1.1. Analysemethoden (fundamentale und technische Analyse)
Zu Beginn dieses Kapitels vorweg, dass sich der fundamentale und der technische Ansatz der Analyse nahezu unvereinbar gegenüberstehen. Das bedeutet freilich nicht, dass sich der Investor ausschließlich für die eine oder andere Möglichkeit entscheiden muss. Sorgsame Analyse setzt immer voraus, dass alle Möglichkeiten und Wege geprüft werden, bevor es zu einer Entscheidung kommt.
Daher sollte jeder Anleger über das Grundwissen der technischen Analyse verfügen, welches in den folgenden Abschnitten vorgestellt wird. Doch zunächst einmal ist zu klären, was dieser Begriff "Technische Analyse" beinhaltet.
Allen Analysemethoden dieser Disziplin ist eines gemein: Sie befassen sich in keiner Weise mit dem Unternehmen selbst oder dem volkswirtschaftlichen Umfeld. Es ist ohne jeden Belang, ob die Gesellschaft Gewinne oder Verluste macht, die Zinsen steigen, eine Rezession naht oder die Dividende ausfällt. Der Ansatzpunkt der Technischen Analyse ist ausschließlich die Kursentwicklung eines Wertpapiers. Und nichts anderes.
1.2. Fundamentalanalyse
Mit der Fundamentalanalyse versucht man die Aktien mit hohen Renditechancen herauszufiltern, indem man anhand von Fundamentaldaten herausfindet, ob der Aktienkurs unter- oder oberhalb eines fairen Wertes des Wertpapiers liegt. Man könnte sagen, dass sie das Kursziel einer Aktie ausrechnet und somit dann dem Käufer bei seiner Entscheidung hilft. Liegt der aktuelle Kurs der Aktie unter diesem Wert, ist diese niedrig bewertet und für einen Kauf interessant.
Um Unternehmen verschiedener Größe vergleichbar machen zu können, werden zur Bewertung eines Wertpapiers meistens Quotienten der Unternehmensdaten verglichen. Dabei verwendet man entweder Quartals- oder Jahresberichte der Unternehmen. Damit die Kennwerte vergleichbar sind, müssen die Bilanzen der Unternehmen nach einheitlichen Regeln aufgestellt sein.
Die Fundamentalanalyse ist zweifellos ein wichtiges Instrument für die Bewertung von Aktien. Sie gilt als effektiv und viele Investoren waren damit erfolgreich.Ein hundertprozentiger Erfolg kann jedoch nicht garantiert werden, da viele Kursentwicklungen irrational sind und beispielsweise Ereignisse wie der 11. September 2001 oder auch die Finanzkrise 2008-2009 nicht vorhergesehen werden können.
In der Fundamentalanalyse werden nun die einzelnen aufgeführten Kennzahlen bewertet. Hierzu wird eine Formel erstellt, um aus den einzelnen Werten eine Kennzahl zu berechnen. Dabei ist es dem Einzelnen überlassen, wie stark er die einzelnen Kennzahlen gewichtet, d.h. wie stark sie jeweils in die Gesamtbewertung der Aktie einfließen.
Das KGV (Kurs Gewinn Verhältnis) ist die Kennzahl, die fast in jeder Art der Fundamentalanalyse enthalten ist. Man erhält das KGV, indem man den derzeitigen Kurs durch den Konzerngewinn je Aktie dividiert. Das KBV eine weitere Kennzahl, die einem Investor hilft den Kurs einer Aktie zu bewerten, ist das Kurs-Buchwert-Verhältnis. Hierbei stellt man den Kurs einer einzelnen Aktie in Relation zu ihrem anteiligen Buchwert. Weiter Kennzahlen sind die Aktienkennzahl KUV (Kurs-Umsatz-Verhältnis), das KCV (Kurs-Cashflow-Verhältnis), erhält man, wenn man den aktuellen Kurs einer Aktie durch den Cashflow je Aktie dividiert und das EKQ die Eigenkapitalquote zeigt das Eigenkapital eines Unternehmens im Verhältnis zu seinem Gesamtkapital in Prozent.
1.3. Technische Analyse
Die Menschen sind emotional gesteuerte Kreaturen. Trotz rationaler Denkweise werden immer wieder Faktoren wie Hoffnung, Gier oder Angst das Handeln bestimmen. Das heißt, dass bestimmte Situationen immer wieder die selben Reaktionen bei den Marktteilnehmern verursachen. Aktionen - und insbesondere Fehler - wiederholen sich über Jahrhunderte hinweg immer wieder. Da sich daraus für bestimmte Situationen Verhaltensmuster ableiten lassen, können Kursbewegungen, die ja nur durch Aktionen der (menschlichen) Teilnehmer verursacht werden, bis zu einem gewissen Grad vorhergesagt werden.
Die Fundamentale Analyse arbeitet entweder mit Zahlen aus der Vergangenheit oder aber mit Prognosen, die sich auf den aktuellen Stand der Dinge beziehen. Wer sich alleine danach richtet, leidet an einem Mangel an Datensicherheit und kommt meistens zu spät, da andere in der Regel schneller an die relevanten Informationen gelangen.
Umkehrschluss: Ob man sich über tiefe Einblicke in ein Unternehmen bemüht oder nicht, die aktuellen Aktienkurse geben sowieso eine adäquate Beurteilung des Unternehmens wieder und beinhalten zumeist schon Neuigkeiten, die erst Stunden oder Tage später veröffentlicht werden.
Die Technische Analyse arbeitet mit der Gegenwart. Basis der Betrachtung ist immer der zuletzt gehandelte Kurs, und dieser ist oft nur wenige Minuten alt. Da dieser Kurs bereits alle relevanten Informationen beinhalten dürfte, kann man auf in der Fundamentalen Analyse oft notwendige Prognosen bezüglich kursbeeinflussender Nachrichten verzichten.
Die effektive Prognose der zukünftigen Entwicklung eines Aktienkurses ist durch die Betrachtung des aktuellen Kurses in Relation zum Kursverlauf der Vergangenheit möglich. Doch selbstverständlich ist die Technische Analyse eben sowenig wie die Fundamentale Analyse vor externen Einwirkungen geschützt. Überraschende Faktoren wie politische Spannungen, Kriege oder Naturkatastrophen können die Kurse - allerdings auch aufgrund der Emotionen der Marktteilnehmer - in unberechenbare Richtungen ziehen.
Innerhalb der Technischen Analyse existieren zwei unterschiedliche Ansätze. Zum einen die Charttechnik, die sich mit dem Kurs per se in Relation zu den vorangegangenen Kursen befasst, und auf der anderen Seite die Markttechnik, die sich mit der Art und Weise beschäftigt, wie sich ein Kurs bewegt, und hieraus Indikationen ableitet. Mehr zu diesen Verfahren finden Sie in den entsprechenden Beiträgen in unserem Börsenwissen.







































