Verfasst am 08.03.2010 um 17:42, Autor: RU
Daytrading: Die Grenzen der Rendite
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Daytrader müssen sich von vornherein bewusst sein, dass sie niemals den "Jackpot-Trade" erleben werden. Die Rendite eines Daytraders ist von vornherein begrenzt durch die tägliche Schwankungsbreite eines gehandelten Instruments.Der CFD auf den German30 (dieser bildet bei CMC Markets die 30 Werte des deutschen Leitindex Dax® ab) beispielsweise weist im Tageschart am 12. Januar 2010 eine Average True Range (ATR - vereinfacht ein Indikator für die Schwankungsbreite je Zeiteinheit) von 76,5 Punkten auf. An einem durchschnittlichen Handelstag wird sich der German30 also weniger als 80 Punkte zwischen Hoch und Tief bewegen. Handelt der Trader den Zehn-Minuten-Chart, reduziert sich die ATR auf etwa acht Punkte. Gelingt es einem Trader also im Tageschart, am Kerzentief zu kaufen und am Kerzenhoch zu verkaufen, könnte er durchschnittlich 76 Euro verdienen. Tut er das Gleiche im 10-Minuten-Chart, verdient er nur noch 8 Euro. Jeder aktive Trader weiß, dass es praktisch unmöglich ist, derart präzise Ein- und Ausstiege zu erzielen, so dass diese ?Milchmädchen-Rechnung? real sogar noch schlechter ausfällt.
 
Belastungen durch Gebühren, Spread und Slippage
 
Damit noch nicht genug. Sowohl der Positionstrader (bezeichnen wir als Positionstrader an dieser Stelle einen Trader, der Positionen auch über Nacht hält) als auch der Daytrader haben eine Kostenbelastung von 2 Punkten pro Trade und Kontrakt zu tragen. Prozentual auf den möglichen Gewinn gerechnet, ergibt sich für den Positionstrader eine Kostenbelastung von etwa 2,6%, während der Daytrader 25% seines maximalen Gewinns für die Überwindung des Spread - also die Gebühren - aufwenden muss.
 
Eine einfache Rechnung verdeutlicht die Höhe der auflaufenden Gebühren:
 
Angenommen, ein Trader verfügt über ein 5.000-Euro-Konto. Er tradet am Tag zweimal jeweils fünf Kontrakte.
 
Tagesbilanz: 2 Trades x 5 Kontrakte = 10 Punkte Gebühren.
Wochenbilanz: 10 Punkte täglich x 5 Tage = 50 Punkte Gebühren.
Jahresbilanz: 50 Punkte wöchentlich x 50 Punkte = 2.500 Punkte Gebühren.
 
Bei diesem Beispiel sind die Handelsergebnisse noch völlig unberücksichtigt. Allerdings hat der Daytrader bereits eine Kostenbelastung von 50% seines gesamten Kontoguthabens produziert. Um mit dieser Handelsfrequenz am Ende genauso viel Geld auf dem Konto zu haben wir am Jahresanfang, muss er mit seinen Trades eine Performance von 50% erzielen - und dann hat er nur sein Kapital erhalten.
 
Aus der Kostenfalle gibt es zwei Auswege: Erstens ein besser kapitalisiertes Konto und zweitens eine niedrigere Handelsfrequenz in einem größeren Zeitfenster. Das erhöht die durchschnittlichen Gewinnchancen und verbessert das Kosten-Gewinn-Verhältnis.
 
Unterschätzt wird die Belastung durch Slippage, also die Differenz zwischen dem gewünschten Ausführungspreis und dem tatsächlich erzielten. Wer mit Market-Orders arbeitet, wird diesem Phänomen gelegentlich zum Opfer fallen. Besonders groß ist die Slippage-Gefahr in volatilen Marktzeiten, also nach Nachrichten, zur Markteröffnung oder zum Marktschluss.
 
Wieder ein Rechenbeispiel: Angenommen, bei unserem oben skizzierten Trader ergibt sich bei jedem zweiten Trade eine Slippage von nur einem Punkt.
 
Tagesbilanz: 1 Trade x 1 Punkt x 5 Kontrakte = 5 Punkte Slippage.
Wochenbilanz: 5 Punkte täglich x 5 Tage = 25 Punkte Slippage.
Jahresbilanz: 25 Punkte wöchentlich x 50 Wochen = 1.250 Punkte Slippage.
 
Das entspricht weiteren 25% des Kontoguthabens unseres Muster-Traders. Jetzt muss er also schon 75% Performance erwirtschaften, um am Jahresende sein Kapital zu erhalten.
 
Noch dramatischer wird das Phänomen Slippage beim Handel von Einzelaktien bzw. CFDs auf Einzelaktien.
 
Wer beispielsweise 100 Deutsche-Bank-Aktien-CFDs zum Preis von 50 Euro bei CMC-Markets für 0,08% Kommission kauft und verkauft, zahlt folgende Gebühren: 
 
 100 x DBK @ 50,00 Euro = 5.000 Euro  x 0,16% = 8,00 Euro(2 x 4,00 Euro)
 
Wird er nur in eine Richtung mit einer Slippage von 10 Cent schlechter ausgeführt, sieht die Rechnung hierfür so aus: 
 
 100 x DBK x 0,10 Euro = 10,00 Euro.
 
Die Slippage übersteigt also die Transaktionskosten in diesem Beispiel um das Zweieinhalbfache. Der amerikanische Trader Dr. Alexander Elder nennt in seinen Seminaren noch dramatischere Zahlen: Nach seiner Erfahrung liegt die Slippage häufig bis zum Achtfachen über der Gebührenbelastung.
 
Erfahrene Trader umgehen die Slippage, indem sie mit Limit-Orders arbeiten, wo immer das möglich ist. Außerdem lässt sie sich weitestgehend vermeiden, wenn man in hochvolatilen Zeiten dem Markt fern bleibt - also in Zeiten von News nicht handelt.
 
Notwendige hohe Kapitalausstattung
 
Angehende Daytrader wählen diesen Handelsstil häufig aus purer Not: Für das Halten von Übernacht-Positionen fehlt ihnen schlicht das Kapital. Daytrading erscheint als verlockende Alternative: Man möchte sich ?nur? zehn Punkte ?abholen?, das Ganze mit 10 Kontrakten - und schon hat man täglich 100 Euro verdient. Die Folge ist, dass diese unterkapitalisierten Trader beim ersten Trade vom Markt gefegt werden, wenn es einmal 100 Punkte in die ?falsche Richtung? läuft.
 
Statt sich mit wenigen Kontrakten auf große - und damit relativ unwahrscheinliche Bewegungen - zu fokussieren, gehen professionelle Daytrader häufig einen anderen Weg: Sie nehmen kleine Bewegungen mit, diese aber mit relativ großen Positionen. Es ist eben wahrscheinlicher, dass ein Index sich um drei Punkte bewegt, als dass er sich um 30 Punkte bewegt. Das Handelsergebnis bei einem Drei-Punkte-Trade kann bei der zehnfachen Kontraktzahl das gleiche sein wie bei einem 30-Punkte-Gewinner. Allerdings erfordert das dann eine zehnmal höhere Kapitalausstattung.
 
Wer also im 10-Minuten-Chart im German30 auf eine 8-Punkte-Bewegung spekuliert, hat (bei den oben skizzierten Parametern der ATR) eine 68%ige Chance, diese acht Punkte zu erzielen - vorausgesetzt, er handelt in Trendrichtung die Bewegung (dazu weiter unten mehr). Will er mit einem 6-Punkte-Stop arbeiten und mit 10 Kontrakten handeln, hat er ein Risiko von 60 Punkten. 
 
Wenn er pro Trade 1 Prozent seines Kontoguthabens riskiert, so ergibt sich: Diese 60 Euro entsprechen einem Prozent. Das Konto müsste also mindestens 6.000 Euro groß sein, um sich einen solchen Trade leisten zu können.
 
Weil viele Trader diese Logik ignorieren, ist die Mortalität unter angehenden Daytradern besonders hoch. Sie ?tun so als ob? sie 10.000 Euro auf dem Konto hätten, haben aber in Wirklichkeit nur ein Bruchteil davon zur Verfügung. Folglich traden Sie immer am Rande des Abgrunds.
 
Die Logik dahinter ist einfach: Wenn zwei Personen ein Münzwurf-Spiel durchführen und jeder von ihnen hat eine Ein-Euro-Münze zur Verfügung, dann ist das Spiel nach der ersten Runde zu Ende. Einer der beiden Spieler wird dem anderen den einen Euro abnehmen. Spielen sie jedoch mit 100 Ein-Cent-Stücken, so wird das Spiel wahrscheinlich ewig dauern, denn die Wahrscheinlichkeit, dass einer dem anderen die gesamten 100 Münzen abnimmt, geht gegen Null.
 
Der Ausweg kann also wiederum nur zweierlei sein: Das Konto höher zu kapitalisieren (im Einklang mit dem zu handelnden Markt) und so kleine Positionen zu fahren, dass ein Super-GAU im Konto keine irreversiblen Schäden hinterlässt.
 
Marktauswahl: Welcher Markt passt zu mir?     
 
Viele Trader gehen hier den scheinbar einfachsten Weg: Weil es so einfach erscheint, wird blind der German30, der CFD auf den deutschen Leitindex, gehandelt. Argumentiert wird häufig so, dass es bei einer Einzelaktie viel zu viele Risiken gibt: Informationen, die nicht bekannt sind und zu abrupten Kursbewegungen führen können. Bei einem Index handelt es sich um einen Aktienkorb und demzufolge ist das Risiko geringer, weil die Einzelaktie hier nur ein relativ geringes Gewicht hat.
 
Diese Überlegung ist zweifelsohne richtig. Jedoch muss man sich dann auch mit dem entsprechenden Index auseinandersetzen. Der German30 beispielsweise bewegt sich eben intraday durchschnittlich um 76 Punkte (zugrunde gelegt die obige ATR). Gerade in volatilen Marktzeiten kann es also eine Belastungsprobe für das Nervenkostüm sein, wenn man kurz vor wichtigen Nachrichten 50 Punkte vorn lag, kurz nach den Nachrichten dann 50 Punkte im Verlust steht, ausgestoppt wird und zehn Minuten später mit ansieht, wie der Markt in die ?richtige? Richtung läuft. Dieses Phänomen ?kauft? der German30-Trader mit.
 
Hinzu kommt der häufig hohe Punktestand großer Indizes: Der Dow Jones bei über 10.000 oder der Dax bei über 6.000 sind eben recht teuer - auch wenn man nur einen CFD kaufen würde wären das Positionen von 10.000 Dollar oder 6.000 Euro. Wenn sich ein solcher Index um nur einen Prozent bewegt, macht das eben 60 oder 100 Punkte aus - und solche Bewegungen gibt es häufig, selbst intraday. Die Folge ist, dass man - siehe oben - ein gut ausgestattetes Konto plus ?Nerven aus Stahl? benötigt, um in solchen Situationen nicht emotional zu werden.
 
Ein dritter Faktor: Zwischen den Marktsegmenten gibt es Unterschiede, was die Marktteilnehmer angeht. Große Indizes wie der amerikanische S&P oder der deutsche DAX® gehören auf den Terminmärkten zu den meist gehandelten Märkten. Dort tummeln sich aber auch die größten Profis mit den am besten ausgestatteten Konten. Wer in diesen Ring steigt, blickt also sofort dem ?Weltmeister aller Klassen? in die Augen und muss sich nicht wundern, dass er nach wenigen Sekunden auf die Bretter geschickt wird. Der Forex-Markt lockt mit extrem niedrigen Margin-Sätzen, jedoch sind auch hier viele hochkapitalisierte professionelle Händler unterwegs. Der Rohstoffmarkt wiederum zieht auch Lieferanten, Produzenten und Abnehmer der zu handelnden Rohstoffe an. Diese haben also ganz andere Motive und Verhaltensweisen als der klassische Daytrader.  
 
Es sollte sich jeder Trader also zur Marktauswahl Gedanken darüber machen, welcher Markt zu seinem Kontostand, seinen Trading-Fertigkeiten und seinem Nervenkostüm passt.
 
Im nächsten Teil diese Serie beschäftigen wir uns mit: 
 
- Belastung durch Spreads, Spesen und Slippage im Daytrading
- Die notwendige Kapitalausstattung
- Welcher Markt passt zu mir.
 
Dies war der 2. Teil der erscheinenden Serie zum Thema "Daytrading". 


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