1.1. Allgemeine Informationen
Als "Hedge" wird im Englischen eine Absicherung einer Investition vor Risiken, wie gegenläufigen, negativen Entwicklungen verstanden. Eine solche Entwicklung kann ein Börseneinbruch, eine negative Wechselkursveränderung, oder eine ungewollte Zinsänderung sein. Mit Hilfe von derivativen Instrumenten wie Optionen und Futures kann eine Finanztransaktion abgesichert werden. Hedge-Fonds haben damit wenig zu tun. Sie stellen keine Absicherung dar, sondern zielen auf eine absolute Rendite ab. Sie streben eine jederzeitige positive Rendite unabhängig vom jeweiligen Marktumfeld an. Dieses Ziel verfolgen sie durch den Einsatz unterschiedlicher Anlagestrategien unter Verwendung verschiedenster Anlageinstrumente, die auch leerverkauft -Verkauf von geliehenen Anlageinstrumente - werden können. Bei einigen Strategien kommt auch Fremd- kapital zum Einsatz, was zu höheren Gewinn- und Verlustmöglichkeiten führen kann (Hebelwirkung, Leverage).
1.2. Ziel eines Hedge Fonds
Hedge Fonds streben nach hohen absoluten Renditen, also nach Anlageergebnissen, die sich in negativen Marktphasen weitgehend unabhängig von Aktien- oder Rentenindizes entwickeln. Traditionelle Investmentfonds mit einem Index als Renditereferenz verfolgen einen relativen Renditeansatz. Ihre Aufgabe gilt als erfüllt, wenn diese Benchmark (etwa der Dax) übertroffen wird. Solange die relevanten Indizes sich in positiven Territorien aufhielten, war selbst eine Unter- performance in der Regel noch kein Grund einem Manager das Mandat zu entziehen. Der traditionelle Manager hat aber de facto seine Aufgabe erfüllt, wenn er den Index übertrifft. Dies ist zutreffend, wenn der Indexverlust -20% beträgt, der aktive Portfoliomanager mit -18% ins Ziel kommt. Natürlich kann aber dieses Performanceergebnis einen Anleger nicht zufrieden stellen. Der Fairness halber muss angemerkt werden, dass der traditionelle Manager bestenfalls eine indexnahe Performance schaffen kann, angesichts der ihm zur Verfügung stehenden Anlagetechniken: Der Manager kauft Aktien und hofft, dass diese steigen oder zumindest weniger verlieren als der Vergleichsindex. Außerdem hat der traditionelle Manager eines Publikumsfonds relativ hoch investiert zu sein. Die Entscheidung Kasse zu halten, sollte die taktische Entscheidung des Anlegers bleiben.
1.3. Funktionsweise eines Hedge Fonds
Bei der von Hedgefonds am häufigsten angewandten Investitionstechnik, der so genannten Long/Short-Strategie, werden vermeintlich unterbewertete Aktien gekauft (Long) und gleichzeitig vermeintlich überbewertete Unternehmensanteile leer verkauft (Short). Ein erheblicher Teil des Marktrisikos kann auf diese Weise ausgeschaltet werden.
Auf Arbitragestrategien spezialisierte Manager konzentrieren sich dagegen auf Bewertungsdifferenzen zwischen ansonsten identisch ausgestatteten Wertpapieren. Handelt es sich dabei um Anleihen, spricht man von Fixed Income Arbitrage. Die Ausnutzung von Preisineffizienzen bei Wandelanleihen nennt sich dagegen Convertible Bond Arbitrage. Dabei wird typischerweise eine Kaufposition in der Anleihe und eine Verkaufsposition bei der Aktie eingegangen.
Bei ereignisbezogenen Strategien (Event Driven Strategies) werden Positionen mit Blick auf unternehmerische Ereignisse, wie beispielsweise Fusionen, Übernahmen, Restrukturierungen oder Konkurse aufgebaut. Die häufigste Form ist dabei die Merger Arbitrage, also die Spekulation auf die tatsächliche Durchführung einer Fusion und das damit verbundene Erreichen der angekündigten Umtauschrelation. Besonders risikoreich sind Engagements, die auf globale Trendänderungen (Global Makro Strategies) setzen.
1.4. Was sollte man bei Hedge Fonds beachten
> Liquidität - Die Anlage in Hedge-Fonds kann in der Regel frühestens binnen Monatsfrist aufgelöst werden; bei vielen Hedge-Fonds ist die Kündigung nur zum Quartals-, manchmal sogar nur zum Jahresende möglich.
> Preisinformationen - Es gibt keine Datenbank, die mit der zum Beispiel von Standard & Poors Micropal vergleichbar wäre, sondern nur eine Reihe unabhängiger Datenbank-Anbieter, von denen keiner eine erschöpfende Erfassung gewährleistet. Manche Hedge-Fonds bleiben zudem privat und sind in keiner öffentlich zugänglichen Datenbank zu finden. Seit kurzem gibt es jedoch verschiedene Indizes, mit denen die Performance von Hedge-Fonds gemessen werden kann.
> Performance - Der Renditeunterschied zwischen Fonds, die im unteren, und solchen, die im oberen Viertel rangieren, kann bis zu 20 % pro Jahr betragen. Daher ist es von entscheidender Wichtigkeit, Fonds auszuwählen, die dauerhaft eine überdurchschnittliche Rendite bieten können.
> Gebühren - Da eine maximale Rendite oberstes Anlageziel ist, sind die Gebühren bei allen Hedge-Fonds leistungsbezogen: Im Allgemeinen werden bis zu 20 % des Gewinns in Rechnung gestellt.
> Domizil - Um bei der Wahl der Anlageinstrumente und Strategien möglichst großen Freiraum zu haben, sind Hedge Fonds meist in Off-Shore-Finanzzentren domiziliert. Die Anlagemanager selbst unterstehen allerdings normalerweise der Aufsicht regulärer Behörden. Einige Fonds sind inzwischen auch in Dublin oder Luxemburg notiert und unterwerfen sich den an den dortigen Börsen geltenden Regeln.
> Reporting - Hedge-Fonds veröffentlichen ihre Ergebnisse höchstens einmal monatlich. Je komplexer die Anlagestrategien sind, umso so größer sind die Abstände, in denen der Inventarwert bekannt gegeben wird.
> Transparenz - Die meisten Hedge Fonds liefern nur begrenzte Informationen über ihre Positionen, da sie der Ansicht sind, dass sich ihr Handelsvorsprung verringert, wenn ihre Positionen bekannt sind.
> Zeichnungsfähigkeit - Die meisten Hedge Fonds begrenzen das Volumen ihres verwalteten Vermögens auf ein Niveau, das ihnen einen größtmöglichen Handlungsspielraum zur Umsetzung ihrer Strategien lässt. Der Trend geht derzeit dahin, dass sie nur bekannten, nachweislich verlässlichen - hinsichtlich Halteperioden der Fondsanteile - Investoren Anteile anbieten.







































