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FACC-Fiasko: Das Leben ist kein Ponyhof

Insider Nº34 / 16 10.2.2016 Kommentar

Geschätzte Paternosterfahrer,

weil meine Frau heuer einen eigenen Gemüsegarten anlegen möchte, darf ich am Faschingsdienstag in den Baumarkt fahren und dort einen schönen und praktikablen Holzzaun aussuchen, der für das Gemüse eine territoriale Grenze bilden und ihm Heimat suggerieren soll. Und wie es der Zufall so will, treffe ich im Baumarkt an der Kassa den Walter (Stephan), seines Zeichens Vorstandsvorsitzender der um 50 Millionen Euro, die auf Konten in Asien und der Slowakei versickert sind, betrogenen FACC AG.

„Gut, dass ich dich treff, Gekko“, sagt der Walter, als er an der Reihe ist und umständlich sein Börsel aus dem Sakko fischt, „ich wollt dich eh schon anrufen.“ – Draußen vor dem Baumarkt stellt er mich abermals: „So, jetzt können wir in Ruhe reden, hast eh ein bisserl Zeit“, sagt er. Ich zieh den Ärmel hoch, um einen verlegenen Blick auf meine Uhr zu werfen, da tritt eine alte Frau an uns mit zwei großen Säcken an jedem ihrer schwachen Arme und sagt: „Sie sind doch zwei nette junge Herren, ich hätte eine Bitte, würden Sie mir über die Hadikgassen helfen, danach find’ ich eh allein nach Haus’. Wissen S’, ich seh schon so schlecht.“ Der Stephan und ich schauen uns an, zucken mit den Schultern und sind uns einig: „Aber freilich, Gnädigste“, sagt der Stephan, „soll ich Ihnen ein Sackerl abnehmen?“ – „Nein!“, faucht die Alte, „lassen S’ nur, des geb ich nicht her.“

Wir schreiten zur Ampel, sie ist rot. „Sein S’ ned bös“, sagt die Alte, „aber ich hab erst unlängst schlechte Erfahrung gemacht.“ Die Ampel wird grün, wir setzen uns langsam in Bewegung. Sie fährt fort: „Läutet jemand an der Tür. Ich mach auf. Eine (angebliche) Nachbarin mit Kind. Sie sagt, sie braucht Wasser für das Kind. Na das Kind tut mir ja leid. Und wie ich, gutgläubig wie ich bin, ein Wasser bring, sind sie schon in der Wohnung. Nachher hat mir alles gefehlt. Das Geld, der Schmuck. Die haben mich vollkommen ausgeraubt. Und wie sich herausgestellt hat, wohnt die gar nicht in meinem Haus. Hat nur falsche Tatsachen vorgespielt.“

Wir haben fast die andere Seite erreicht, die Ampel ist rot. Der Walter Stephan wird grün im Gesicht. „Eine Frechheit. Aber am meisten hab ich mich ja über mich selbst geärgert. Wie blöd kann man nur sein?“ sagt die Alte. – Ein Schritt noch, und wir haben es geschafft. „Aber wissen S’, das Beruhigende ist letzten Endes“, sagt sie und hebt dabei ihren Blick in Richtung Walter, „andere sind auch nicht g’scheiter. Sogar große Firmen sitzen Trickbetrügern auf, vor allem im Internet, hab ich in der Zeitung gelesen. Na ja, das Leben ist halt kein Ponyhof, nicht.“ – Der Walter Stephan hustet und krümmt sich: „Sorry, aber mir ist grad sehr übel geworden – 50 Millionen, einfach (auf Konten in Asien und der Slowakei) weg! Ich verabschiede mich.“ – Eiligen Schrittes entfernt er sich. Die alte Frau schüttelt ungläubig den Kopf. Die Ampel wird grün.

In diesem Sinne,

„Cash up!“

Der Börsianer

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