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Der Wolf im Nerz: Seele verkauft?

Insider Nº99 / 22 7.3.2022 Kommentar

Geschätzte Paternosterfahrer,

letztens war ich wieder einmal zu Besuch beim Georg (Knill), dem Präsidenten der Industriellenvereinigung – zur Lagebesprechung bezüglich der Sanktionen gegen Russland und, ich geb’s ja zu, auf eine Runde Paternosterfahren. Man hat ja sonst kein Vergnügen mehr. Und wie ich danach dieses geschichtsträchtige Haus am Schwarzenbergplatz wieder verlasse und mich einer Demo gegen die Invasion Russlands in die Ukraine beim Russendenkmal nähere, sehe ich einen Mann im Nerzmantel, der mir sehr bekannt vorkommt: den Siegfried Wolf, Gerade-noch-Aufsichtsratsvorsitzender der russischen Sberbank Europe und Ex-Magna-Chef.

Er schreit mit den anderen „Putin muss weg!“ Dabei schwingt er ein Hotdog wie einen Taktstock im Rhythmus der Parolen über deinen Kopf, das Ketchup spritzt ein wenig über die Köpfe der anderen hinweg und hinterlässt auf den Jacken der anderen rote Patzen. Ich nähere mich ihm: „Sigi, altes Haus, sag bist du nicht auf der falschen Demo? Was machst denn da?“ – Er erschrickt. „Gekko, na sowas, du hast mich erkannt? Trotz Maske und Nerz?“ – Ich schau ihn an: „Na freilich. Aber ich dachte, du seist im Ausland! Wegen des U-Ausschusses und so weiter.“

Er schiebt sich die Maske runter und beißt vom Hotdog ab und nuschelt: „Halt’s z’samm. Darf doch niemand hören. Ich wart hier schon seit einer halben Stunde auf den Marsalek, den Jan, weißt eh. Der holt mich ab und bringt mich weg. Nach Moskau. Über Belgrad. Bis dahin muss ich mich verstecken. Weiß nicht, wo der ist. Er sollte schon längst da sein. Und ja, auf einer Demo für die Ukraine werden sie mich nicht suchen. Bin ja kein Trottel.“

Er beißt wieder vom Hotdog ab, schaut auf die Uhr. Ich runzel die Stirn: „Was, jetzt willst nach Russland? Jetzt, wo doch …“ – Der Sigi unterbricht mich: „Na klar, wohin denn sonst? Dort gibt’s noch eine anständige Demokratur. Dort schafft an, wer zahlt, wer Geld oder Macht hat. Weil anders geht’s net. Wie soll man denn in einer Demokratie Geld verdienen? Siehst ja, da muss man Gesetze einhalten, muss sich an Regeln halten, das ist ja furchtbar! Da hat ja auch sogar der Pöbel was zum Sagen. Und die Medien, die Journalisten, die alles unbedingt an die Öffentlichkeit bringen wollen, nur damit sie sich herausputzen und dir Schaden zufügen können. In dem Land hat man ja keine Luft zum Atmen. Und dann noch der U-Ausschuss. Das soll Freiheit sein? Geh bitte.“ – Sagt’s und beißt wieder vom Hotdog ab.

Ich schau in die Runde der Demonstranten: „Aber die vielen Toten, die der Krieg in der Ukraine jetzt fordert. Die Aggression von Putin. Das menschliche Leid, das er da grad produziert. All das ist dir Wurscht? Ehrlich, das wundert mich jetzt schon.“ – Der Sigi stopft sich das letzte Stück vom Hotdog in den Mund. Kaut, kaut noch ein wenig, steckt das fettige Papier in seine Nerzmanteltasche und schaut mich ganz ernst an: „So so, du gehörst also auch zu den Moralisten, den Gutmenschen. Und ich hab dich immer als loyal angesehen. Du bist ja auch kein Feind vom Geld. Und jetzt fallst mir in den Rücken?

Du redest ja schon wie der Ex-OMV-Häuptling Gerhard (Roiss). Ich sag dir was: Erfolg fordert Opfer, das hast du selber einmal gesagt.“ – „Ja“, sag ich, „aber ich hab persönliche Opfer gemeint, dass man sich selber anstrengen muss, und nicht, dass man sich einem Mörder, wie der Biden den Putin bezeichnet hat, anschließt und menschliche Tragödien in Kauf nimmt, nur um Erfolg zu haben.“ – Der Sigi schluckt den letzten Bissen runter: „Anstrengen? Wie meinst du das?“ – Ich schau ihn ernst in die Augen: „Sigi“, sag ich, „du hast deine Seele verkauft.“ – Er dreht sich um. „Jaja, der Seele hat auch schon verkauft. – ha, ich seh den Jan, du, baba, Handkuss an die Gattin.“ – Der Sigi taucht unter. Die Menge ruft: „Slawa Ukrajini!“

In diesem Sinne,

„Cash up!“

Der Börsianer

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