1.1. Emittent
Als Emittenten verzinslicher Wertpapiere treten unterschiedliche Institutionen auf. In der Regel sind dies Staaten, Gebietskörperschaften, Körperschaften des öffentlichen Rechts, Banken und Industrieunternehmen. Die Bonität des Emittenten beeinflusst dabei entscheidend das Risiko beim Kauf der Wertpapiere. Bei festverzinslichen Wertpapieren drückt sich mangelnde Bonität meist in einem höheren Zins aus.
1.2. Neuemission und Stückelung
Als Neuemission werden Wertpapiere bezeichnet, wenn sie vom Emittenten neu aufgelegt werden und in einer vorbörslichen Phase zur Zeichnung angeboten werden. Nach der Zeichnungsphase werden die Papiere in der Regel an der Börse notiert. Der Gesamtwert einer Anleihe wird zu einem bestimmten Nominalwert gestückelt. Die Stückelung beträgt meistens 100,00, 500,00 oder 1.000,00 Euro. Der Emittent hat in der Praxis nicht nur die Möglichkeit die Anleihe zu pari, d. h. zum Nominalwert auszugeben, sondern er kann auch sie mit einem Aufschlag (Agio) bzw. Abschlag (Disagio) auf den Nominalwert emittieren. Zu beachten für den Zeichner einer Anleihe ist hierbei, dass durch Agio oder Disagio der tatsächliche Zins vom Nominalzins abweicht. Bei einem Agio ist der tatsächliche Zinssatz niedriger und bei einem Disagio höher als der Nominalzins.
1.3. Nominalzins und Zinszahlungen
Der Zins ist die Vergütung für das zeitweise Überlassen eines Geldbetrages. Die Verzinsung, die Sie als Anleger vom Emittenten auf das nominal eingesetzte Kapital (den Nennwert bzw. Nominalwert des Wertpapiers) erhalten, ist in den jeweiligen Anleihebedingungen geregelt. Wichtig ist, dass der im Kupon festgelegte Nominalzins einen eventuellen Aufschlag (Agio) oder Abschlag (Disagio) bei Emission unberücksichtigt lässt, da er sich nämlich auf den Nennwert der Anleihe bezieht. Ebenso kann der Nominalzins von der laufenden Verzinsung (siehe nächsten Absatz) während der Restlaufzeit als Folge eines unterschiedlichen Kurses zum Nennwert abweichen. Die Auszahlung des Zinses erfolgt üblicherweise einmal jährlich, in seltenen Fällen mehrmals pro Jahr. Diese Art der Auszahlung während der Laufzeit ist die gängigste Form, sowohl bei festverzinslichen Wertpapieren als auch bei Anleihen mit einem variablen Zinssatz, den sogenannten Floating Rate Notes.
Anders sieht die Zinszahlung bei der Nullkuponanleihe (Zero-Bond) aus. Bei dieser Anleihenart findet während der Laufzeit überhaupt keine Auszahlung der Zinsen statt, sondern der Ausgleich erfolgt durch abgezinste Emission. Das heißt, die Differenz zwischen dem Rückzahlungskurs bei Fälligkeit und dem Emissionskurs stellt den Zinsertrag dar.
1.4. Laufende Verzinsung
Der Nominalzins sagt wenig über den tatsächlichen Anlageerfolg aus, da zumindest immer der aktuelle Kurswert des Wertpapiers mit berücksichtigt werden muss. Die laufende Verzinsung ergibt sich aus dem Verhältnis zwischen Nominalzins und dem aktuellen Kurs einer Anleihe. Sie gibt bei einem einzelnen Wertpapier an, wie hoch die laufenden Zinszahlungen in Prozent bezogen auf den Kapitaleinsatz sind. Die laufende Verzinsung wird wie folgt berechnet:
Laufende Verzinsung = Nominalzins : aktueller Kurs x 100%
Beispielsweise beträgt bei einer 6% Anleihe mit einem Kurs von 80% die laufende Verzinsung 7,5%.
1.5. Rendite
Unter Rendite, oder auch Effektivzins, versteht man die tatsächliche Verzinsung eines Kapitals, ausgedrückt in Prozent pro Jahr. Die Rendite ist ein Kriterium, um unterschiedlich ausgestattete und bewertete Wertpapiere zu vergleichen. Bei der Rendite von festverzinslichen Wertpapieren fließen neben dem Nominalzins (Kupon) auch Kursgewinne bzw. -verluste sowie die Zeitdauer des Besitzes der Anleihe als Einflussfaktoren ein.
An Hand eines vereinfachten Beispiels lässt sich die Bedeutung von Kursgewinnen und der Zeitdauer des Anleihebesitzes verdeutlichen: Eine zu einem Kurs von 100% gekaufte Anleihe mit 4% Jahreszins wird nach 2 Jahren zu einem Kurs von 102% verkauft. Zu der jährlichen Verzinsung von 4% kommt also ein Kursgewinn von 2% hinzu. Der Kursgewinn wird nun durch die Anzahl der Jahre geteilt und zum Nominalzins addiert um die Rendite auf ein Jahr gerechnet zu erhalten. Der Kursgewinn pro Jahr beträgt in diesem Fall also 1% (2 : 2). Damit ergibt sich eine jährliche Rendite von 5% (4 + 1).
Es gibt mehrere Berechnungsmodelle für die Rendite. Für einen Näherungswert kann folgende Faustformel verwendet werden:
Rendite = 100% x (Nominalzins + (Verkaufskurs - Kaufkurs ) : Jahre) : Kaufkurs
Ein weiteres Beispiel: Eine festverzinsliche Anleihe mit einem Kupon von 6% und einem Kaufkurs von 80% wird bis zur Rückzahlung in Höhe von 100% nach 5 Jahren Restlaufzeit gehalten. Dies ergibt nach obiger Formel eine Rendite von 12,5%.
1.6. Erträge - Zinszahlungen und Wertsteigerungen
Als Vermögensanlage können Ihnen Anleihen prinzipiell auf zwei Arten Ertrag bringen: zum Einen in Form von Zinszahlungen des Emittenten, zum Anderen in Form von Wertsteigerungen (Differenz zwischen Ankaufs-/ Ausgabepreis und Verkaufs-/Rücknahmepreis). Die Wertsteigerungen können resultieren entweder aus einer Senkung des Marktzinsniveaus (im Vergleich zum Marktzinsniveau höher verzinste Anleihen werden verstärkt nachgefragt) oder aus der Heraufstufung des Ratings für den Emittenten (die Wahrscheinlichkeit der Rückzahlung ist höher einzuschätzen als bei anderen Anleihen mit gleicher Verzinsung, das Wertpapier folglich attraktiver und somit teurer).
Bei Anleihen mit variablen Zinssätzen (Floating Rate Notes) führt dagegen die häufigere Anpassung der Kuponhöhe an das Marktzinsniveau nur kurzfristig (d.h. bis zum nächsten Zinsanpassungstermin) und vergleichsweise wenig zu einer, durch Zinsänderungen ausgelösten, Wertsteigerung. Bei festverzinslichen Anleihen mit einer sehr langen Restlaufzeit ist die, aus einem Verfall des Marktzinsniveaus resultierende Wertsteigerung, am Größten.
1.7. Zinsstrukturkurven
Die Höhe der Rendite einer Anleihe ist u.a. abhängig von: dem Rating, dem Angebot oder der Restlaufzeit der Anleihe. Typischerweise werden bei längeren Laufzeiten höhere Rendite erwirtschaftet. Diesen Verlauf spiegeln die Zinsstrukturkurven der einzelnen Anleihetypen wider, die die Rendite im Verhältnis zur Restlaufzeit abbilden. Die Zinsstrukturkurven können jedoch auch einen inversen Verlauf haben, d.h. im längerfristigen Bereich sind die Renditen niedriger als im kurzfristigen Bereich. Dieses Phänomen tritt hauptsächlich in wirtschaftlichen Boomphasen auf.
Im Wertpapiergeschäft dient die Zinsstrukturkurve als Grundlage bei der Konditionsfestlegung von Neuemissionen (Primärmarkt) und zur Preisfeststellung bei sich im Umlauf befindlichen Titeln (Sekundärmarkt). Veränderungen in der Zinsstrukturkurve haben folglich auch unmittelbaren Einfluss auf den Anleihenkurs. Die in der Zinsstrukturgrafik ersichtlichen Renditedifferenzen zwischen den Anleihetypen Bundesanleihen, Euro-Staatsanleihen und den Jumbopfandbriefen in den jeweiligen Laufzeiten, visualisieren die vom Markt unterstellten Bonitätsunterschiede der Emittenten (Schuldner).
1.8. Duration
Die Duration (auch Macaulay Duration) gibt unter Berücksichtigung der Zins- und Tilgungszahlungen einschließlich des Zinseszinseffektes, die mittlere Kapitalbindungsdauer in Jahren an. Außer bei Nullkuponanleihen ist die Duration stets geringer als die Restlaufzeit. Je höher der Kupon (Nominalzins) ist, desto niedriger ist die Duration. Konkret bedeutet dies für den Anleger, dass je höher der Nominalzins ist, er umso früher einen Teil des investierten Kapitals zurückerhält. Durch vergleichsweise höhere Zinssauschüttungen sinkt also der Anteil des ursprünglich in der Anleihe gebundenen Kapitals. Damit ist der Anleger dem Zinsänderungsrisiko in geringerem Maße ausgesetzt als bei einer Anleihe mit niedrigerem Nominalzins, bei der er sein investiertes Kapital im Mittel erst zu einem späteren Zeitpunkt zurückbekommt.
Die Duration ist auch ein Maß für die Sensitivität einer Anleihe im Hinblick auf Änderungen des Marktzinses. Hält ein Anleger die Anleihe für die Dauer der Duration, so immunisiert er sich völlig gegen das Kursrisiko auf Grund von Marktzinsänderungen (Immunisierungseffekt der Duration). Für spekulative Anleger ist die Duration ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl besonders attraktiver Titel im Falle einer erwarteten Zinsänderung durch die Zentralbank.
1.9. Modifizierte Duration
Die Macaulay Duration gibt die mittlere Kapitalbindungsdauer einer Anleihe an und ermöglicht damit eine tendenzielle Aussage, ob das jeweilige Zinsänderungsrisiko relativ hoch oder niedrig ist. Die modifizierte Duration hingegen gibt die zu erwartenden Kursänderung bei Änderung des Marktzinses an. Die modifizierte Duration stellt damit ein Risikomaß dar, das konkret die Wertänderung der Anleihe bei einer Änderung des Marktzinses abschätzbar macht.







































