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Zack, zack, zack: 2019 a b’soffene G’schicht

Exklusiv Insider Nº370 / 19 19.12.2019 Kommentar

Geschätzte Paternosterfahrer,

es wird schon wieder Zeit für den obligaten Jahresrückblick. 2018 habe ich als das Jahr der Superlative bezeichnet – nicht bedenkend, dass ich damit einen Plafond erreicht habe, über den hinaus ich nicht schreiben kann. Ich bin sehenden Auges in die Superlativ-Falle getappt: drei Regierungen, drei Bundeskanzler, darunter die erste Bundeskanzlerin der Republik, Gesetze beschlossen, Gesetze gekippt, Vorstände eingestellt, Vorstände ausgetauscht, Vorstände entlassen, Karrieren beendet, Karrieren gestartet – das alles ging zack, zack, zack vonstatten, und alles nur wegen einer b’soffenen G’schicht. Trotz des endlich eingeführten allgemeinen Rauchverbots bekommt man bei dem Ereignisreigen Schnappatmung.

HARALD SCHNEIDER / APA /

Bei aller Wertschätzung von historischen Momenten, denen man beiwohnen darf – nach dem politischen Erdbeben aufgrund der epochalen Veröffentlichung des Ibiza-Videos herrscht Stillstand. Seit Mai wird unser Land nur noch verwaltet, und es dauern die Koalitionsverhandlungen einer möglicherweise gar nicht zustande kommenden türkis-grünen Regierung – auch wenn die Spatzen anderes von den Dächern pfeifen – immer noch an, dabei sind die Herausforderungen gewaltig. Entscheidungen stehen an. Es brauchert mehr Bewegung.

Keep cool, mag jetzt der eine oder andere einwerfen. Ja, aber die Politik hat Jahrzehnte verschlafen, im Bereich des Klimaschutzes, des Strukturwandels, der Bildung sowie der Stärkung der Börse und damit auch der Investitionen in die so dringend benötigte Forschung und Entwicklung. Ist sie wahrhaftig, wie es Andreas Treichl, Vorstandsvorsitzender der Erste Group Bank AG, einst so drastisch wie direkt auszudrücken vermochte, zu blöd und zu feige, um Strukturen zu schaffen, die das Land erblühen ließen? Wenn dem so wäre, was kann man dagegen tun? Der Andreas hat ja wie auch der Wolfgang Eder, Voestalpine AG, für heuer seinen Abschied angekündigt. Waldorf und Statler der Börse verlassen die Loge. Traut sich jetzt keiner mehr etwas sagen?

„Make the World Greta Again“ lautete der Covertitel des Börsianer, Edition grün 2019, in Anspielung auf Greta Thunberg. Dieser Backfisch aus Schweden war wohl erschüttert darüber, wie augenscheinlich der Klimawandel mittlerweile geworden ist, gleichzeitig jedoch Regierungen auf dem gesamten Globus die Dringlichkeit einer Problemlösung immer noch nicht erkannt zu haben scheinen und demnach zu wenige Gegenmaßnahmen setzen, sodass der Treibhausgasausstoß steigt statt sinkt. Sie dachte wohl, wenn die Regierungen nicht handelten, müsse es jemand anders tun. Gesagt, getan: Sie gründet die Bewegung Fridays for Future, die sich innerhalb weniger Monate über die ganze Welt verbreitet und heute bei allen wichtigen Klimakonferenzen mitwirkt. Auch wenn der Impact noch gering sein mag, die Bewegung bleibt nicht ungehört.

Apropos ungehört: Das kommende Jahr gehört dem großen Komponisten Ludwig van Beethoven. Darauf freue ich mich: auf die Konzerte und Aufführungen und darauf, dass  dieser Ibiza-Lärm von der Musik des Genies übertönt werden möge. Übrigens war der große Ludwig van nicht nur ein musikalisches Genie, er experimentierte und tüftelte an komplizierten Hörgeräten und Heilmethoden, die seinen Gehörverlust aufhalten sollten. Das hat zwar wenig geholfen, aber in einer anderen Sache reüssierte er sehr wohl. Als einer der ersten freischaffenden Komponisten musste er sich eigene Vertriebsstrukturen für seine Werke schaffen, die es damals noch nicht gab. Die Wissenschaft bestätigt uns heute, dass der große Ludwig van darin gar nicht so ungeschickt gewesen sein soll. Ludwig van, der große Innovator.

„Mut zur Meinung“ rief Dominik (Hojas), Chefredakteur des Börsianer, als Motto aus, und da ist was dran: Nutzen wir das Know-how und die Erfahrung, die wir als Vertreter der Finanzbranche haben, bringen wir Ideen ein, tauschen wir einander aus und führen wir auch eine öffentliche Debatte darüber. Wir brauchen jeden klugen Kopf und jede gute Idee, die es uns allen ermöglicht, wirtschaftliche Prosperität mit sozialer Gerechtigkeit zu verbinden, Mobilitätskonzepte zu erstellen, die niemanden zurücklassen, und vor allem Technologien zu entwickeln, die uns unabhängig von fossiler Energie machen. „Wir kriegen das schon hin“, sagte unser Bundespräsident während der Nachbeben der Ibiza-Eruption in einer Fernsehansprache – also packen wir’s an.

Zuerst jedoch verabschiede ich mich auf ein paar Wochen Winterurlaub. In unserem stillen Domizil lege ich mir dann die dritte Symphonie vom großen Ludwig van auf, die er allein aus dem Grund einem gewissen Napoleon Bonaparte widmete, da solch eine Widmung in der Regel fürstlich entlohnt wurde, lasse mich von der Herrlichkeit dieser revolutionären Musik überwältigen, inspirieren und hernach die Ideen sprießen. – „Eroica statt Ibiza.“

Wir lesen voneinander im kommenden Jahr. Bis dahin wünsche ich euch Paternosterfahrern (vulgo Börsianer) gesegnete Weihnachten und ein heroisches 2020!

In diesem Sinne,

„Cash up!“

Der Börsianer

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