
1.1. Allgemeine Informationen
Inflation bezeichnet in der Volkswirtschaftslehre einen andauernden, „signifikanten“ Anstieg des Preisniveaus. Es verändert sich also das Austauschverhältnis von Geld zu allen anderen Gütern zu Lasten des Geldes. Daher kann man unter Inflation auch eine Geldentwertung verstehen. Um „alle anderen Güter“ fassbar zu machen, werden Indizes oder Warenkörbe definiert.
1.2. Kassenhaltungs-Inflation
Bezeichnet einen Zustand, in dem die Wirtschaftssubjekte höhere Geldbestände horten, als sie eigentlich wollen. Nach ökonomischer Theorie tritt diese Situation in freien Märkten nicht auf, da die höheren Geldbestände zu Inflation führen müssen. Werden die Preise jedoch (staatlich) administriert und erfolgt die Messung des Preisniveaus anhand der administrierten Preise, so liegt keine Inflation vor. Hilfsweise kann Inflation allerdings auf nicht-administrierten Märkten gemessen werden. Ob Inflation vorliegt, ist also eine Frage der Anerkennung einer Definitions-Autorität. Gegen diese These ist einzuwenden, dass gehortete Geldbestände nicht per se ein Geldangebot darstellen. Nur der Teil der Geldbestände, den die Wirtschaftssubjekte planen in der betrachteten Periode gegen Waren und Dienstleistungen einzutauschen, stellt ein Geldangebot dar.
1.3. Externe Preisschocks
Dieser Terminus wurde im Zuge der so genannten Ölkrise strapaziert. Aber der Anstieg des Preises eines Gutes ist nicht der Anstieg des Preisniveaus. Sofern im Gegenzug andere Güter im Preis sinken, kann das Preisniveau konstant bleiben; dann liegt keine Inflation vor. Fühlt die Notenbank sich jedoch berufen, die Preiserhöhungen zu alimentieren, kann ein Effekt analog der so genannten Kostendruck-Inflation ausgelöst werden.
1.4. Gefühlte Inflation
Mit der Einführung des Euro kam es in einigen Ländern der Europäischen Gemeinschaft zu einem Auseinanderklaffen zwischen den Inflationsraten, wie sie von der Bevölkerung laut Umfragen wahrgenommen wurden, und denjenigen, wie sie die statistischen Ämter, in Deutschland das Statistische Bundesamt, ermittelten. Die „gefühlte Inflation“ lag deutlich höher als die amtliche Inflationsrate. Das lag daran, dass die kleinen Alltagsausgaben wie einige Lebensmittel, Gaststätten oder Friseur einen höheren Preisanstieg hatten, teurere Waren wie Computer, Autos, Fernseher, Mieten usw. jedoch eher gleich teuer blieben. Alle diese Preise werden jedoch bei der Zusammenstellung des sogenannten repräsentativen Warenkorbes anteilig berücksichtigt. In diesem bilden dagegen die alltäglichen Barausgaben nur einen kleinen Teil.
1.5. Messung der Inflation
Am häufigsten wird zur Messung der Inflation der Preisindex der Lebenshaltungskosten herangezogen, die so genannte Inflationsrate. Der Index wird mit Hilfe eines Warenkorbs berechnet, der in einem bestimmten Jahr (Basisjahr) repräsentativ für einen durchschnittlichen Haushalt ist. Neben dieser rein statistischen Methode hat sich in den Wirtschaftswissenschaften der COLI, der cost of living index, etabliert. Dabei werden die Ausgaben gemessen, die Wirtschaftssubjekte zur Erreichung eines bestimmten Nutzenniveaus tätigen müssen.
Auf Grundlage dieses Warenkorbes und des damit festgelegten Basisjahres werden für jedes Jahr die Lebenshaltungskosten und daraus die prozentuale Steigerung zum Vergleichs- oder Vorjahr ermittelt. Für jeden Monat ermittelt in Deutschland das Statistische Bundesamt, in Österreich Statistik Austria die Preissteigerungen, welche auch regelmäßig veröffentlicht werden. Im Schnitt betragen diese Inflationsraten zur Zeit zwischen 0,5 und 2,5%. Probleme bei der Messung dieser Zahlen ergeben sich vor allem daraus, dass mit zunehmendem Abstand zum Basisjahr der Warenkorb immer weniger repräsentativ ist, da das Konsumentenverhalten sich permanent ändert. So finden z. B. Innovationen im Warenkorb nur teilweise Berücksichtigung. Außerdem wird nicht berücksichtigt, dass sich verteuernde Produkte im Konsumverhalten schnell durch ähnliche Güter ersetzt werden.
Der Wert ist auch über alle Einkommensgruppen aggregiert, sagt also nichts darüber aus, inwieweit einzelne Einkommensgruppen betroffen sind.
Außerdem werden wichtige Wirtschaftsbereiche wie die Finanzgüter- und Immobilienmärkte nicht berücksichtigt. So kann man gegenwärtig im Dollarraum und im Euroraum ein deutliches Wachstum der Geldmenge feststellen, was nach der Quantitätsgleichung zu Preissteigerungen führen müsste.
1.6. Ursachen der Inflation
Geht man von dem einfachen „Marktkreuz“ aus, wonach der Preis einer Ware bestimmt wird vom Schnittpunkt der Angebotskurve - das Angebot steigt mit steigendem Preis - und der Nachfragekurve - die Nachfrage sinkt mit steigendem Preis - dann lässt sich die Inflation zunächst einfach auf nachfrage- und angebotsseitige Ursachen zurückführen. Nachfrageseitige Ursachen für steigende Preise lassen sich dann als Ursachen verstehen, welche die Nachfragekurve immer weiter nach rechts verschieben, während angebotsseitige Ursachen die Angebotskurve immer weiter nach links verschieben.
> Nachfrageseitig - Grundsätzlich wird zwischen einer Nachfragesoginflation und einer Angebotsdruckinflation unterschieden. Kommt es zur Nachfragesoginflation, sind die Ursachen, wie aus dem Wort zu entnehmen, auf der Nachfrageseite zu suchen. In diesem Fall steigt die Nachfrage nach Gütern derart schnell, dass die Angebotsseite nicht durch Anheben des mengenmäßigen Angebots reagieren kann und stattdessen die Preise nach den Marktgesetzen anhebt. Betrifft dies alle Güter, ist jedoch ceteris paribus aggregiert ein Preisanstieg nicht möglich. Erfolgt eine monetäre Alimentierung, entsteht Inflation. Kurzfristig kann diese Alimentierung durch eine Erhöhung der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes erfolgen. Längerfristig kann Inflation aber nur bestehen, wenn sie durch eine entsprechende Ausweitung der Geldmenge alimentiert wird. Man unterscheidet zusätzlich zwischen "hausgemachter" und "importierter" Nachfragesoginflation, je nach dem, ob die Nachfrage aus dem In- oder Ausland kommt.
> Angebotsseitig - Auf der anderen Seite steht die Angebotsdruckinflation (auch: Kosteninflation), deren Ursprünge bei den Produktionskosten zu suchen sind. Dies sind primär Steigerungen der Lohn- bzw. Lohnnebenkosten, der Energiepreise oder Zinserhöhungen. Die Kosteninflation tritt allerdings nur dann als Erhöhung des Preisniveaus in Erscheinung, wenn die teurer produzierten Güter auch auf dem Markt zu den geforderten höheren Preisen Käufer finden und es keine Substitution aus anderen Märkten gibt (Verkäufermarkt). Auch diese Inflationsart kann nur bei einer entsprechenden Ausweitung der Geldmenge längerfristig bestehen. "Cost-push-Inflation" besteht, wenn ein Unternehmen z.B. durch höhere Rohstoffpreise ("importierte" Inflation) oder höhere Löhne, Steuern etc. ("hausgemachte" Inflation) höhere Produktionskosten hat. "Profit-push-Inflation" wird hingegen dadurch verursacht, dass ein Unternehmen höheren Gewinn einstreichen will. Weitere Ursachen und Gründe sind Steuererhöhungen und staatlich administrierte Preissteigerungen. Diese können unabhängig von der wirtschaftlichen Situation zu einer höheren Inflationsrate führen. Ein weiterer wichtiger Begriff ist die importierte Inflation; damit ist die Übertragung einer Inflation im Ausland auf das Inland gemeint. Gegen importierte Inflation ist eine Volkswirtschaft bei flexiblen Wechselkursen gut abgesichert, bei festen Wechselkursen kann sich eine Volkswirtschaft hingegen nicht gegen den Import der Inflation absichern.
1.7. Inflationsraten in Österreich seit 1990 (Quelle: Statistik Austria, WIFO)
1990 3,3 Inflationsrate 100,0 Preisentwicklung
1991 3,3 Inflationsrate 103,3 Preisentwicklung
1992 4,1 Inflationsrate 107,5 Preisentwicklung
1993 3,6 Inflationsrate 111,4 Preisentwicklung
1994 3,0 Inflationsrate 114,7 Preisentwicklung
1995 2,2 Inflationsrate 117,3 Preisentwicklung
1996 1,9 Inflationsrate 119,5 Preisentwicklung
1997 1,3 Inflationsrate 121,1 Preisentwicklung
1998 0,9 Inflationsrate 122,1 Preisentwicklung
1999 0,6 Inflationsrate 122,9 Preisentwicklung
2000 2,3 Inflationsrate 125,7 Preisentwicklung
2001 2,7 Inflationsrate 129,1 Preisentwicklung
2002 1,8 Inflationsrate 131,4 Preisentwicklung
2003 1,3 Inflationsrate 133,1 Preisentwicklung
2004 2,1 Inflationsrate 135,9 Preisentwicklung
2005 2,3 Inflationsrate 139,1 Preisentwicklung
2006 1,5 Inflationsrate 141,1 Preisentwicklung
2007 2,2 Inflationsrate 144,2 Preisentwicklung
2008 3,4 Inflationsrate 149,1 Preisentwicklung
1.8. Bekämpfung der Inflation
DieInflation an der Wurzel packen und nicht die Symptome bekämpfen wäre ein erklärter Wunsch, nur ganz so einfach ist es dies nicht, es gibt unzählige Maßnahmen aber deren Wirkung ist auch nicht immer genau abschätzbar. Um nur ein paar Mögliche Maßnahme zu nennen: Energiepreismonitoring, mehr Wettbewerb, Liberalisierung, Deregulierung, Privatisierung, Reduktion der Provisionsobergrenze für Mieter, Deregulierungspaket zur Ankurbelung des Wettbewerbs, Umsetzung Mindestsicherung, Standort-Benchmarking-Kommission, Umsetzung EU-Dienstleistungsrichtlinie, Verwaltungskosten einzusparen, Transparenz der Märkte erhöhen.















