
1.1. Allgemeine Informationen
Gehören zu der Gruppe der geschlossenen Fonds. Bei Schiffsfonds oder auch Schiffsbeteiligungen handelt es sich um geschlossene Fonds, bei denen das eingesammelte Kapital in den Bau oder den Erwerb von Seeschiffen investiert wird.
1.2. Merkmale eines Schiffsfonds
> Der Anleger beteiligt sich als Kommanditist an einer Gesellschaft (er erwirbt einen Anteil am Gesellschaftskapital).
> Es ist eine langfristige Investition mit in der Regel 10 bis 25 Jahren Laufzeit.
> Das konkrete Investitionsobjekt steht fest; in der Regel ist es kein "Blind Pool".
> Unternehmerische Investition mit Chancen und Risiken.
> Da die Anleger Eigenkapital der Gesellschaft zur Verfügung stellen, gibt es keinen Anspruch auf eine feste Verzinsung oder auf einen festen Rückzahlungstermin. Vielmehr werden sie an den wirtschaftlichen Ergebnissen der Fondsgesellschaft beteiligt.
> Die Risiken können zu einem Totalverlust der Beteiligung führen.
> Es existiert ein vorformuliertes Vertragswerk, mindestens ein Gesellschafts- und Treuhandvertrag, auf das der einzelne Anleger keinen Einfluss hat.
> Es existiert ein Verkaufsprospekt, in dem die wesentlichen Angaben zum Investment und die rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen beschrieben sind.
> Für die Chance eines Verkaufs der Beteiligung besteht keine Gewähr; Zweitmärkte sind derzeit noch im Aufbau.
> Es bestehen keine staatlichen Kontrollen. Anbieter von Schiffsfonds benötigen keine staatliche Erlaubnis und müssen keinen Befähigungs- oder Zuverlässigkeitsnachweis erbringen. Es gibt keine Vorschriften, in welche Schiffe investiert werden darf oder wie ein Fonds konzipiert werden muss.
1.3. Wie ist ein Schiffsfonds konzipiert
Schiffsfonds werden fast ausschließlich als Euro- oder US-Dollar-Fonds aufgelegt. Gängige Fondskonzeptionen sind:
> Einzelschiff mit mittel- oder langfristigem Chartervertrag;
> Einzelschiff, welches auf Reisebasis beschäftigt wird;
> Flotte gleicher Schiffe;
> Flotte verschiedenartiger Schiffe;
> Dachfonds.
Bei dem Anlageobjekt kann es sich um ein gebrauchtes Schiff handeln oder um einen Neubau. Die gängigen Schiffsarten sind Containerschiffe, Tanker und Massengutfrachter (Bulker) aller Größenklassen. Aber auch Spezialschiffe werden im Markt angeboten. Die Fondsgesellschaft überlässt das bemannte und betriebsbereite Schiff einem Unternehmen und erhält hierfür die vereinbarten Chartereinnahmen (üblich in US-Dollar). Aus diesen Einnahmen werden nach Abzug der Schiffsbetriebs- und Managementkosten, Zinsen und Tilgungen für aufgenommene Darlehen und den Verwaltungskosten die Auszahlungen für die Kommanditisten bestritten. Über- oder Unterdeckungen hieraus verändern die vorhandenen Liquiditätsreserven. Die langfristige Prognoserechnung im Prospekt zeigt die kalkulierten Ein- und Ausgaben sowie die geplanten Auszahlungen an die Kommanditisten. Wie viel das Schiff gekostet hat und welche Kosten für die Vermittlung des Eigenkapitals und die Gebühren des Anbieters anfallen, ist der Mittelverwendungsrechnung zu entnehmen. Die Mittelherkunftstabelle gibt Aufschluss über die Finanzierung der Gesamtkosten und das Verhältnis von Eigen- zu Fremdkapital. Die Kapitalrückflussrechnung zeigt die vom Anbieter prognostizierten Auszahlungen, die Steuerbelastung und die Nettorückflüsse an die Anleger. Zu beachten ist, dass die Auszahlungen an die Kommanditisten Liquiditätsüberschüsse der Gesellschaft darstellen.
1.4. Für welchen Anleger sind Schifffonds geeignet
Richtig konzipierte Schiffsfonds, die an die richtige Anlegergruppe verkauft werden, können ein sehr sinnvolles Investment darstellen. Gleichzeitig besteht aber das Risiko, das investierte Kapital vollständig zu verlieren. Da es keine staatlichen Vorschriften oder Überwachung der Anbieter gibt, ist Vorsicht geboten. Ein solides Grundverständnis über die Investition, die Qualitäten des Anbieters und die Chancen und Risiken, die mit dem Investment verbunden sind, ist unabdingbar.
> Schiffsfonds sind nicht für Anleger geeignet, die eine sichere Kapitalanlage suchen, die einen Verlust ihrer Einlage nicht verkraften können oder die auf regelmäßige Ausschüttungen wirtschaftlich angewiesen sind.
> Nur langfristig nicht benötigte Gelder sollten in Schiffsfonds investiert werden, aufgrund der langfristigen Mittelbindung und der nicht gesicherten Verkaufsmöglichkeit im Zweitmarkt.
> Schiffsfonds sollten nur als Beimischung zum vorhandenen Portfolio dienen, z. B. zur Risikostreuung. Allgemein gilt, dass nicht mehr als 20% des liquiden Kapitals in geschlossene Fonds investiert werden sollten, und dass man dieses Kapital über verschiedene Fonds und Fondsarten streuen sollte.
> Anleger sollten sich im eigenen Interesse informieren und eine eigenständige Meinung zum angebotenen Schiff, dem Anbieter, der Fondskonzeption und den Zukunftsaussichten des betreffenden Marktes bilden. Man sollte sich der Risiken der Investition bewußsst sein.
> Bedingt durch die sehr geringe Steuerbelastung der Ausschüttungen auf Grund der Tonnagesteuer sind Schiffsfonds besonders für unternehmerisch denkende Anleger interessant, die bereits über Vermögen verfügen und Freibeträge bei Einkünften aus Kapitalvermögen ausgeschöpft haben.
> Kritisch zu sehen ist eine (teilweise) Kreditfinanzierung des Beteiligungskaufes. Sollten aus der Beteiligung selbst keine Ausschüttungen erfolgen, müssen Zins- und Tilgungszahlungen komplett aus anderen Mitteln des Anlegers erfolgen. Da das Schiff bereits anteilig mit Fremdkapital finanziert wurde, erhöht eine (teilweise) Beteiligungsfinanzierung den Leverageeffekt erheblich. Zudem sind die Kreditzinsen der Beteiligungsfinanzierung bei Anwendung der Tonnagesteuer nicht als Sonderbetriebsausgaben steuerlich abziehbar.
1.5. Risiken von Schiffsfonds
Die Risiken einer Schiffsbeteiligung liegen darin, dass die Einnahmen zu gering sind oder ein kalkulierter Steuervorteil sich nicht realisieren lässt. Die potentiellen Risiken im einzelnen:
> Mangelnde Auslastung des Schiffes oder der Schiffsflotte.
> Währungsrisiko - wenn sich die Basiswährung der abgeschlossenen Charterverträge zu Ihren Ungunsten entwickelt.
> Steuerliche Risiken, Gesetzesänderungen
> Das Schiff lässt sich am Ende der Laufzeit schlechter verkaufen als geplant.
> Unglücksfälle mit dem Schiff . Bleibt das Schiff lange im Dock kann es keine Einnahmen erwirtschaften.
> Ein Zwischenverkauf Ihrer Beteiligung kann sich als sehr schwierig erweisen.















