
1.1. Allgemeine Informationen
Unter dem Begriff Markttechnik, einem Ansatz der Technischen-Analyse versteht die Börse auf Formeln basierende Systeme - Indikatoren genannt - die Auskunft über den momentanen Zustand eines Index, einer Devise, Aktie oder des Rentenmarktes geben. Ändert sich dieser Zustand eines Marktes deutlich, erzeugen die markttechnischen Indikatoren entweder ein Kauf- oder Verkaufssignal, welches dem Anleger zeigt, daß ein Wert kaufenswert ist oder man ihn jetzt besser verkaufen sollte. Die Erwartung nach einem Kaufsignal ist ein weiterer Kursanstieg, im Gegenzug nach einem Verkaufssignal ein Kursrückgang.Die Indikatoren werden je nach ihrer speziellen Aufgabe in Gruppen unterteilt.
1.2. Trendfolgeindikatoren
Die für den Anleger sicherlich wichtigste Gruppe sind die Trendfolgeindikatoren. Sie messen, ob der Auf- oder Abwärtstrend eines Wertes noch intakt ist. Der am häufigsten verwendete Trendfolgeindikator ist dabei der sogenannte MACD. Dieser Indikator setzt sich aus verschiedenen, komplex berechneten Durchschnittswerten des beobachteten Kurses zusammen. Daraus entsteht der Indikator selbst und eine Signallinie. Überkreuzt der Indikator diese Signallinie nach oben, liegt ein Kaufsignal vor. Damit wird angezeigt, daß ein vorher bestehender Abwärtstrend beendet ist und nun ein Kursanstieg folgen wird. Fällt der Indikator unter diese Signallinie, wird ein Verkaufssignal erzeugt, das heißt: der Aufwärtstrend ist zu Ende, ein Abwärtstrend kann beginnen.
Der von G. Appel entwickelte MACD gehört zu den weltweit am meisten genutzten technischen Indikatoren. Die Berechnung dieses Indikators ist mindestens ebenso kompliziert wie dessen voll ausgesprochener Name: Moving Average Convergence/Divergence-Indikator. Der Gedanke, auf dem dieser Trendfolger basiert, ist jedoch recht leicht zu erfassen. Vor und Nachteile von MACD:
Der MACD kann durch die Überkreuzung des Trigger Kauf- und Verkaufssignale generieren. Die "glättende" Eigenschaft des MACD wegen der Anwendung von gleitenden Durchschnitten verhindert dabei zwar einige Fehlsignale. Aber dafür erscheinen die Kauf- oder Verkaufssignale immer erst dann, wenn bereits eine größere Kursbewegung im DAX erfolgt ist. Daher sollte man sich für das präzise Timing einer Disposition besser auf andere Indikatoren stützen. Der MACD signalisiert durch den Abstand von MACD- und Trigger-Linie die Dynamik eines Trends. Je weiter der MACD von seinem GD, dem Trigger, entfernt ist, desto intensiver ist die momentane Trendbewegung.
Und: Solange der MACD über dem Trigger notiert, gilt ein Aufwärtstrend als intakt (und umgekehrt ein Abwärtstrend, solange der MACD unterhalb des Trigger liegt). Wenngleich sich Trendwenden relativ spät im MACD niederschlagen, ist der Vorteil dieser Langsamkeit die nachfolgende Bestätigung für den Investor, dass es sich bei der jüngsten Kursbewegung tatsächlich um eine Trendwende gehandelt hat, eine Disposition in die entsprechende Richtung also richtig war und weiter haltenswert bleibt, solange der MACD nichts Gegenteiliges aussagt.
Ein Problem des MACD lässt sich im letzten Beispiel recht deutlich ausmachen: Aufgrund der Tatsache, dass für die Berechnung des MACD vorgegebene GD-Längen verwendet werden, bleibt bisweilen immer noch ein deutlicher Interpretationsbedarf vorhanden. Denn auch wenn sich kleinere "Ausreißer" der Notierungen nicht unmittelbar in irreführende Kauf- oder Verkaufssignale niederschlagen, ab einem gewissen Ausmaß in Dauer oder Kursveränderung muss sich auch der MACD beugen und liefert - und dann auch noch zu spät - das Signal einer Trendwende.
1.3. Oszillatoren
Die Indikatoren aus der Gruppe der Oszillatoren zeigen an, ob ein Markt zu weit nach oben oder unten gelaufen ist und daher eine Gegenbewegung zu erwarten wäre. Die meisten dieser Oszillatoren bewegen sich dabei in einer Werteskala, die von 0 bis 100 reicht. 0 bedeutet einen viel zu stark gefallenen, 100 einen deutlich zu stark gestiegenen Kurs. Der bekannteste Vertreter dieser Gruppe ist der Stochastik-Oszillator. Er besteht aus einer zumeist durchgezogen dargestellten Indikator- und einer in der Regel gestrichelt gezeichneten Signallinie. Diese beiden bewegen sich innerhalb einer Skala von 0 bis 100, wobei Werte über 80 einen zu stark gestiegenen, das heißt überkauften Markt anzeigen, Stochastik-Werte unter 20 hingegen einen zu stark gefallenen, überverkauften Markt bedeuten. Ein Kaufsignal liegt beim Stochastik-Oszillator dann vor, wenn der Indikator seine Signallinie nach oben überkreuzt und zudem aus der überverkauften Zone unter 20 nach oben steigt. Für ein Verkaufssignal gelten die gegenteiligen Voraussetzungen, das heißt ein Überkreuzen des Indikators und der Signallinie nach unten und der Rückgang unter 80.
1.4. Stimmungsindikatoren
Die Sentimentindikatoren, auch Stimmungsindikatoren genannt, basieren auf der immer wieder bewiesenen Erkenntnis, dass ein Markt zumeist dann kurz vor einer Trendwende steht, wenn die Stimmung einen Extremwert erreicht. Der Grund ist eigentlich völlig logisch: Wer zum Beispiel optimistisch für den Aktienmarkt ist, also steigende Kurse erwartet, hat natürlich bereits Aktien gekauft. Sind nun alle Marktteilnehmer zu Optimisten geworden, bleibt niemand mehr übrig, der noch Aktien kaufen könnte. Die Konsequenz ist, dass die Kurse dann mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder zurückgehen werden. Umgekehrt ist es ein gutes Zeichen, wenn jedermann mit fallenden Kursen rechnet. Hat auch der letzte Anleger wegen dieser negativen Meinung seine Aktienbestände verkauft, sind keine weiteren Verkäufe mehr zu erwarten, die Kurse können also wieder steigen.
Ein viel verwendeter Indikator aus diesem Bereich ist der TRIN. Es misst - vereinfacht ausgedrückt - anhand der Umsätze in Calls und Puts im Bereich des Optionsmarktes die Stimmung der Marktteilnehmer. Liegen zum Beispiel die Umsätze der auf steigende Kurse ausgerichteten Calls sehr hoch, ist das ein Beleg für zu hohen Optimismus - und bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit eines baldigen Kursrückganges hoch ist. Werden umgekehrt sehr viele auf fallende Kurse ausgerichtete Puts gehandelt, ist der Pessimismus der Marktteilnehmer folglich bereits sehr hoch, die Börse kann also bald wieder steigen.
Wichtig ist im Zusammenhang mit Stimmungsindikatoren zu wissen, dass man sie nicht für sich alleine gestellt verwenden sollte, da sie keine eigentlichen Kauf- oder Verkaufssignale erzeugen. Sie können aber eine durch andere Indikatoren suggerierte Situation bestätigen. Wenn zum Beispiel der MACD ein Verkaufssignal erzeugt und damit zeigt, dass ein Aufwärtstrend zu Ende ist und der TRIN gleichzeitig einen sehr hohen Optimismus anzeigt, ist die Wahrscheinlichkeit eines stärkeren Kursrückgangs besonders hoch.
1.5. Tipps zum Lesen von Indikatoren
Man sollte für eine Kauf- oder Verkaufsentscheidung nicht nur einen Indikator alleine heranziehen. Am besten ist es, jeweils einen Indikator aus jeder Gruppe zu benutzen und das daraus entstehende Gesamtbild dann am besten noch mit der charttechnischen Situation zu vergleichen. Denn vergessen Sie bitte nicht: Indikatoren sind keine Zauberei und daher niemals hundertprozentig treffsicher. Aber je mehr Indikatoren die gleiche Aussage haben, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie auf der richtigen Seite stehen werden, wenn Sie den Signalen folgen.
Sie sollten wirklich immer erst dann aktiv werden, wenn die Indikatoren ein Signal generiert haben. Viele Anleger greifen schon vor einem ihrer Meinung nach sicher bevorstehenden Kauf- oder Verkaufssignal zu, um nach Möglichkeit noch mehr Gewinn zu erzielen. Doch oft setzt ein Indikator auf seiner Signallinie wieder auf und dreht in die Gegenrichtung. Sie stünden dann auf der falschen Seite und müssten Ihre Position mit Verlust wieder verkaufen - Geduld und Gelassenheit machen sich also wirklich bezahlt!
Jeder Indikator kann unterschiedliche Zeithorizonte aufweisen, ganz nach Ihren Wünschen. So kann sich der Stochastik-Indikator zum Beispiel auf die Tageskurse genauso wie auf Wochen- oder gar Monatskurse eines Wertes beziehen. Sie sollten für Ihre Zwecke am besten nur den Zeithorizont verwenden, der Ihrem persönlichen Anlagestil entspricht. Sind Sie ein langfristiger Anleger, sind Sie mit einem Stochastik-Indikator auf Wochen- oder Monatsbasis am besten beraten, denn die Vielzahl von Kauf oder Verkaufssignalen einer Tages-Stochastik betreffen nur jeweils kurzfristige Trends!















