Geldpapier ständig vergrößert wird, dann wird sein Wert im Verhältnis zu anderen Anlagegütern fallen.
Dieses Argument gewinnt besonderes Gewicht nicht nur die lockere Geldpolitik in den USA und dem Vereinigten Königreich, sondern auch durch die langfristigen Refinanzierungsgeschäfte der EZB und die neuerliche Begeisterung der Zentralbank von Japan für die Notenpresse. Da sich das globale Wirtschaftswachstum in Richtung der Schwellenländern verändert, ist dies nach Ansicht von King auch als Grund für den Ölpreisanstieg zu sehen. Wie lange der Ölpreis so hoch bleibt, hängt nach Ansicht von King rein von der Mittelostpolitik ab. "Wir wissen aus früherer bitterer Erfahrung, dass größere politische Umbrüche in der Region die Gefahr deutlicher Ölpreissteigerungen mit sich bringen. Man sollte an einen Preis von 150 Dollar oder sogar 200 Dollar pro Barrel denken", so King. Investoren sollten zur Absicherung gegen höhere Ölpreise Öl-Aktien kaufen. Die Bewertungen seien attraktiv und sie böten einen ordentlichen Schutz für den Fall, dass sich die Bedingungen im Mittleren Osten deutlich verschlechtern sollten.