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Diese Schoitln: Das Licht bei Wien Energie geht aus

Insider Nº296 / 22 31.8.2022 Kommentar

Geschätzte Paternosterfahrer,

als Bewohner der Stadt am schönen blauen Donaustrom ist man es ja freilich gewohnt, dass Katastrophen, wenn sie das denn tun, immer ein paar Tage später eintreten als im Rest der Welt. Wenn sich aber beim städtischen Energieversorger Wien Energie von heute auf morgen ein Finanzloch von sage und schreibe zehn Milliarden Euro auftut, sind die seismischen Ausschläge sofort spürbar – in dem Fall im gesamten Staatsgebiet.

Da macht sich der gelernte Österreicher berechtigte Sorgen bezüglich der immer nahenden Zukunft und geht ins Gasthaus zur trüben Glaskugel – ein Hort der heimischen Gemütlichkeit –, um dort die neuesten Neuigkeiten zu erfahren.

Sitzt doch glatt der Michael (Ludwig), seines Zeichens Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien in Personalunion, an einem Fensterplatz bei einem Bier und einem Schnitzel, „das beinahe so groß ist wie dein Gesicht“, sag ich scherzhaft zur Begrüßung. „Das ist aber jetzt gar nicht lustig!“, mault der Michael. – „Was darf’s denn zum Trinken sein?“, fragt mich der Hubertus (Mantel), der Wirt der Lokalität. Ich bestelle auch ein Bier, „aber ein großes, bitte!“. Der Michael schiebt sich ein Stück nach dem anderen rein, kaut und schluckt wortlos.

Da unterbreche ich die Stille: „Sag, Michael, wie geht’s dir heute?“ – Er schaut auf, kaut, kaut, nimmt einen Schluck Bier und sagt: „Was? Wie soll’s mir schon gehen? Eine Pressekonferenz muss sich geben, eine nach der anderen wegen diesen der Wien Energie, muss mich schon den ganzen Tag der Öffentlichkeit gegenüber erklären. Ein Desaster ist das, ein volles Königgrätz.“

Ich nicke: „Ja, das stimmt. Ich hab mir die Zahlen ang’schaut. Fragen über Fragen“ – Der Michael trinkt sein Bier aus: „Des hamma braucht wie einen Kropf. Und die anderen können das jetzt ausschlachten, jetzt, wo wir auf Bundesebene in den Umfragen ganz vorn liegen.“ – Ich unterbreche ihn: „Vorn gelegen sind, meinst du wohl, ab heute heißt das: ‚gelegen sind‘.“

Der Hubertus bringt mein Bier. Ich bestelle auch ein Schnitzel. „Sehr wohl!“, sagt der Hubertus, „heut is’ Schnitzeltag“, notiert’s und geht. Der Michael: „Jetzt werden wir, die SPÖ, für einen Fehler der Führung in der Wien Energie geklopft wie die Schnitzel! Diese Schoitln!“ – Da sag ich: „Ja, aber ihr habt das ja schon spätestens seit Juli gewusst. Da hast du doch schon 700 Mille für ‚die Schoitln‘ lockergemacht. Ich frag mich: Wieso seids ihr damit nicht an die Öffentlichkeit gegangen oder habts mit dem Schmähammer geredet. Damals hätte man noch was machen können, hätte etwa wie Deutschland mit einem Schutzschirm reagieren können. Aber nein …“

Der Michael sagt: „Ja, jetzt sind alle g’scheiter. Und das Depperte dabei ist ja: Es ist ja in Wirklichkeit gar nichts passiert! Die Passiva sind gedeckt, und die Versorgungssicherheit ist gegeben.“

In dem Moment geht im Lokal das Licht aus. Alles erstummt. In der Küche kreist der Lichtstrahl einer Taschenlampe und der Hubertus flucht: „So ein Dreck! Das hätt ich schon längst reparieren lassen sollen.“ – Und an die Gäste gewandt: „T’schuldigung! Ist nur die Sicherung!“ – Das Licht geht wieder an. Der Michael Ludwig ist verschwunden.

In diesem Sinne,

„Cash up!“

Der Börsianer

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