
1.1. Allgemeine Informationen
Zertifikate sind groß in Mode und bergen viele Möglichkeiten. Doch um das passende Papier zu finden, muss der Anleger sich auskennen. Die vergangen Turbulenzen legen Risiken der Zertifikate offen. Die meisten Zertifikate unterliegen den gleichen Marktrisiken, wie andere Anlageformen auch. Das gilt auch für Produkte mit abgemildertem Risiko, wie Discount- oder Bonus-Zertifikaten. Denn bei starken Wertverlusten des abgebildeten Basiswertes, kann es auch bei diesen Produkten zu deutlichen Kapitaleinbußen kommen.
Eine Ausnahme sind Garantie-Zertifikate, bei denen zumindest zum Fälligkeitstermin eine Garantie auf den anfänglichen Anlagebetrag gegeben wird. Hier ist das Verlustrisiko auf den Konkursfall des Emittenten beschränkt.
Ein im Vergleich zur Aktienanlage deutlich erhöhtes Risiko weisen hingegen die sogenannten Turbo- oder Knock-Out-Papiere auf, bei denen auch moderate Kursverluste des Basiswertes zu einem Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können.
Sollte es wegen einer Finanzkrise oder anderen Gründen zur Insolvenz einer Bank kommen, dann wären die Anleger womöglich betroffen. Die Beinahe-Pleite der amerikanischen Investmentbank Bear Stearns oder Lehman Brothers hat die Zertifikate-Branche nervös gemacht. Denn eine Insolvenz hätte sich direkt auf die Zertifikate ausgewirkt, die die Bank emittiert. Denn Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen. Im Fall einer Pleite hätten sie keine Möglichkeit, an ihr Geld zu kommen. Sie stünden dann nämlich in der Gläubigerliste ganz hinten, wären also ohne realistische Chance auf Entschädigung. Und der Einlagensicherungsfonds der Banken würde auch nicht einspringen. Denn der sichert nur die Anlagen ab, die auf den Namen der Kunden ausgestellt sind. Das aber ist bei Inhaberschuldverschreibungen nicht der Fall. Achten Sie daher auf die Bonität des Emittenten. Hilfreich ist es, wenn die Bonität nicht nur von einer Rating-Agentur bewertet werde, sondern von möglichst mehr als zwei. Je weniger kreditwürdig ein Unternehmen sei, desto mehr Risikoprämie müsse es zahlen. Das müsste auch bei Zertifikaten gelten.
Zukünftig sollen Zertifikate ein Rating bekommen. Mit der Einführung eines unabhängigen Zertifikate-Ratings will der Deutsche Derivate Verband die Markttransparenz erhöhen. Der Anleger soll so die seiner Risikoneigung entsprechenden Zertifikate besser finden und einschätzen können. Der Verband, der sich in der vergangen Woche gerade neu gegründet hat, entwickelt das Ratingsystem in Zusammenarbeit mit Hochschulen. Die Ratings sollen von einer bankenunabhängigen Gesellschaft ermittelt werden. Ob es wirklich so weit kommt bleibt aber noch abzuwarten.















