In der Eurozone ist die Stimmung besser als die Lage. Die vorliegenden Umfrageindikatoren deuten weiterhinauf eine anhaltende Stabilisierung der Konjunktur hin. Einen deutlichen Beitrag zu einer Stabilisierung der Wirtschaftsleistung erhoffen sich die Zentralbanker der EZB zudem vom Lagerzyklus. In der ersten Jahreshälfte 2009 wurden Lagerbestände deutlich reduziert und allein das Aufstocken würde einen positiven Beitrag zum BIP leisten. Doch womöglich haben die Zentralbanker in ihrer Rechnung die Effekte der Abwrackprämie nicht ausreichend berücksichtigt. Autobauer fahren Produktion zurückDie Abwrackprämie in elf der sechzehn Eurostaaten hat die Neuzulassungen im Euroland Anfang August wieder auf das Niveau von Anfang 2008 anziehen lassen. Doch während der Absatz deutlich anzieht, fahren die Autohersteller zum Ende des ersten Halbjahres die Produktion um 31,1% zurück. Bei den Produzenten ist man sich offensichtlich im Klaren darüber, dass die Abwrackprämie die mittelfristige Nachfrage nach Neuwagen in dem Maße drückt, wie sie das durchschnittliche Alter des Fahrzeugbestands verringert hat. Die Autobauer werden daher weder mit einem Produktionswachstum noch mit einer Aufstockung der Lager einen positiven Beitrag leisten können. SchubumkehrDer Effekt der Abwrackprämie wird sich, nach dem positiven Impuls 2009, spätestens im nächsten Jahr ins Negative kehren. Für die Anschaffung der PKW haben die privaten Haushalte entweder ihre Ersparnisse reduziert oder Kredite aufgenommen. Die Belastung der Konsumenten erschöpft sich jedoch nicht in den einmaligen Kosten. Ihr Einkommen werden die neuen Autobesitzer in jedem Fall für Steuer, Versicherung und Unterhalt aufwenden müssen. Außerdem wird der private Konsum durch die Rückzahlung der Verschuldung oder durch das Sparen für neue Rücklagen gedrückt werden. Die vorgezogene Anschaffung von Neuwagen hat bereits die Nachfrage nach anderen Konsumgütern deutlich gedrückt. Per Saldo haben die Verbraucher das Geld, das sie für die PKW ausgegeben haben, an anderer Stelle eingespart und beispielsweise dem Einzelhandel einen Umsatzrückgang von 2,6% beschert. Der Rückgang bei den Konsumausgaben dürfte sich bei zunehmender Arbeitslosigkeit weiter fortsetzen. Die Arbeitslosenquote für den Euroraum dürfte noch vor dem Jahresende zweistellig werden. Allein die Zahl an Arbeitnehmern, die durch die Kurzarbeiterregelung in Deutschland in Lohn und Brot gehalten werden, reicht aus, um die Quote beim Auslaufen der Subvention über 10% steigen zu lassen.Der Kater nach der PartyDas Ende der Abwrackparty in der Eurozone wird den Verbrauchern und Unternehmen noch teuer zu stehen kommen. Die vorgezogenen Anschaffungen werden die Bürger mit geringerem Konsum und schwächerem Wachstum bezahlen. Durch den kurzfristigen Stimulus haben die Staaten eine harte Landung der Konjunktur in der ersten Jahreshälfte 2009 gegen einen verlängerten Crash eingetauscht. Die Party mit der Abwrackprämie ist zu Ende. Der Kater kommt erst noch.Michael de ManFXdirekt Bank AG