
Es gibt natürlich eine Menge Anlagephilosophien um an der Börse erfolgreich zu sein. 5 Ansätze davon erläutern wir im Detail:
1.1. Der Value-Ansatz (Wertzuwachs-Strategie)
„Value-Ansatz“ nennt sich eine Anlagephilosophie, die auf „werthaltige“ Aktien zu setzen versucht. Als werthaltig darf ein Unternehmen gelten, das eine gute Marktstellung, hohe Renditen und eine kontinuierliche Umsatz- und Gewinnentwicklung aufweisen kann. Value-Investoren investieren in Aktien, deren überdurchschnittliche Werthaltigkeit sich anhand fundamentaler Kennzahlen nachweisen lässt. Der Kurs der Aktie wird dabei ins Verhältnis zu Daten wie Gewinn, Cashflow, Buchwert oder Umsatz je Aktie gesetzt. Das Depot eines solchen Investors besteht aus substanzstarken Einzeltiteln.
Die Idee hinter dem „Value-Ansatz“ ist es, unter den „werthaltigen“ Unternehmen in diejenigen zu investieren, die gegenwärtig „unterbewertet“ sind. Und damit ein entsprechendes Steigerungspotenzial erwarten lassen. „Unterbewertet“ heißt, dass die Aktie ein im Branchenvergleich unterdurchschnittliches Kurs-Gewinn-Verhältnis oder Kurs-Buchwert-Verhältnis aufweist. Vom "statischen" Value-Investor wird ein Sicherheitspolster angestrebt, das die Aktie vor heftigen Kursverlusten schützt. Dahinter stand die These, dass eine ohnehin schon unterbewertete und damit preiswerte Aktie in einer allgemeinen Abwärtsbewegung geringere Verluste erleidet als höher bewertete Titel. Im Ideal wächst das Value-Depot also mit relativ verlässlichen, langfristig stetigen Raten.
Der bekannteste Value-Investor ist der US-Anleger Warren Buffet, der allerdings einen erheblichen Schritt weiterging und dabei vor allem der Eigenkapitalrendite eine hohe Bedeutung zumaß:
Warren Buffet verfolgt eben diesen relativ einfachen und stereotypen Ansatz und ist mit seiner Art der Renditebetrachtung inzwischen nicht nur Multi-Milliardär, sondern auch der Investment-Guru schlechthin geworden. Der smarte und intelligente Value-Investor verfolgt also nicht einfach nur eine Betrachtung von statischen Kennzahlen sondern achtet vor allem auf Renditekennziffern und darauf, wie gut ein Unternehmen mit dem Geld der Aktionäre wirtschaftet.
Die wichtigsten Buffet-Kriterien für eine Value-Investition in ein Unternehmen:
> Beständige, monopolähnliche Firmen
> Gute Marktstellung, bekannter Firmenname
> Gute Wachstumsmöglichkeiten
> Aktionärsfreundliches Management
> Hohe Kapitalrendite
> Geringe Verschuldung
> Kontinuierliches Gewinnwachstum
> Hohe Gewinnmargen
> Hoher Free Cash Flow
1.2. Momentum-Ansatz
Hinter der Momentum-Strategie steht die Beobachtung, dass Aufwärtstrends bei Aktien oft aus längeren Seitwärtsbewegungen und kürzeren Aufschwungphasen bestehen. Der Momentum-Investor versucht, die Seitwärtsbewegungen möglichst auszusparen und die Phasen der Kursgewinne mitzunehmen. Dabei profitiert er auch von der Tatsache, dass einmal eingeschlagene Kurstrends mit höherer Wahrscheinlichkeit andauern, als dass sie enden. Dabei dauern die Seitwärtsbewegungen oft relativ lange, während die Beschleunigungsphasen eher kurzfristiger Natur sind. Das Ziel der Strategie besteht darin in den Phasen der Kursgewinne investiert zu sein.
Gekauft werden vor allem Aktien, die vermuten lassen, dass sie kurz vor einem stärkeren Anstieg stehen. Sie werden herausgefiltert nach dem Momentum. Das zeigt an, wann sich der Kurs eines Wertes beschleunigt. Es errechnet sich aus der fortlaufenden Division des aktuellen Kurses mit dem vor x Tagen. Das Ergebnis ist eine Kurve, die Momentumskurve, deren Ausprägung von der gewählten Periodenlänge x abhängt. Charttechniker wählen in der Regel eine Einstellung von 20 Tagen. Die Momentumskurve kann wie ein Chart analysiert werden. Wendepunkte im unteren Bereich der Kurve können als Kauf-, Wendepunkte im oberen Bereich können als Verkaufsignale gewertet werden.
Natürlich ist es damit nicht getan. Denn der erfahrene Investor wird neben der groben Selektion nach rein technischen Faktoren natürlich noch weitere Kriterien bei seiner Anlageentscheidung berücksichtigen. Er wird darauf achten, dass das relevante Unternehmen wirtschaftlich gesund ist, in einem Wachstumsmarkt tätig ist und nicht in einer Branche, in der es kriselt. Auch die Handelbarkeit der Aktie sollte eine Rolle spielen, denn er will ja nicht nur zu einem fairen Kurs kaufen können, sondern auch verkaufen. Stop Loss-Marken sind Teil der Strategie:
Hat der Anleger seine Werte ausgewählt, dann kauft er die Aktien und setzt sich gleichzeitig ein Kurslimit unter seinem Einstandskurs, zum Beispiel das Tagestief des Vortages. Sobald es erreicht ist, liquidiert er seine Position. Gibt der Wert also unerwartet nach, so hat er damit seinen Verlust begrenzt. Steigt der Kurs dagegen an, so wird das Limit mit steigenden Kursen sukzessive mit nach oben angepasst. Er hält die Aktie so lange und „lässt die Gewinne laufen“, bis der Stoppkurs doch einmal erreicht wird oder sich ein Ende der Beschleunigungsphase abzeichnet.
Selbst in schwachen Marktphasen lassen sich Werte mit relativer Stärke finden. So kann die Strategie weitgehend kontinuierlich angewandt werden. Selbst wissenschaftliche Untersuchungen haben wiederholt ergeben, dass die Strategie überdurchschnittliche Renditen erzielen kann.
1.3. Der Growth-Ansatz (Small-Cap-Strategie)
Beim wachstumsorientierten Ansatz liegt das Augenmerk auf Aktien, denen überdurchschnittliches Umsatz- und Gewinnwachstum zugetraut wird. Dabei spielen Branchenzugehörigkeit und Produktportfolio des jeweiligen Unternehmens eine Rolle, aber auch die Frage ob das Management in der Vergangenheit stetig überdurchschnittlich steigende Gewinne erwirtschaftet hat. Der Growth-Ansatz hat die wachstumsorientierte Zukunft des Unternehmens im Blick. Unternehmen, die einer Growth-Ausrichtung zugeordnet werden, haben sich in Wachstumsbranchen etabliert. Der Growth-Investor setzt darauf, zukünftige Wachstumsmärkte frühzeitig zu erkennen.
Als Wachstumstitel geltende Aktien sind in der Regel nach fundamentalen Kriterien wie KGV oder Kurs-Buch-Wert-Verhältnis viel zu teuer. Ein reiner Value-Investor nach der alten Schule von Benjamin Graham würde so einen Wachstumstitel niemals anfassen. Denn entsprechend höher fällt wie gesagt auch der Kursabschlag aus, wenn das Unternehmen die Erwartungen der Investoren enttäuschen sollte. Wie viele ehemaligen Jünger des Neuen Marktes schmerzhaft erfahren mussten.
Nach einer bei Growth-lnvestoren verbreiteten Faustregel ist es akzeptabel, wenn das Kurs-Gewinn-Verhältnis einer Aktie (KGV) ebenso hoch ist, wie das prozentuale jährliche Gewinnwachstum des Unternehmens. Wenn das Unternehmen nun zum Beispiel die Erwartungen enttäuscht und den Gewinn nicht um 30, sondern nur um 15 Prozent steigert, ist dementsprechend eine Halbierung des Aktienkurses gerechtfertigt.
Zu den etablierten Kennzahlen des Growth-Ansatzes zählen beispielsweise die Anlagestile Umsatzwachstum, Umsatz-Gewinn-Verhälntis, durchschnittliches Gewinnwachstum der letzten Jahre, durchschnittliche Gewinnschätzungen der nächsten drei bis fünf Jahre sowie Price-Earnings to Growth Ratio (PEG).
Integraler Bestandteil einer erfolgreichen Growth-Strategie ist es aber auch, die Aktie systematisch zu verkaufen, sobald sich der positive Nachrichtenstrom ins Negative verkehrt. Wie unschwer an den Aktienkursen zu erkennen, haben viele ehemaligen „Wachstumstitel“ ihren kritischen Punkt längst überschritten.
1.4. Die Dividendenstrategie
Die Dividendenstrategie ist eine einfache, aber erfolgreiche Value-Strategie, die sich nicht nur für konservative und langfristig orientierte Investoren eignet.Die Gründe für die überdurchschnittlichen Ergebnisse der Dividendenstrategie liegen auf der Hand: Der Wertzuwachs wird zu einem erheblichen Teil von dem üppigen Dividendenfluss, der reinvestiert wird, gespeist. In einer Phase, in der sich, wie allgemein erwartet, die Börse seitwärts bewegt, erhöht sich der Beitrag der Dividenden zum Gesamtergebnis der Aktienanlage. Zudem erfolgt die Anlage in bekannte Qualitätstitel, was eine gute Absicherung nach unten verspricht.In Phasen eines ausgesprochenen Börsenaufschwungs werden ihre Ergebnisse aber im Vergleich zu dynamischeren Ansätzen zurückbleiben.
1.5. Die Contrarian-Strategie
Während Momentum-Anleger gleichlaufend mit dem Markttrend agieren, versuchen die Anhänger der Contrarian-Strategie genau das Gegenteil. Ihr Ideal ist es, antizyklisch zu handeln. Das heißt zu kaufen, wenn die Mehrzahl der Marktteilnehmer pessimistisch ist. Und wieder zu verkaufen, sobald die Euphorie ihren Höhepunkt erreicht hat. Dahinter steht die Idee, dass die Kurswende nahe ist, wenn alle dasselbe tun. Kaufen alle zu steigenden Kursen, werden dem Markt irgendwann die Käufer ausgehen. Verkaufen alle zu fallenden Kursen, gibt es irgendwann keine Abgabebereitschaft mehr.
So weit die Theorie. In der Realität ist die Contrarian-Strategie aber kaum durchzuhalten. Auch die auf der Börsenpsychologie fußende Sentimentanalyse liefert keine wirklich verlässlichen Anzeichen für eine Kurswende. Und permanent gegen den Strom zu schwimmen, fordert dem so genannten Contrarian eine fast übermenschliche Psyche ab. Außerdem kann ein solcher Anleger nur schwer mit langfristig steigenden oder fallenden Aktien umgehen.















