
1.1. Allgemeine Informationen
Optionsscheine können sich auf verschiedene Werte beziehen. Die häufigsten Varianten sind die Aktienoptionsscheine, die sich auf einen bestimmten Aktienwert beziehen, Indexoptionsscheine, die sich auf einen nationalen Index beziehen, Optionsscheine auf Rohstoffe, Währungen und Optionsscheine auf Zinsinstrumente. Abgesehen von den verschiedenen Basiswerten unterscheiden sich Optionsscheine auf Grund ihres Auszahlungsprofiles. Die häufigst gehandelten Optionsscheine sind Plain Vanilla Optionsscheine, also ganz normal Call und Put Warrants europäischen oder amerikanischen Typs. Es gibt aber auch eine Vielzahl von exotischen Optionsscheinen, die völlig andere Auszahlungsprofile aufweisen, wie Corridor Optionsscheine, Knock-in oder Knock-out Optionsscheine, Capped Warrants, Chooser Optionsscheine.
1.2. Corridor Optionsscheine
Sie eröffnen dem Anleger die Möglichkeit, von seitwärts gerichteten Kursen zu profitieren. Hier wird eine feste Spanne vorgegeben (Kursunter- als auch eine Kursobergrenze), in der sich der Basiswert bewegen sollte. An den Tagen, an denen sich der Optionsschein in diesem Korridor befindet, wird dem Inhaber ein fester Betrag gutgeschrieben. Sämtliche Korridor-Warrants lassen sich generell in zwei Sparten aufteilen. Während die sogenannten ansammelnden Range-Warrants ihren Wert über die Laufzeit hinweg erst noch aufbauen müssen, also quasi ansammeln, steht bei den zur zweiten Gruppe gehörenden Range-Warrants mit fester Rückzahlung die Höhe des potentiellen Rückzahlungsbetrages bereits im Vornherein fest.
1.3. Barrier Optionsscheine
Barrier Optionen sind eine Sonderform von Optionen und zählen zu den exotischen Optionen. Barrier Optionen werden erst durch das Eintreten bestimmter Ereignisse aktiviert oder deaktiviert. Es gibt 2 große Arten:
1.4. Knock-Out-Option
Bei Knock-Out-Optionen handelt es sich um gewöhnliche (Call- oder Put-) Optionen, die jedoch verfallen, wenn eine gewisse, vorgelegte Barriere erreicht wird. Beispiel: Ein Barrier-Call mit Startwert S0 = 100, Strike K = 90, einer Laufzeit von T = 2 Jahren und Knock-out-Level B = 120 besitzt folgendes Auszahlungsprofil:
> Steigt der Kurs St irgendwann im Laufe der Zeit über die Marke von 120, so wird, unabhängig vom Schlusswert, nichts ausgezahlt.
> Liegt der Schlusswert S2 unter dem Strike von 90, so verfällt die Option ebenfalls (unabhängig davon, ob zwischendurch die Barriere erreicht wurde).
> Nur wenn der Schlusskurs überhalb des Strikes liegt (etwa S2 = 112), die Marke von 120 jedoch nie erreicht wurde, wird die Differenz von Schlusskurs und Strike ausgezahlt (hier beispielsweise 112 - 90 = 22).
1.5. Knock-In-Option
Bei der Knock-In-Option verhält es sich umgekehrt: sie wird nur dann gültig, wenn die Barriere im Laufe der Zeit mindestens einmal erreicht wird, sonst verfällt sie. Beispiel: Ein Barrier-Call mit S0 = 100, Strike K = 110 und Knock-In-Level B = 130 bewirkt die folgende Auszahlungsstruktur:
> Falls der Kurs während der gesamten Laufzeit nie die Marke von 130 erreicht, wird nichts ausgezahlt, selbst dann nicht, wenn der Schlusskurs über dem Strike liegt.
> Ebenfalls nichts ausgezahlt wird, wenn der Schlusskurs unter 110 liegt, unabhängig davon, ob die Marke von 130 jemals erreicht wurde.
> Überschreitet der Kurs im Laufe der Zeit die Marke von 130 und liegt am Schlusstag immerhin noch über 110 (etwa bei 124), so wird die Differenz von Schlusskurs und Strike ausgezahlt (hier: 124-110=14).
1.6. Capped Warrants
Gehört zu den exotischen Optionsscheinen und ist vom Typ her ein europäischer Optionsschein. Hier hat der Inhaber das Recht auf Barauszahlung des inneren Wertes am Ende der Laufzeit. Allerdings sind die Gewinnmöglichkeiten begrenzt. In den Optionsscheinbedingungen ist eine Obergrenze der Auszahlung festgesetzt (Cap). Maximal kann der Anleger die Differenz zwischen Basispreis und Cap erhalten, also nur bis zum Cap von steigenden oder fallenden Kursen profitieren.
1.7. Bermuda Optionsscheine
Eine Bermuda-Option ist im Wertpapierhandel eine Option mit mehreren Ausübezeitpunkten. Wird zu einem Ausübezeitpunkt nicht ausgeübt, d.h. nicht der Basiswert gewählt, so verbleibt ein Ausüberecht für die folgenden Ausübezeitpunkte. Wird zu einem Ausübezeitpunkt der Basiswert gewählt, so verfallen die folgenden Ausüberechte. Die Bermuda-Option kann somit als eine Option auf eine Option interpretiert werden.
1.8. Chooser Optionsscheine
Chooser Optionsscheine sind für Anleger interessant, die starke Kursschwankungen des Basistitel erwarten, sich zum Erwerbszeitpunkt aber noch nicht darüber im Klaren sind, in welche Richtung sich der Basistitel entwickeln wird. Der Optionsinhaber hat zu einem definierten Zeitpunkt vor der Fälligkeit die Wahl, sich zu entscheiden, ob er seinen Chooser in eine Put-Option oder eine Call-Option umwandeln will. Im Vergleich zu Straddle sind Choosers kostengünstiger zu erwerben, wobei der Abschlag umso höher ist, je früher der Zeitpunkt ist, zu dem sich der Optionsinhaber in eine Wandlung in einen Put oder Call entscheiden muss. Sie sind allerdings teurer als der entsprechende Call beziehungsweise Put. Der Preis eines Choosers steigt mit der Volatilität des Basiswertes, der Preis des Basiswertes spielt dagegen eine untergeordnete Rolle. Damit kann man auf eine steigende Volatilität setzen, ohne zu stark von der eigentlichen Bewegung des Basiswertes abhängig zu sein.
1.9. Cool Optionsscheine
Cool steht für „chance of optimal leverage". Cool Warrants eröffnen dem Anleger die Chance am Verfalltag nicht nur den inneren Wert des Optionsscheins, sondern zusätzlich den anfänglichen Optionspreis zurückzuerhalten. Zu diesem Zweck sehen die Emissionsbedingungen von cool warrants eine Prämienrückvergütungsschwelle vor. Bleibt der Basiswert während der Laufzeit des Optionsscheins unter der Prämienrückvergütungsschwelle, bekommt der Käufer am Verfalltag den anfänglichen Optionsscheinpreis zurückerstattet. Diese Rückerstattung ist unabhängig davon, ob am Verfalltag ein innerer Wert des Scheins besteht oder nicht. Die Besonderheit des cool warrant besteht somit darin, dass der Anleger neben den spekulativen Möglichkeiten des warrant eine erhebliche Chance auf die Rückerstattung des eingesetzten Geldes hat.
1.10. Target Optionsscheine
Bei dieser Optionsscheinform hängt die Rückzahlung ausschließlich vom Kurs des Underlying am letzten Tag der Laufzeit ab. Die Entwicklung des Underlying, während der Laufzeit des Scheines, ist unerheblich. Den vorgesehenen Auszahlungsbetrag erhält der Anleger nur dann, wenn die jeweiligen Optionsbedingungen am Ende der Laufzeit erfüllt sind. Anderenfalls verfallen die Scheine wertlos. Target-Optionsscheine werden deshalb auch als Alles-oder-Nichts-Optionsscheine bezeichnet.
1.11. Turbo Optionsscheine
Optionsscheine, die den Inhaber zum Bezug von anderen Optionsscheinen berechtigen, werden als Turbo-Optionsscheine bezeichnet. Sie zeichnen sich durch eine vergleichsweise große Hebelwirkung aus.
1.12. Knock Out Optionsscheine
Mit so genannten „Knock-outs“, können Anleger überdurchschnittliche Gewinne erzielen. Im Vergleich zu klassischen Optionsscheinen sind sie sehr transparent und leicht verständlich. Genau deswegen haben diese Papiere in den vergangenen Jahren einen enormen Siegeszug angetreten. Knock-outs sind spezielle Terminkontrakte; sie ähneln börsengehandelten Futures. Gehandelt werden sie unter einer Vielzahl verschiedener Bezeichnungen. Knock-outs werden herausgegeben von Banken, Finanzdienstleistern, Sparkassen und Kreditinstituten. Manche Produkte haben eine begrenzte Laufzeit (in der Regel 15 Monate), andere sind in ihrer Laufzeit unbegrenzt.
> Funktionsweise und Vorteile von Knock Out Optionsscheine
Hebelprodukte haben einen großen Vorteil: Die meisten Kennzahlen, die eine Anlage in Optionsscheine erschweren, gelten für sie nicht. Für fast alle Produkte gilt: Weder Volatilitätsschwankungen noch ein sinkender Zeitwert beeinflussen ihren Preis; er besteht nur aus drei Komponenten:
> dem inneren Wert,
> dem Finanzierungsaufgeld bzw. -abgeld (Agio bzw. Disagio)
> der Knock-out-Schwelle (Basispreis).
Innerer Wert - Der innere Wert eines Long-Papiers ergibt sich aus dem aktuellen Kurs des Basiswerts abzüglich des Basispreises. Bei Short-Papieren ist es umgekehrt: Vom Basispreis wird der aktuelle Kurs des Basiswerts abgezogen. Bei der Wertermittlung ist auf jeden Fall das Bezugsverhältnis zu berücksichtigen.
Finanzierungsaufgeld - (Bull-Scheine) oder Abgeld (Bear-Scheine). Das Aufgeld wird vom Emittenten zum inneren Wert hinzugerechnet. Warum? Bei einem Knock-out verkauft der Emittent den entsprechenden Basiswert, erhält vom Anleger aber nur einen Bruchteil des Preises. Die Differenz (in Höhe des Basispreises) bindet Liquidität beim Emittenten, hierfür verlangt er „Zinsen“. Das Aufgeld erfasst also seine Kosten, um Anlegern den günstigeren Einstieg in Knock-outs zu ermöglichen. Vom Aufgeld abgezogen werden in der Regel Dividenden, da diese dem Emittenten zufließen. Das Aufgeld verringert sich im Lauf der Zeit linear, da die Finanzierungskosten sinken.
Umgekehrt kommt es bei Bear-Scheinen zu einem Abgeld (Disagio). In diesem Fall verzichtet der Anleger auf einen Teil der „Erlöse“ aus dem Verkauf. Im Gegenzug erzielt der Emittent Zinseinnahmen, diese kann er vom inneren Wert abziehen, wodurch der Preis des Bear-Scheines sinkt. Notiert der Basiswert in einer fremden Währung, können weitere Kosten entstehen, um Schwankungen des Wechselkurses zu vermeiden.
Knock-out-Schwelle - Ein drittes, kursbeeinflussendes Merkmal von Hebelprodukten ist die so genannte Knock-out-Schwelle, die der Emittent bei der Ausgabe festlegt. Erreicht der Kurs des Basiswerts diese Schwelle, verfällt das Knock-out-Papier in der Regel wertlos. Einige Anbieter statten Knock-outs mit einer Stopp-Loss-Schwelle aus, die oberhalb des Basispreises liegt. Bei diesen Produkten erhalten Investoren zumindest einen Restwert, wenn der Stopp-Loss erreicht wird. Anleger sollten sich jederzeit bewusst sein, dass sie mit Hebelprodukten ihren gesamten Einsatz verlieren können.
Achtung: Je näher Knock-out und aktueller Kurs des Basiswerts beieinander liegen, umso höher ist der Hebel – und damit das Risiko eines Totalverlusts.















