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Hypo-Vergleich: I want my money back!

Insider Nº190 / 15 19.11.2015 Kommentar

Geschätzte Paternosterfahrer,

„es gibt keine blöden Fragen“, sag ich immer, wenn mein Nachbar im Salzkammergut in unseren dortigen Bungalow rüberkommt auf ein Achterl oder zwei und mich dann nach dem dritten oder vierten und einer meist langen Pause mit den Worten anspricht: „Ich hätt wieder einmal eine blöde Frage.“ – Ich möcht grad ansetzen zu meiner beinahe schon rhetorischen Antwort, aber das lässt er diesmal gar nicht zu: „Na ja, weißt“, sagt er, ein bodenständiger Biobauer, den ich mit den Attributen bedächtig, moralisch gefestigt, nicht bauernschlau, aber mit einem ungetrübten Weitblick gesegnet charakterisieren würde, und er setzt gleich nach: „Ich lese grad ein sehr interessantes Buch von Manfred Lütz, einem deutschen Psychiater, es heißt: ,Irre, wir behandeln die Falschen‘. Und da kommt mir sofort der vor kurzem geschlossene Hypo-Milliarden-Vergleich in den Sinn. Das versteh ich einfach nicht, wie das abläuft.“

Ich runzle die Stirn und signalisier ihm damit, dass er schon ein wenig ins Detail gehen solle, damit ich ihm auch eine Antwort geben kann, wenn ich sie denn weiß. „Also“, fährt er entschlossen fort, „die Republik hat doch die Hypo von den Bayern damals unter ganz dubiosen Umständen übernommen und verstaatlicht.“ – Ich nicke ihm zu. „Da haben wir uns angeblich ganz schön über den Tisch ziehen lassen.“ – Ich nicke ihm zu. „Dann hat der bayerische Finanzminister, der, wie heißt er doch gleich? – Söder (im Bild mit Schelling), ja genau, gesagt, ,I want my money back!‘ – Warum er da plötzlich die Margaret Thatcher zitiert, weiß auch kein Mensch. Der hat dann gerichtlich Geld von Österreich zurückerstritten. Stimmt’s?“ – Ich nicke ihm zu. „Danach hat sich bei der Heta noch ein Finanzloch aufgetan, ein richtiges schwarzes Loch, und plötzlich wollte Österreich nichts mehr mit der Abbaubank zu tun haben. Stimmt’s?“

Ich nicke ihm noch einmal zu. „Und dann wollte unser Finanzminister, dass auch die anderen Banken für das Desaster mitzahlen. Da hat der Bank-Austria-Chef, der Willibald (Cernko), der hat gesagt, er zahlt nicht für Wahnsinnige. Das muss man sich ja auf der Zunge zergehen lassen.“ – Ich nicke ihm abermals zu. „Guter Tropfen, übrigens“, kommentiert er meinen Rotwein, „ja, und jetzt gibt es nach etlichen rechtskräftigen Verurteilungen ehemals honoriger Bankmanager, heute laut Cernko Wahnsinnige, einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss, der nicht enden will, und unzähligen Gerichtsverfahren sowie einigen versenkten Milliarden an Steuergeld plötzlich einen Vergleich, bei dem die Bayern in etwa die Hälfte verlieren, obwohl sie zuvor auf die volle Summe bestanden haben. Und damit droht uns Österreicher über all dem noch die Möglichkeit einer Klage der anderen Gläubiger.“

Ich stelle mein Glas ab und senke etwas nachdenklich gestimmt meinen Blick. Ich nicke nicht. „Wie“, sagt mein Nachbar dann, „wie, bitte, geht das alles zusammen? Was ist da gut daran? Das ist doch schon wieder dermaßen skurril, dass man nicht einmal einen Vorsatz auszumachen imstand ist. Als Außenstehender bekommt man ja den Eindruck, dass hier entweder wirklich nur Wahnsinnige am Werk sind, oder es läuft schon wieder etwas Unsauberes ab.“ – Ich weiß ihm keine Antwort. „Weißt“, sagt mein Nachbar nach einer kurzen Pause, „irgendwie kommt man sich als Steuerzahler über den Tisch gezogen vor.“ Wir sitzen, nippen und schweigen. „I want my money back“, wiederholt er leise. Die Uhr an der Wand tickt leise vor sich hin.

In diesem Sinne,

„Cash up!“

Der Börsianer

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