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Gerhard Roiss: Bescheidene Neiddebatte

Insider Nº86 / 16 31.3.2016 Kommentar

Geschätzte Paternosterfahrer,

zu Frühlingsbeginn zieht es mich und meine Frau Jahr für Jahr ins Grüne. Das Osterwochenende zeigte sich heuer geradezu perfekt für eine Überlandpartie hinauf auf den Pogusch zum Steirereck. Man gönnt sich ja sonst nichts. Erfahrungsgemäß ist dort zu dieser Jahreszeit der Andrang auch nicht so groß: beste Voraussetzungen für den Verzehr einer Klachelsuppe in aller Ruhe. – Dachten wir.

Kaum sind wir mit den Vorspeisen fertig und lassen entspannt den Blick durchs Fenster über die sanften Hügel schweifen, da zupft mich mein Tischnachbar am Sakko. „’Tschuldigung, irre ich, oder sind Sie nicht der Gekko?“, fragt er mich. Ich dreh mich um und ruf aus: „Das ist doch nicht die Möglichkeit, der Gerhard Roiss, was für ein Zufall! Schön, dich zu sehen.“ – Er indes greift mir beschwichtigend auf die Schulter und sagt: „Servus, Gekko, nicht so laut, es muss nicht gleich ein jeder wissen, dass ich da bin.“ – „Ja warum denn?“, frag ich erstaunt. „Na ja, du weißt schon. Jeder kann in der Zeitung lesen, wie viel Abfertigung und Boni und Firmenrente ich von der OMV bekomme, und das ist mir höchst unangenehm. Weil’s gar so viel ist! Fast sechseinhalb Mille, stell dir vor!“

Ich wisch mir den Mund mit der Serviette ab, proste meiner Gattin zu und auch dem Gerhard, nehm’ einen Schluck Mineral, dreh mich um und sag: „Aber Gerhard, das muss dir doch nicht unangenehm sein, so untergriffig, wie du von deinem Aufsichtsrat behandelt wurdest. Denk doch nur an die Drohbriefe. Unterzeichnet: ,MH 17‘! Das ist doch ein reiner Intrigenstadl.“ – „Ja eh“, sagt der Gerhard, „aber schau, ich krieg Urlaubsgeld ausgezahlt, was andere Leut im Leben nicht verdienen! Und jetzt haben sie meinetwegen in der OMV eine Abfertigungsobergrenze bei frühzeitigem Abgang eingezogen! Nach mir wird niemand mehr das bekommen, was ich bekommen hab“, redet sich der Gerhard geradezu in Rage. – „Aber Blödsinn!“, sag ich, „du zeigst dich einfach großzügig und spendest einen Teil für die Flüchtlinge!“

„Ja genau“, wirft meine Frau ein, die eine Galerie betreibt, „du kannst auch in Kunst investieren. Das bringt ein positives Image, und die Regierung kann deine Investition mit keinen Subventionen gegenrechnen.“ – Da erhebt sich plötzlich ein dritter Tischnachbar und schlägt drei Mal mit dem Löffel an sein Glas: „Entschuldigung“, sagt er, „wenn ich kurz störe!“ – „Das ist doch der Andreas Babler“, zische ich meine Frau an. Und ja, es war der Traiskirchner Bürgermeister, der eben erst seinen Zweitjob als sein eigener Pressesprecher wegen Überforderung an den Nagel gehängt hat: „Meine Damen und Herren“, sagt der Andreas, „mir sind meine Doppelbezüge höchst unangenehm. Deshalb möchte ich nun eine kleine Lokalrunde schmeißen! Die nächste Runde geht auf mich!“ – Die Gäste applaudieren. Da steht ein Vierter auf, er hat ein rotes Kapperl auf und wenig Haare darunter. – „Da schau her, der Niki Lauda!“, sagt meine Frau. – „Also ich hab ja nichts zu verschenken!“, sagt der Lauda. Die Gäste lachen, ich schau den Gerhard an und sag: „Noch Fragen?“

In diesem Sinne,

„Cash up!“

Der Börsianer

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