1.1. Allgemeine Informationen
Wer auch nur ab und zu den Kursteil im Wirtschaftsteil einer Tageszeitung oder Börsezeitschrift überfliegt, wird sicherlich schon auf das Thema Optionsscheine gestoßen sein. Selbst wenn sich der interessierte Leser bereits mit Börse und Aktienveranlagung befasst hat, kann er mit dem Begriff "Optionsschein" in vielen Fällen leider nicht all zu viel anfangen.
Die Veranlagung in Optionsscheinen setzt nicht nur Grundkenntnisse über die Vorgänge an Aktienmärkten voraus. Darüber hinaus sind auch grundlegende Kenntnisse über die Besonderheiten von Optionsscheinen absolute Voraussetzung, um beim Optionsscheininvestment keine bösen Überraschungen zu erleben. Selbstverständlich ist das Eintreffen der richtigen Markterwartung innerhalb eines selbstdefinierten Zeitraumes zweifelsohne der wesentlichste Faktor eines erfolgreichen Optionsscheininvestments.
1.2. Handel mit Optionsscheinen
Der Handel mit Optionsscheinen, auch Warrant genannt, ist der Handel mit Rechten. Optionsscheine verbriefen das Recht - nicht aber die Verpflichtung - an einem bestimmten Tag, oder während einer Zeitspanne, ein Investment zu einem vorher bestimmten Kurs zu kaufen (Call) beziehungsweise zu verkaufen (Put). Im Gegensatz zu Optionen und Futures sind Optionsscheine keine standardisierten Terminkontrakte, sondern Wertpapiere. Mit Calls spekulieren Sie auf steigende Kurse des Basiswertes. Mit Puts dagegen setzen Sie auf fallende Kurse des Basiswertes, etwa auf eine Aktie oder einen Index. Interessant ist die Spekulation mit solchen Optionsscheinen für den Anleger deshalb, weil sich die Kursentwicklung des dem Optionsrecht zu Grunde liegenden Basiswerts im Allgemeinen überproportional auf die Kursentwicklung des Optionsscheins auswirkt. Sowohl ins Positive als auch ins Negative.
1.3. Beispiel für Optionsscheine
Zur besseren Veranschaulichung ein Beispiel. Als Beispiel dient ein Optionsschein auf die frei erfundene Test AG Aktie, der folgende Ausstattungsmerkmale aufweist:
> Kauf- und Verkaufsoptionsschein auf den Basiswert Test AG Aktie
> Bezugspreis 80 €,
> Bezugsverhältnis 1:1, Laufzeit ein Jahr
> Preis des Optionsscheines 12,70 €.
Aus der Sicht des Käufers ergibt sich folgendes Szenario:
Mit dem Kauf des Optionsscheines erwirbt der Käufer das RECHT, aber nicht die Verpflichtung gegen die einmalige Bezahlung des Kaufpreises für den Optionsschein, in diesem Fall eben 12,70 € den Basiswert: Test AG Aktie zu einem fixierten Preis: 80 € in einer bestimmten Menge: eine Aktie zu oder bis zu einem bestimmten Termin: ein Jahr zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Puts).
Aus der Sicht des Verkäufers verhält es sich folgendermaßen:
Mit dem Verkauf des Optionsscheines übernimmt der Stillhalter die VERPFLICHTUNG, gegen den einmaligen Erhalt des zu für den Optionsschein zu bezahlenden Preises, der auch Prämie genannt wird, in diesem Beispiel eben 12,70 € den Basiswert: Test AG Aktie zu einem fixierten Preis: 80 € in einer bestimmten Menge: eine Aktie zu oder bis zu einem bestimmten Termin: ein Jahr zu liefern (Call) oder abzunehmen (Put).
1.4. Vorteile von Optionsscheinen
Mit Optionsscheinen kann der Anleger schon mit kleinen Beträgen von Kursbewegungen des Basiswertes genauso profitieren, als ob er den Basiswert direkt gekauft hätte. Dem mit 100% begrenzten Verlustpotential steht ein unbegrenztes Gewinnpotential gegenüber. Investoren können durch den richtigen Einsatz von Optionsscheinen sowohl bei steigenden (mit Calls) als auch bei fallenden (mit Puts) Kursen des Basiswertes Gewinne erzielen. Die Spekulationserwartung des Erwerbers im Handel beruht auf einer Hebelwirkung (Leverage-Effekt).
1.5. Risiken von Optionsscheinen
An Verlusten wird mit den Optionsscheinen ebenso überproportional partizipiert.
Währungsrisiko bei Optionsscheinen - Kauft man einen Optionsschein, der in fremder Währung notiert wird, ist man zusätzlich dem Währungsrisiko ausgesetzt. Ein Währungsrisiko entsteht auch, wenn die zu erbringenden Leistungen in einer fremden Währung erbracht werden.
Rechtzeitig verkaufen - Versuchtes "Aussitzen" von Verlusten, was bei Aktien mit entsprechender Geduld häufig funktioniert, endet bei Optionsscheinen in den meisten Fällen katastrophal. Durch den permanenten Zeitwertverlust, werden Sie auch dann hohe Verluste machen, wenn der Basiswert den Kurs zum Zeitpunkt des Einstieges wieder erreichen sollte. Auch eine längere Seitwärtsbewegung ist Gift für jeden Optionsscheinanleger! Wenn Ihre Position nicht so läuft wie geplant, trennen Sie sich von dem Schein, auch wenn es nicht leicht fällt. Denken Sie stets daran: Wenn Sie einmal 50% Verlust machen, benötigen Sie mit dem übrigen Kapital einen Kursgewinn von 100%, um die Verluste wieder auszugleichen!
Achten Sie auf die Laufzeit und den Basispreis - Warrants, die optisch sehr billig erscheinen, haben meist einen Haken. Entweder ist der Basispreis meilenweit entfernt oder die Restlaufzeit ist dementsprechend kurz. Prüfen Sie deshalb beides sehr gründlich. Wenn beispielsweise der Basispreis eines Warrant mehr als doppelt so hoch ist, wie der aktuelle Aktienkurs, wird der entsprechende Warrant optisch sehr billig sein. Damit der Schein am Laufzeitende noch einen Wert hat, müsste sich die Aktie, auf die er sich bezieht, mehr als verdoppeln.
1.6. Preis des Optionsscheins
Der Preis des Optionsscheins orientiert sich nach Angebot und Nachfrage und repräsentiert das im Optionsschein verbriefte Recht für den Bezug eines Basiswertes. In der Regel orientiert sich der Preis des Optionsscheins an der Entwicklung des Basiswertes. Im Verhältnis zum Basiswert ist der Preis des Optionsscheins sehr gering. Die Konsequenz daraus ist der Umstand, dass jede Preisveränderung des Basiswertes eine prozentual stärkere Veränderung des Optionsscheins mit sich bringt. In der Fachsprache wird diese Veränderung "Hebelwirkung" oder "Leverage-Effekt" genannt. Das Fazit ist also, dass Optionsscheininhaber überdurchschnittlich an den Kursgewinnen, aber auch an den Kursverlusten des Basiswertes mitpartizipieren.







































