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1.1. Allgemeine Informationen

 

Eine weitere wichtige Rahmenbedingung für ein günstiges oder eben ungünstiges Börsenumfeld sind die Wechselkurse, oder anders ausgedrückt: Der Wert des Euro in Relation zu den wichtigsten anderen Währungen (der Außenwert des Euro). Wechselkursunsicherheit tritt für Marktakteure immer dann auf, wenn erstens ein Geschäft in ausländischer Währung abgewickelt wird, dabei zweitens Hin- und Rücktausch zeitlich auseinanderfallen und drittens der Wechselkurs zwischen beiden beteiligten Währungen flexibel ist.

 

Der Grund ist klar ersichtlich. Fällt beispielsweise der Euro zum Dollar von 0,90 auf 0,80 Dollar, so erhält eine deutsche Firma, die in den USA eines ihrer Produkte für 10 Dollar verkauft, 12,50 anstatt vorher 11,11 Euro dafür. Und da die Produktionskosten dabei nicht gestiegen sind, erhöht sich der Gewinn beträchtlich. Die Firma kann aber auch die Preise senken. Damit steigt der Gewinn pro Stück zwar nicht an, aber sie kann damit billiger anbieten als Konkurrenten aus anderen Ländern, und erhöht dadurch die Umsätze.

 

Steigt der Euro jedoch, verringert sich der Gewinn genauso stark. Wenn die Herstellungskosten ohnehin 10 Euro betragen, ist der Anstieg des Euro auf 1,00 Dollar natürlich eine Katastrophe. Aus diesem Grund haben die Kursverläufe der exportorientierten Werte eine so enge Bindung an den Kurs des Euro.

 

Wichtig: Der Außenwert des Euro kann nur über das Zinsniveau oder die Regulierung der Geldmenge gesteuert werden. Denn bei hohen Zinsen im Euroland ist eine Anlage in Euro natürlich attraktiver als in Ländern mit niedrigeren Zinsen. Da die Euro-Währung für eine Anlage im Euroland benötigt wird, steigt die Nachfrage nach dem Euro immer weiter an. Die Folge: Der Euro-Kurs steigt an bzw. der Kurs der anderen Devisen sinkt.

 

Werden die Zinsen jedoch gesenkt, wird der Euro als Anlagewährung unattraktiv. Damit fällt sein Kurs im Verhältnis zu anderen Devisen zurück. Dollar, Pfund usw. steigen und erleichtern den Unternehmen die Exporte ins Ausland. Auch auf diesem Wege gibt also die EZB - im Zuge der Regulierung des Außenwertes des Euro - der Konjunktur und den Börsenkursen Schützenhilfe.

 

 

1.2. Wechselkursrisiko Gegenmaßnahmen

 

Ein individueller Marktakteur kann Wechselkursunsicherheiten beispielsweise durch Absicherungsgeschäfte (Hedging) vermeiden. Beispiele hierfür sind Optionen und Swaps auf dem Devisenmarkt. Darüber hinaus ist auch eine Eliminierung der Unsicherheiten durch Kurssicherungsgeschäfte möglich - d. h. die Absicherung zukünftiger Devisenzahlungseingänge und -ausgänge über den Terminmarkt. Eine weitere Möglichkeit der Reduzierung der Wechselkursunsicherheit ist die Verlagerung von Produktionsstätten, die Nutzung von Lieferanten oder die Finanzierung über die Kapitalmärkte in dem jeweiligen Währungsraum. Da hier Forderungen und Verbindlichkeiten in der gleichen fremden Währung gegeneinander verrechnet werden spricht man auch von einem natürlichen Hedge. Man kann davon ausgehen, dass fast alle international Tätigen Unternehmen eine oder mehrer dieser Methoden verwenden.

 

Eine sinnvolle Absicherung gegen Wechselkursschwankungen bietet auch die Fakturierung von Transaktionen in inländischer Währung. Allerdings reduziert dies lediglich die Unsicherheit für einen der beteiligten Akteure.

 

Von staatlicher Seite wurde im 20. Jahrhundert mehrfach versucht, den Außenhandel durch staatliche Wechselkursversicherungen zu fördern. Darunter versteht man eine kostengünstige (oft sogar kostenlose) staatliche Absicherung von Währungsunsicherheiten. Staatliche Wechselkursversicherungen werden jedoch als kritisch angesehen, da sie die Versicherten dazu verleiten, überproportional viele mit hoher Unsicherheit behaftete Geschäfte einzugehen.

 

Ein direkter Weg zur Vermeidung von Wechselkursunsicherheit ist die Bildung einer Währungsunion; so eliminierte die Europäische Währungsunion beispielsweise jegliche Wechselkursunsicherheit zwischen den Ländern der Eurozone.


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