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© Rainer Hackenberg / Picturedesk

Schwarze Peters: Zinstief bleibt, Vorstände gehen

Insider Nº215 / 15 17.12.2015 Kommentar

Geschätzte Paternosterfahrer,

erst kürzlich war ich an einem sonnigen Nachmittag auf dem Wiener-Kahlenberg in den Weinbergen spazieren. Und wie ich beschwingt von Nußdorf aus die Weinberge raufmarschiere, seh ich von weitem schon den Peter (Hagen), vor wenigen Tagen noch Vorstandschef der Vienna Insurance Group AG, und den Peter (Thirring), ebenso Exvorstandschef, allerdings von der Generali Versicherung, nebeneinander wie bestellt und nicht abgeholt auf einem Bankerl sitzen und lethargisch auf Wien hinunterstarren. Ich nähere mich den beiden Koryphäen, doch sie nehmen mich augenscheinlich nicht wahr.

Endlich ganz nah bei ihnen angelangt, ergreife ich das Wort, um diese gespenstische Stille zu durchbrechen. Ich apostrophiere die beiden Peters mit den Worten: „Schönen guten Tag, meine Herren.“ – Es kommt keine Antwort. Ich wende meinen Blick ebenso hinunter auf Wien. Nach einer Weile versuch ich’s erneut: „Ein wunderbarer Ausblick ist das hier.“ – „Bei dem Einblick in die Konzernzentrale ist mir der Ausblick wurscht“, gibt der Thirring trocken zurück. Doch ich gebe nicht auf, wohl wissend, dass die beiden vor nicht allzu langer Zeit einen herben Jobverlust einstecken mussten: „Aber die Stille hier, ist das nicht angenehm?“ – „Nach dem Krach mit dem Aufsichtsrat hör ich die Stille nicht mehr“, sagt der Hagen. Ein offenbar schwieriger Fall, die beiden zeigen sich wenig kommunikativ.

Ich versuch die Unterhaltung mit Bedacht in Gang zu bringen: „Da unten, seht ihr, da reflektiert ein Gebäude die Sonne ganz besonders stark. Der Einfallswinkel scheint grad günstig zu sein.“ – „Das ist der Uniqa-Tower“, antwortet mir lakonisch der Hagen. Wieder tritt Stille ein. Nur ein paar Saatkrähen hört man krächzen, doch auch sie erheben sich in die Lüfte und lassen uns allein. Mir wird klar, ich brauch ein anderes Thema, nur nicht Versicherung: „Ein richtig warmer Tag heute“, werfe ich ein. – Wieder tritt Stille ein. Nach einer Weile sagt der Thirring: „Das ist der Klimawandel.“ – Ich halte bemüht dagegen: „Aber der Klimagipfel in Paris hat doch nun, so scheint’s, ein Ergebnis gebracht. Was meint ihr? Da wird sich doch jetzt bald etwas ändern. Die Welt hat endlich begriffen. Es geht aufwärts. Nur gemeinsam können wir etwas verändern.“

Die beiden würdigen mich und meinen Enthusiasmus keines Blickes. „Aber das Zinstief bleibt“, sagt der Hagen lustlos. – Da zieht über den Hängen eine dunkle Wolke auf, und es beginnt leicht zu regnen. – „Hab ich’s nicht gesagt?“, bekräftigt der Hagen seine Aussage, „das Zinstief geht nicht weg, auch wenn sie sich in Paris noch so bemüht haben.“ – „Aber“, entgegne ich, „es gibt immer ein Licht am Ende des Tunnels.“ – Der Regen wird indes stärker. Nach einiger Zeit sagt der Thirring: „Dieses Licht ist immer das des entgegenkommenden Zuges.“ – Und er setzt nach: „Das stammt von George Tabori, übrigens.“ Da beginnt es zu schütten. Wortlos erheben wir uns und schreiten zu Tal.

In diesem Sinne,

„Cash up!“

Der Börsianer

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