© Clemens Fabry / Die Presse / picturedesk.com

Auf die Null gesetzt: Peter Sidlos Bestellung zum Casinos-Austria-CFO

Insider Nº245 / 19 29.8.2019 Kommentar

Geschätzte Paternosterfahrer,

höchstwahrscheinlich höchst unbewusst von der medialen Berichterstattung inspiriert, verschlug es mich letztens seit langem wieder einmal ins Casino Baden. Ich gesell mich wie üblich zu einem der Roulettetische, weil es dort recht kommunikativ zugeht, und setze auf Farbe. Da kommt immer etwas zurück, und wenn man rechtzeitig aufhört, verliert man nicht allzu viel. Rot, lautet meine Entscheidung. „Rien ne va plus“, sagt der Croupier und wirft die Kugel ein. Sie rollt.

„Aufpassen, Gekko, nicht dass du hier deine letzten Reserven verspielst!“, schallt es mir ins linke Ohr, während meine Augen die wild umherhüpfende Kugel im Rad beobachten, und die Stimme kenn ich: der Walter Rothensteiner, seines Zeichens Casinos-Austria-Aufsichtsratsvorsitzender. „Ja servus, Walter“, geb ich überrascht zurück, „was treibt dich denn zu uns herunter in die Ebenen des einfachen Volkes? Musst du etwa vorsorgen für schlechtere Zeiten?“ – Der Croupier unterbricht. Rot hat gewonnen. Ich setze. „Aber, Gekko, du setzt auf Rot?“, säuselt es mir ins diesmal rechte Ohr, „seit wann denn das?“: Es ist der Harald Neumann, Vizepräsident des Aufsichtsrates der Casinos. Hinter ihm stehen der Josef Pröll, der zweite, und der Robert Chvatal, der dritte Aufsichtsratsvizepräsident des Glücksspielkonzerns in mehrheitlich staatlichem Besitz. Jetzt gewinnt Schwarz.

Wir setzen wieder, der eine auf Rot, der andere auf Schwarz, da unterbricht uns plötzlich der Croupier: „Entschuldigen Sie, die Herren, ich habe mitbekommen, dass Sie aus dem Aufsichtsrat sind.“ Die Runde nickt freundlich. „Das freut mich außerordentlich, Sie heute hier an meinem Tisch begrüßen zu dürfen, darf ich mich vorstellen: Tudor Vremea*“, sagt der junge, adrette Mann, der nun allen die Hände schüttelt und dabei freundlich lächelt. Und bevor noch jemand etwas sagen kann, fährt er fort: „Also weil man ja so allerhand in der Zeitung liest und im Radio hört, wie die Postenvergabe hinter den Kulissen so abläuft, und weil fragen nichts kostet, wollte ich nur fragen, ob nicht noch ein Posten als Vorstandsdirektor frei wär, weil ich kann auch hervorragend Schreibmaschine und Englisch und Rechnen, Französisch und Steno.“

Alle blicken mit großen Augen diesen plötzlich etwas dreist erscheinenden jungen Mann an. Der Walter Rothensteiner fasst sich ein Herz: „Also wissen Sie, so einfach, wie Sie sich das vorstellen, ist das nicht. Da gibt es ein Hearing, eine Bewertung usw.“ Walter blickt sich in der erstaunten Runde um. Alle nicken mit hochgezogenen Brauen. Der junge Mann lässt nicht locker: „Muss man das Hearing denn bestehen?“ Da ergreift der Josef Pröll das Wort: „Ich seh schon, Herr Tudor, da wird ein vollkommen falsches Bild von den Medien transportiert. Sie können nicht ohne einschlägige Erfahrung einfach so als Superpraktikant in den Vorstand aufgenommen werden.“ Der Harald Neumann setzt sein Pokerface auf und ergänzt: „Wenn Sie auf den Peter Sidlo anspielen, kann ich Sie beruhigen, das war, wenn Sie mich fragen, ein ganz normaler Vorgang. Er hat genügend Qualifikation und gilt als sehr zuverlässig. Sicherlich hätte es noch besser Qualifizierte gegeben, aber irgendwann muss man auch eine“, da unterbricht ihn der Robert Chvatal und mischt sich ein: „Nein, nein, die Medien schießen da mit Elefantenmunition auf Spatzen. Stellen Sie sich vor, ganz Österreich könnt zusperren, wenn es anders wär. Wir haften ja auch für Fehlentscheidungen. Und wissen Sie was? Ich mach es Ihnen jetzt vor.“ Er nimmt alle Jetons und setzt sie auf die Null. Ein Raunen geht durch die Runde.

Herr Tudor setzt das Rad in Bewegung und lässt die Kugel mit einer eingeübten und eleganten Handbewegung in die Gegenrichtung rollen. Die Kugel rollt und rollt und hüpft und rollt und hüpft dann schlussendlich langsam aus und landet – wie soll es anders sein – in der Null. Robert streift alle Jetons ein, steckt sie ein und sagt: „Sehen Sie? Also guten Abend, die Herren, es hat mich sehr gefreut.“

In diesem Sinne,

„Cash up!“

Der Börsianer

Comeback: Grossnigg steigt wieder bei S&T ein
Gut angelegt: Pensionskassen melden sich zurück
GIB MIR EINEN TIPP! Du hast eine heiße Story vom österreichischen Markt? Dann teile sie unverzüglich mit mir!
One-Man-Show: Pierer Mobility statt KTM Industries
Alarmstufe Dunkelrot: HTI vor Aus

Jetzt Abonnieren

RSS FEED
x

WHISTLEBLOWER

Du hast eine heiße Story? Dann gib mir einen Tipp! Sende mir Texte, Fotos oder ein Video mit kurzer Beschreibung (Was? Wer? Wann? Wie? Wo?). Deine Daten werden verschlüsselt. Oder per E-Mail an: whistleblower(at)derboersianer.com
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.